DEATH IN CUSTODY – DOKUMENTATION

Staatliche Gewalt tötet! Wir machen es öffentlich.

Die folgende Dokumentation hat zwei Ursprünge: Die 2019 begonnene Recherchearbeit für die Kampagne „Death in Custody“ sowie die 2022 begonnene Recherche „Tode bei Polizeieinsätzen aufklären!“ (topa). Da wir ähnliche Ansätze verfolgen, haben wir uns entschieden, zusammenzuarbeiten und unsere Ergebnisse ab dem Jahr 2025 gemeinsam zu veröffentlichen.

Wie wir bei der Recherche vorgehen, welche Quellen wir nutzen und wie wir die wichtigsten Begriffe definieren, erläutern wir unter Recherche. Die Gesamtzahl der von uns recherchierten Todesfälle in Gewahrsam seit dem 1. Januar 1990 liegt aktuell bei 397 (Stand: 11. März 2026).

Die Dokumentation wird kontinuierlich aktualisiert. Zusätzlich veröffentlichen wir künftig jedes Frühjahr eine gesammelte Recherche über alle für uns auffindbaren Todesfälle bei Polizeieinsätzen aus dem Vorjahr. Wir freuen uns über Hinweise auf Todesfälle, die wir noch nicht dokumentiert haben, per Mail an: death-in-custody@riseup.net

Todefälle von 1990 bis heute

397 von 397 Einträgen

02. MÄR
2026
BayernSuizidGefängis

Am 2. März 2026 wurde ein 35-jähriger Mann aus Afghanistan leblos in seiner Zelle in der JVA Würzburg gefunden. Er soll sich selbst getötet haben. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann war in Untersuchungshaft, weil er eine Woche zuvor drei Personen an einem Stand der Zeugen Jehovas mit einem Messer angegriffen haben soll. In der JVA war er zunächst in einem Gemeinschaftsraum untergebracht. Weil er andere Gefangene provoziert haben soll, wurde er in die psychiatrische Abteilung verlegt. Ein Psychiater habe keine Suizidgefährdung erkannt und erlaubt, dass der Mann in einer Einzelzelle untergebracht wurde. Diese Isolation überlebte er jedoch nicht.

www.merkur.de

Rassismus
10. FEB
2026
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei
zuhause/private Wohnung
13. JAN
2026
Niedersachsenunklare TodesursachePolizei, Gericht

Ein 40-Jähriger Mann ist im Sitzungssaal des Amtsgerichts Oldenburg plötzlich verstorben. Einsatzkräfte der Polizei haben den Mann zur Vollstreckung eines Haftbefehls aus seiner Wohnung abgeholt und zu einem Richter gebracht. Die Obduktion habe keine Hinweise auf Gewalteinwirkungen festgestellt, toxikologische Wertungen stehen aus.

om-online.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
26. DEZ
2025
HessenErschießungPolizei, Krankenhaus, Psychiatrie

Am 26. Dezember 2025 erschoss die Polizei einen Patienten der psychiatrischen Station im Uniklinikum Gießen. Sein Name ist uns bislang unbekannt. Er wurde 33 Jahre alt.

Der Mann war geschlossen untergebracht und befand sich in einem schweren psychischen Ausnahmezustand. In diesem soll er – laut ermittelnder Staatsanwaltschaft – Klinikpersonal mit einem „Scheckkartenmesser“ bedroht haben. Eine Pflegekraft setzte daraufhin einen Notruf ab. Die herbeigerufenen Polizist*innen griffen den Mann zunächst mit einem Taser an, danach schossen sie zwei Mal auf ihn. Ein Schuss traf ins Bein, einer in den Oberkörper.

Um des Erschossenen zu gedenken, fand vor dem Krankenhaus nur wenige Tage später eine Demonstration gegen Polizeigewalt statt. In Reden wurde darauf hingewiesen, dass solche Todesfälle vermeidbar wären, Polizist*innen aber nicht ausreichend dafür geschult seien, Menschen in psychischen Krisen deeskalierend zu begegnen. Die Demonstrierenden forderten „spezialisierte Kriseninterventionsteams statt bewaffneter Eskalation“ und „ein Gesundheitssystem, das Menschen auffängt, bevor Situationen eskalieren“.

www.giessener-anzeiger.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
11. DEZ
2025
Nordrhein-WestfalenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am 11. Dezember 2025 wurde die Wohnung eines 31-Jährigen Wuppertalers von der Polizei durchsucht. Der Bewohner widersetzte sich scheinbar und verletzte einen Polizisten leicht, worauf er scheinbar festgehalten wurde. Er riss sich los und betrat den Balkon, von dem er sich stürzte. Da die Wohnung im 4. Stock lag, verstarb er an den Verletzungen. Die Polizei nannte den Todesfall einen „freiverantwortlichen Suizid des 31-jährigen Mannes“ und nennt keine weiteren Infos. „Weitere Auskünfte werden nicht erteilt“, heißt es abschließend. Die ermittelnde Polizei Hagen und die Staatsanwaltschaft sprechen davon, dass kein Fehlverhalten der Beamten vorliege. Nicht bekannt ist zudem, warum die Wohnung des 31-Jährigen durchsucht wurde.

wa.de

zuhause/private Wohnung
01. DEZ
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

In einer FragDenStaat Anfrage gab das Innenministerium von NRW an, dass im Dezember 2025 eine Person im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes in Köln verstarb. Die Umstände sind nicht weiter umschrieben und der Grund des Todes wird als "Ableben der verstorbenen Person durch Selbsttötung" angegeben. Weitere Details sind nicht bekannt oder auffindbar.

FragDenStaat-Anfrage

01. DEZ
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

In einer FragDenStaat Anfrage gab das Innenministerium von NRW an, dass im Dezember 2025 eine Person im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes in Soest verstarb. Die Umstände sind nicht weiter umschrieben und der Grund des Todes wird als "Ableben der verstorbenen Person durch Selbsttötung" angegeben. Weitere Details sind nicht bekannt oder auffindbar.

FragDenStaat-Anfrage

03. OKT
2025
Niedersachsenunklare TodesursacheGefängis

Am 3. Oktober 2025 starb ein 32-jähriger Mann in der JVA Uelzen. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann war in Haft, weil er eine Ersatzfreiheitsstrafe verbüßen musste. Er war also nicht zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Vielmehr saß er aus dem alleinigen Grund im Gefängnis, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlen konnte. Der Mann wurde erst wenige Tage vor seinem Tod, am 28. September, von der Polizei festgenommen. Nach Angaben der Schwester des Verstorbenen war dieser gesundheitlich in einem schlechten Zustand. Im Sommer habe er mehrere Wochen im Koma gelegen, er habe eine „lange Drogenkarriere“ hinter sich und zudem an einer chronischen Nierenerkrankung gelitten. Die Schwester bezweifelt deshalb, ob ihr Bruder überhaupt haftfähig war.

Der gesetzliche Betreuer des Mannes berichtet, ihm sei am 1. Oktober mitgeteilt worden, dass dieser Essen und Trinken verweigere. Am Morgen des 3. Oktober stellten die JVA-Bediensteten seinen Tod fest. Die Familie wurde erst drei Tage später über den Tod ihres Angehörigen informiert.

www.az-online.de

Armut
28. SEP
2025
BrandenburgSuizidGefängis

Am 28. September 2025 überlebte ein Ersatzfreiheitsstrafler die Unterbringung in der Justizvollzugsanstalt in Cottbus nicht. Sein Name ist uns nicht bekannt. Er war 25 Jahre alt.

Der Mann saß seit dem 12. September 2025 in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen und wurde am 28. September 2025 stranguliert in seinem Einzelhaftraum aufgefunden. Er verbüßte eine Ersatzfreiheitsstrafe, was heißt, dass er wegen einer Ordnungswidrigkeit eine Geldstrafe erhielt, die er nicht bezahlen konnte. Eingeleitete Wiederbelegungsversuche blieben ohne Erfolg. Hinweise auf ein Fremdverschulden läge dem Ministerium der Justiz zufolge „nach gegenwärtigen Erkenntnissen nicht vor“. Aktuelle Hinweise auf eine erhöhte Suizidgefahr bei dem Gefangenen, dessen Haftende bereits für den 1. Oktober 2025 notiert war, seien im Vorfeld des „Suizids“ nicht festgestellt worden.

Ministerium der Justiz und für Digitalisierung des Landes Brandenburg

Armut
21. AUG
2025
Sachsenunklare TodesursachePolizei

Am 21. August 2025 wurde die Polizei zu einem Mehrfamilienhaus in Dresden gerufen. Ein 40-jähriger Mann soll dort Gegenstände vom Balkon geworfen haben. Sein Name ist uns nicht bekannt. Da er laut Pressemitteilung der Polizei nicht kooperationswillig gewesen sei, fixierten die Beamt*innen ihn. Dabei soll er plötzlich „reanimationspflichtig“ geworden sein. Wiederbelebungsmaßnahmen scheiterten.

medienservice.sachsen.de

zuhause/private Wohnung
12. AUG
2025
Baden-Württembergunklare TodesursachePolizei

In einer Anfrage nach dem Informationsgesetzes listete das Bundesministerium für Inneres einen Todesfall im Zusammenhang mit einem Polizeieisatz vom 12. August 2025. Weitere Informationen sind derzeit nicht auffindbar oder vom Ministerium oder Polizei bereitgestellt worden.

FragDenStaat-Anfrage

10. AUG
2025
Nordrhein-Westfalenunklare Todesursache, physische GewaltPolizei

Im Kölner Stadtteil Nippes kam es am 10. August 2025 zu einem Polizeinsatz, in dessen Folge ein Mann starb. Er war 52 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

Der Mann soll sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben. Die Polizei gibt an, sie habe ihn "fixiert", um ihn für eine Untersuchung in einen Rettungswagen zu bringen. Dort habe sich sein Zustand plötzlich verschlechtert. Der Mann sei unter Reanimationsmaßnahmen in eine Klinik gebracht worden, wo er letztendlich verstarb.

www.ksta.de, FragDenStaat-Anfrage

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
01. AUG
2025
Saarlandunklare TodesursacheGefängis

Nelson starb am 1. August 2025 in der JVA Ottweiler durch "Suizid". Er war 15 Jahre alt. Berichten zufolge war Nelson aufgrund eines sogenannten Sicherungshaftbefehls in der JVA. Vor seinem Tod wurde er dort aus unbekannten Gründen fünf Wochen isoliert. Außerdem soll er gehungert haben und von Wärtern geschlagen und getreten worden sein. Anschließend soll er sich in seiner Zelle getötet haben.

Am 2. August, einen Tag nach Nelsons Tod, weigerten sich 17 Gefangene aus Protest, nach der Freistunde wieder in ihre Zellen zurückzukehren. Die JVA rief ein Sondereinsatzkommando der Polizei, um den Aufstand zu unterdrücken. Gegen zwei JVA-Beamte wurden Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung im Amt eingeleitet.

Wie die Saarbrücker Zeitung berichtete, soll die Obduktion keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gegeben haben. Dagegen berichtete Nelsons Vater, er habe das Gesicht seines toten Sohnes kaum wiedererkannt, weil es durch Gewalt entstellt gewesen sei. Die weitere Aufklärung wird dadurch erschwert, dass Nelsons Leichnam ohne Benachrichtigung seiner Familie eingeächert wurde.

www.sr.de, www.nd-aktuell.de

Rassismus
22. JUL
2025
Hamburgunklare TodesursachePolizei

In der Nacht vom 21. auf den 22. Juli 2025 starb ein 49-Jähriger in Hamburg infolge eines Polizeieinsatzes. Der Mann wurde von der Polizei festgenommen und zur Polizeiwache gebracht, weil er in seiner Wohnung randaliert haben soll. Auf der Wache soll er sich gegen die Polizei gewehrt und dabei seinen Kopf gegen die Wand und auf den Fußboden geschlagen haben. Die Beamt*innen fesselten ihn, wobei er „plötzlich kollabiert“ sein soll. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

www.zeit.de

zuhause/private Wohnung
19. JUL
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 19. Juli 2025 wurde ein Mann, dessen Namen wir nicht kennen, in Leonberg bei Stuttgart in seiner Wohnung von der Polizei erschossen. Zuvor soll der 44-Jährige wahllos auf das gegenüberliegende Haus und auf Passant*innen geschossen haben. Verletzt wurde niemand. Der Mann soll anschließend Beamt*innen eines Sondereinsatzkommandos, die sich Zutritt zu seiner Wohnung verschafften, mit einer Waffe bedroht haben. Sie schossen auf ihn und verletzten ihn tödlich. Bei der Waffe handelte es sich es sich laut Polizei um eine Schreckschusspistole.

polizeischuesse.cilip.de

zuhause/private Wohnung
01. JUL
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

In einer FragDenStaat Anfrage gab das Innenministerium von NRW an, dass im Juli 2025 eine Person im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes verstarb. Die Meldung komme von der Polizei im Hochsauerlandkreis. Die Umstände sind nicht weiter umschrieben und der Grund des Todes wird als "sonstige Gründe (medizinischer Notfall, unbekannt)" angegeben. Weitere Details sind nicht bekannt oder auffindbar.

FragDenStaat-Anfrage

01. JUL
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 1. Juli 2025 erschoss die Polizei in Stuttgart einen 29-Jährigen. Sein Name ist uns nicht bekannt. Er kam aus Algerien. Ursprünglich hatten Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt, der Erschossene sei erst 18 Jahre alt gewesen. Familienangehörige legten aber zwischenzeitlich Dokumente vor, aus denen ein höheres Alter hervorgeht.

Vor dem tödlichen Polizeieinsatz soll es in einer Gaststätte zu einer Auseinandersetzung gekommen sein. Der Mann soll dabei einen Gleichaltrigen mit einem scharfen Gegenstand am Hals verletzt haben und anschließend geflohen sein. Die herbeigerufene Polizei stellte ihn in einem Hinterhof. Ein Beamter gab einen Schuss auf den Mann ab, der ihn in den Oberkörper traf. Er starb noch vor Ort.

Der Todesschütze trug nach Informationen des SWR keine Bodycam. Warum es zu der Schussabgabe kam, ist Berichten zufolge unklar.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
26. JUN
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Bilal K. wurde am 26. Juni 2025 in Wangen (Baden-Württemberg) von der Polizei erschossen. Er war 27 Jahre alt.

Medienberichten zufolge sollte der Afghane in Haft gebracht werden. Er war wegen einer Körperverletzung verurteilt worden. In der Festnahmesituation soll er die Beamt:innen plötzlich mit einem Messer angegriffen haben. Diese gaben mehrere Schüsse auf ihn ab. Bilal K. starb noch vor Ort.

polizeischuesse.cilip.de

zuhause/private WohnungRassismus
07. JUN
2025
BayernErschießungPolizei

Glorya K. wurde am 7. Juni 2025 in München von der Polizei erschossen. Sie war 30 Jahre alt.

Die Frau aus Nordmazedonien soll an der Münchner Theresienwiese mehrere Menschen mit einem Messer angegriffen haben, die dadurch leicht verletzt wurden. Als die Polizei anrückte, soll sie weiter mit dem Messer „hantiert“ haben. Die Polizist:innen schossen daraufhin auf sie, später starb sie im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen.

Glorya K. soll am selben Tag bereits in einem Lebensmittelgeschäft „randaliert“ haben. Beamt:innen fesselten sie und nahmen sie in Gewahrsam. Gegen 19:15 Uhr wurde sie wieder entlassen. Kurz darauf kam es zu dem Angriff auf der Theresienwiese.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. JUN
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursacheSonstige

Rainer Löhnert starb am 4. Juni 2025 in der Forensik Bedburg-Hau. Zuvor war er mehr als 38 Jahre in verschiedenen Forensiken in Nordrhein-Westfalen eingesperrt gewesen. In Haft kam er 1986 wegen wegen verschiedener körperlicher Übergriffe und Sachbeschädigungen.

political-prisoners.net

31. MAI
2025
BayernErschießungPolizei

Am 31. Mai 2025 erschossen Beamt*innen der Bundespolizei in Schirnding einen 47-jährigen Mann. Seinen Namen kennen wir nicht. Er war mit dem Auto in eine Grenzkontrolle geraten. Vor dieser soll er zu Fuß geflüchtet sein und auf die Polizist*innen geschossen haben. Diese erwiderten die Schüsse und verletzten den Mann direkt tödlich. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos. Von den Beamt*innen wurde niemand verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft kam der Getötete aus dem Iran und hatte seit mehreren Jahren in Mannheim gelebt. Er sei in Tschechien gewesen, um dort Drogen zu kaufen.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
28. MAI
2025
Berlinunklare TodesursachePsychiatrie

Sonia Omoroghomwan starb am 28. Mai 2025 in einer Psychiatrie in Berlin. Sie war 25 Jahre alt.

Die Schwarze Deutsche wurde am 26. Mai 2025 bewusstlos in einem Badezimmer einer geschlossenen psychiatrischen Station eines Berliner Krankenhauses gefunden. Laut Krankenhaus habe sie sich mit einem Schal an einer Duschvorrichtung erhängt. Zwei Tage später verstarb sie. Diese Darstellung wird angezweifelt. Angehörige glauben nicht, dass Sonia Omoroghomwan selbst ihr Leben beendete und gehen davon aus, dass sie Opfer physischer Gewaltanwendung wurde. Mehrere antirassistische Organisationen und Initiativen für die Rechte von Schwarzen Menschen in Deutschland fordern die Wiederaufnahme des Verfahrens sowie eine unabhängige Untersuchung durch eine Sonderkommission unter Einbeziehung internationaler forensischer Expert:innen.

tuman.network, africa-live.de

Rassismus
10. MAI
2025
BerlinTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am 10. Mai 2025 starb ein Mensch in Berlin auf der Flucht vor der Polizei. Er war 27 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

Die Beamt:innen verfolgten den Mann mit Blaulicht und Martinshorn, weil sie davon ausgingen, dass er ein Motorrad gestohlen hatte. Sein Fahrzeug prallte gegen einen Ampelmast, wodurch er auf die Straße geschleudert wurde. Er starb noch am Unfallort.

www.ntv.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
07. MAI
2025
Niedersachsenunklare TodesursachePolizei

Ein 31-Jähriger, dessen Namen wir nicht kennen, wurde am 2. Mai 2025 im friesischen Sande gewaltsam von Polizeibeamt*innen zu Boden gebracht und „gesichert“. Zuvor soll er herumgeschrien und gegen Mülltonnen getreten haben. In einem Rettungswagen soll er „plötzlich kollabiert“ sein. Der Mann konnte zunächst reanimiert werden und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort starb er in der Nacht zum 7. Mai.

www.sueddeutsche.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit, Armut
05. MAI
2025
Baden-WürttembergTaserPolizei

Ein 71-Jähriger Mann, dessen Name wir nicht kennen, hatte am Mittag des 5. Mai seine Ehefrau in der Hölzerstraße bedroht. Die Behörden beschreiben seinen Zustand später als "psychschen Ausnahmezustand". Die 57-Jährige Frau flüchtete aus der Wohnung und rief mit einer weiteren Person die Polizei. Der 71-Jährige kam nicht aus der Wohnung, sodass die Einsatzkräfte sich Zugang verschafften und von einem Taser-Gerät Gebrauch machten. Der Mann starb nach Einlieferung in einer Klinik an der Folgen des Tasereinsatzes.

Südwest Presse

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
20. APR
2025
NiedersachsenErschießungPolizei

Lorenz A. wurde der in der Nacht zum 20. April 2025 in der Innenstadt von Oldenburg von hinten von der Polizei erschossen. Er war 21 Jahre alt.

Laut Angaben der Polizei wurde Lorenz A. der Einlass in eine Diskothek verwehrt. Deshalb soll es zu einem Streit gekommen sein, woraufhin Lorenz A. in Richtung der Security-Mitarbeitenden Reizgas gesprüht haben soll. Daraufhin sei er geflohen und von mehreren Personen verfolgt worden. Laut Polizei soll Lorenz A. seinen Verfolger:innen mit einem Messer gedroht haben, weshalb diese die Verfolgung abbrachen. Anschließend soll er das Messer eingesteckt haben und weggerannt sein.

Als Lorenz A. in der Innenstadt auf die Polizei traf, flüchtete er zunächst. Später soll er Beamt:innen mit Reizgas angegriffen haben. Ein Polizist gab mehrere Schüsse auf ihn ab, von denen ihn laut Obduktionsbericht drei von hinten trafen: in den Oberkörper, an der Hüfte und in den Kopf. Ein vierter Schuss soll ihn am Oberschenkel gestreift haben. Lorenz A. wurde durch die Schüsse tödlich verletzt, er starb wenig später im Krankenhaus. Ein lokales Bündnis fordert Aufklärung und Gerechtigkeit.

www.taz.de, www.instagram.com, www.t-online.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
17. APR
2025
Hamburgphysische GewaltPolizei

Emal F. starb am 17. April 2025 im Gewahrsam der Polizei Hamburg. Er war 36 Jahre alt.

Emal F. soll sich in einem psychischen Ausnahmezustand in seiner eigenen Wohnung befunden haben, als die Polizei mit mehreren Beamt:innen anrückte. Medienberichten zufolge soll der die Polizei zunächst mit einer Metallstange bedroht haben, die er auf Aufforderung hin wegwarf. Angehörige berichten, dass sie während des Polizeieinsatzes mehrfach darum baten, Emal F. beruhigen zu dürfen. Darauf seien die Polizist:innen aber nicht eingegangen. Stattdessen hätten sie Familienmitglieder weggestoßen und Emal F. mit acht bis zehn Beamt:innen überwältigt. Anschließend verbrachten sie ihn gewaltsam auf die Wache und sperrten ihn dort in eine Gewahrsamszelle. Dort wurde die Atmung von Emal F. aus bislang unbekannten Gründen so flach, dass eine Notärztin ihn versorgen musste. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er noch am selben Tag starb.

Die Polizei gab später an, Emal F. habe aufgrund von Drogenkonsum das Bewusstsein verloren. Dies konnte bei der Obduktion nicht bestätigt werden. Eine parlamentarische Anfrage ergab, dass ein Polizist ihm zuvor ohne Grund mit der Faust gegen den Kopf geschlagen hatte und nicht ausgeschlossen werden kann, dass dieser Schlag für den Tod ursächlich war. Emal F. war Vater zweier Kinder und arbeitete in der Pflege. Angehörige beschreiben ihn als Menschen, der in der Nachbarschaft beliebt war.

perspektive-online.net, www.taz.de, www-linksfraktion-hamburg.de

PolizeiwacheRassismus
16. APR
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 16. April 2025 wurde ein Mann in Hilzingen (Baden-Württemberg) von der Polizei erschossen. Er war 64 Jahre alt.

Der Mann soll zuvor mit einer Axt auf ein Auto eingeschlagen haben, in dem sich ein Kind befand. Die Mutter des Kindes verständigte die Polizei. Als der 64-Jährige von dem Auto abließ, konnte sich die Mutter mit dem Kind unverletzt entfernen. Als die Polizeibeamten anrückten, soll der 64-Jährige eine Polizeibeamtin mit der Axt leicht verletzt haben. Daraufhin gaben die übrigen Polizeibeamten Schüsse auf den Mann ab, an denen er noch vor Ort starb. Das Landeskriminalamt ermittelt zu den konkreten Umständen der tödlichen Polizeischüsse.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
16. APR
2025
Bayernunklare TodesursachePolizei

Mohamed E. starb am 16. April 2025 infolge eines Polizeieinsatzes in Dachau. Er wurde 29 Jahre alt.

Der marokkanische Staatsbürger wurde am Vormittag des 15. April in der Dachauer Innenstadt festgenommen und in eine Gewahrsamszelle gesperrt. Laut Angaben der Polizei soll er zuvor alkoholisiert gegen Türen und Fenster geschlagen haben. Anwohner:innen riefen daraufhin die Polizei. Bei der Festnahme gab es wegen Sprachbarrieren Verständigungsprobleme. Mohamed E. soll versucht haben, sich der Festnahme zu entziehen. Er sei dann von Beamt:innen verfolgt, eingeholt und mit Handschellen gefesselt worden. In der Polizeizelle soll Mohamed E. zusammengebrochen und dann reanimiert worden sein. Einen Tag später starb er im Krankenhaus. Die genauen Todesursachen sind bislang unklar. Fragen dazu beantwortete die Staatsanwaltschaft nur vage mit „Herzproblemen“. Was aber genau zum tödlichen Kollaps geführt haben soll, bleibt offen.

Zuletzt hatte Mohamed E. in einem Restaurant gearbeitet. Freund:innen von ihm berichten, dass er kurz vor seinem Tod gekündigt wurde. Da sein Arbeitgeber seine Wohnung stellte, wurde er dadurch auch obdachlos. Mohamed E. hatte einen italienischen Aufenthaltstitel und war zum Arbeiten nach Deutschland gekommen. Seine Familie, die noch in Italien lebt, wurde nicht durch die Polizei von Mohamed E.s Tod informiert und erfuhr erst durch eigene Recherchen davon. Mohamed E. wurde in der marokkanischen Kleinstadt Khouribga beigesetzt. Er verstarb zwar alleine in der Diaspora, doch zu seiner Beerdigung kamen viele Trauergäste.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. APR
2025
BerlinErschießungPolizei

Am 12. April 2025 wurde ein Mann aus Syrien von der Berliner Polizei angeschossen. Am Tag darauf erlag er seinen Verletzungen. Er wurde 43 Jahre alt, seinen Namen kennen wir nicht.

Zuvor hatte der Mann einen anderen Mann, mit dem er in Streit geraten war, mit einem Küchenmesser in einer U-Bahn erstochen. Danach versuchte er zu fliehen, wurde aber von Polizist:innen angehalten. Polizeiangaben zufolge soll er auch die Beamt:innen mit dem Messer angegriffen haben. Einer der Polizist:innen schoss daraufhin viermal auf den Mann, der später im Krankenhaus verstarb.

www.tagesspiegel.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
09. APR
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Ein 48-Jähriger wurde am 9. April 2025 im Garten bei seinem Wohnhaus in Schramberg von der Polizei erschossen. Seinen Namen kennen wir nicht. Eine neurologische Klinik hatte den Mann als abwesend gemeldet. Die Polizei leitete Suchmaßnahmen ein und fand ihn in seinem Garten. Er soll eine Schusswaffe auf die Beamt*innen gerichtet haben, woraufhin diese auf ihn schossen. Der Mann starb noch vor Ort. Bei der Waffe handelte es sich um eine Schreckschusspistole, wie später mitgeteilt wurde.

polizeischuesse.cilip.de

zuhause/private Wohnung
05. APR
2025
Nordrhein-Westfalenphysische Gewalt, Taser, SchlagstockPolizei

Am 5. April 2025 starb ein Mensch in Rheine infolge eines gewaltvollen Polizeieinsatzes. Er war 32 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Presseberichten zufolge war der LKW-Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit vor einer Streife geflüchtet, die ihn für eine Kontrolle anhalten wollte. Dabei soll er mehrere rote Ampeln überfahren haben. Als es der Polizei gelang, den Wagen anzuhalten, soll der Fahrer zunächst weggelaufen sein. Während der Festnahme setzten die Beamt:innen einen Schlagstock und Taser gegen ihn ein. Daraufhin verlor der Mann das Bewusstsein und hörte auf zu atmen. Er starb im Krankenhaus.

www.sueddeutsche.de, [Zeit.de](https://www.zeit.de/news/2025-04/06/mann-stirbt-nach-festnahme-obduktion-am-montag]

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
01. APR
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

In einer FragDenStaat Anfrage gab das Innenministerium von NRW an, dass im April 2025 eine Person im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes in Köln verstarb. Die Umstände sind nicht weiter umschrieben und der Grund des Todes wird als "sonstige Gründe (medizinischer Notfall, unbekannt)" angegeben. Weitere Details sind nicht bekannt oder auffindbar.

FragDenStaat-Anfrage

23. MÄR
2025
Baden-WürttembergErschießung, vorangegangener FemizidPolizei

Der 36-Jährige beging in ihrer Wohnung einen Femizid an seiner 39-Jährigen Freundin und begab sich auf die Flucht. Der 36-Jährige, der als Deutsch-Russe beschrieben wird, ist zunächst mit dem Auto geflüchtet und rammte einen abgestellten Anhänger und flüchtete angeblich mit einem Messer in der Hand. Es habe eine Aufforderung und einen Warnschuss gegeben, bevor die Beamten Ihm ins Bein schossen und entwaffneten. Er starb im Krankenhaus an Stichverletzungen im Brustbereich, die er sich laut Behörden selbst zugefügt habe.

Stuttgarter Nachrichten

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
17. MÄR
2025
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Am 17. März 2025 wurde ein Mensch in Herne von der Polizei erschossen. Er war 51 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

Die Polizei wurde vom Arbeitgeber des Mannes verständigt, weil dieser nicht zur Arbeit erschienen war. Sie fuhr zu dessen Wohnhaus, wo er Gegenstände aus dem Fenster geworfen haben soll. Als die Beamt:innen an seiner Tür klopften, soll er sie mit einem Messer angegriffen haben. Daraufhin gab einer der Beamten vier Schüsse auf den Mann ab. Er brach zusammen und starb noch vor Ort. Berichten zufolge werden derzeit die Aufnahme von zwei Bodycams ausgewertet, die während des Einsatzes eingeschaltet waren. Die Kamera des Todesschützen war dagegen ausgeschaltet.

polizeischuesse.cilip.de, FragDenStaat-Anfrage

zuhause/private Wohnung
17. MÄR
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursacheGefängis

Am Abend des 17. März 2025 wurde ein Mensch tot in seiner Zelle in der JVA Siegburg aufgefunden. Der herbeigerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des 28-Jährigen feststellen.

Der Mann war erst seit dem 11. März in der JVA gewesen. Er musste dort zwei Ersatzfreiheitsstrafen verbüßen. Nach Angaben der Gefängnisleiterin sollte er nach kurzer Zeit wieder entlassen werden. Zur Feststellung der Todesursache wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Hinweise auf eine Suizidgefährdung des Mannes soll es nicht gegeben haben; auch einen Abschiedsbrief habe er nicht hinterlassen.

www.ga.de

Armut
14. MÄR
2025
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Najib Boubaker wurde am 14. März 2025 in Dortmund vor seinem Haus im Alter von 70 Jahren von der Polizei erschossen. Er stammte aus Tunesien und hatte die deutsche Staatsbürgerschaft.

Der begeisterte Motorradfahrer Najib Boubaker litt unter gesundheitlichen Problemen. Am 14. März hatte er mehrere epileptische Anfälle, woraufhin eine Mitbewohnerin die Feuerwehr rief. Najib Boubaker soll sich in der Folge geweigert haben, von den Sanitäter*innen ins Krankenhaus gebracht zu werden. Er soll nach einem Küchenmesser gegriffen haben, weshalb die Feuerwehr die Wohnung verließ und die Polizei verständigte. Laut Zeug:innen umstellte diese das Haus regelrecht. Najib Boubaker soll mit einem Messer in der Hand in seinen Vorgarten gegangen sein, woraufhin mehrere Beamt:innen ihre Schusswaffen auf ihn richteten und deren Einsatz androhten. Der Einsatz milderer Mittel wie Pfefferspray oder Taser wurde nicht angedroht. Zunächst zog sich Najib Boubaker daraufhin ins Haus zurück, er soll dann aber wieder mit dem Messer herausgekommen und angeblich schnellen Schrittes auf die Beamt:innen zugegangen sein, woraufhin ein Schuss auf ihn abgegebenen wurde. Dieser traf ihn in den Bauch und Najib Boubaker erlag noch vor Ort seinen Verletzungen.

Laut Nachbar:innen, bei denen Najib Boubaker gut bekannt war, humpelte dieser, was die Darstellung der Polizei über die Geschwindigkeit der Situation fragwürdig erscheinen lässt. Die Polizei sprach außerdem in der Pressemeldung von Najib Boubaker als „Randalierer“ – worauf sie diese Bezeichnung stützte, beantwortete sie auf Pressenachfrage nicht. Beamt:innen hinderten Bekannte von Najib Boubaker, die versuchen wollten, die Situation zu beruhigen, daran, mit ihm zu reden. Die Bodycams der eingesetzten Beamt:innen waren ohne Angabe von Gründen ausgeschaltet.

www.taz.de, www.nd.de, FragDenStaat-Anfrage

zuhause/private WohnungRassismus
11. MÄR
2025
HessenErschießungPolizei

Am Morgen des 11. März 2025 wurde der 61-jährige Markus O. in Darmstadt von der Polizei erschossen. Berichten zufolge kam eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes in Begleitung einer Polizeistreife zu seiner Wohnung, um eine Anordnung des Betreuungsgerichts zu vollstrecken. Markus O. habe die Beamt*innen jedoch nicht in seine Wohnung gelassen. Stattdessen soll er durch das offene Fenster eine Schusswaffe gezeigt haben. Daraufhin schossen die Polizist*innen auf ihn. Er starb noch vor Ort.

Nachbar*innen zufolge soll Markus O. den Tod seiner Eltern nicht verkraftet haben, mit denen er zuvor zusammengelebt habe. Sein psychischer Zustand habe sich infolge des Verlusts verschlechtert.

polizeischuesse.cilip.de, www.bild.de

zuhause/private Wohnung
07. MÄR
2025
Sachsen-AnhaltErschießungPolizei

Am 7. März 2025 wurde ein Mann in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) von einem Sondereinsatzkommando der Polizei erschossen. Er war 26 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht, er kam aus Afghanistan.

Nach Angaben der Polizei gingen in der Nacht zwei Notrufe ein, wonach ein Mann in einem Wohnhaus zwei andere Personen mit einem Messer bedroht haben soll. Auch die eingetroffenen Polizeibeamt:innen soll der Mann mit einem Messer bedroht haben. Diese setzten Pfefferspray ein. Anschließend soll er sich alleine in seine Wohnung zurückgezogen haben.

Die Polizei ließ das Mehrfamilienhaus räumen und erwirkte einen Durchsuchungsbeschluss. Gegen fünf Uhr in der Früh drangen die Beamt:innen in die Wohnung ein, in der sich der Mann sich zu dieser Zeit weiterhin alleine aufhielt, ohne Dritte zu gefährden. Er soll sich mit einem Messer auf die Spezialkräfte zubewegt haben. Diese schossen zweimal auf ihn und verletzten ihn so schwer, dass er später im Krankenhaus starb. Alle an dem Zugriff beteiligten Beamt:innen sind weiterhin im Dienst. Das eingeleitete Verfahren durch die Staatsanwaltschaft wurde mittlerweile geführt und am 14. Juli 2025 eingestellt.

spiegel.de, www.mdr.de, FragDenStaat-Anfrage

zuhause/private WohnungRassismus
04. MÄR
2025
BayernErschießungPolizei

Qabel wurde am 4. März 2025 in seiner Wohnung in Nürnberg von der Polizei erschossen. Der Vater zweier Kinder war 38 Jahre alt.

Die Polizei rückte am Morgen des 4. März an, um einen Haftbefehl gegen Qabel zu vollstrecken. Dieser stammte von Juli 2024 und war aus mehreren Gründen nichtig: Unter anderem war er nicht von einem Richter unterschrieben, außerdem ging er von der falschen Annahme aus, dass Fluchtgefahr bestehe, weil Qabel keinen festen Wohnsitz habe. Warum die Polizei Qabel erschossen hat, ist bisher nicht bekannt. Die Polizei behauptet, er habe sich mit einem Küchenmesser bewaffnet gegen seine Festnahme gewehrt. Dazu, wie diese Gegenwehr konkret aussah, konnte sie aber keine konkreten Angaben machen. Beamt:innen wurden nicht verletzt.

Qabel arbeitete als Kampfsporttrainer und trainierte viele Kinder und Jugendliche. Zu seiner Beerdigung kamen Hunderte Menschen. Die Initiative „Gerechtigkeit für Qabel“ kämpft für juristische Aufklärung.

www.gofundme.com, polizeischuesse.cilip.de

zuhause/private WohnungRassismus
03. MÄR
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei, Gefängis

In der Nach zum 3. März wurde einem 47-Jährigen Mann in Hamm ein Platzverweis erteilt. Die Gründe oder ein Hintergrund dafür werden von den Behörden nicht genannt. Er sei obdachlos gewesen. Um den Platzverweis durchzusetzen, hat die Polizei ihn in Gewahrsam genommen. Gegen halb drei geben die Beamten an, ihn leblos in seiner Zelle gefunden zu haben. Die Todesursache konnte nicht geklärt werden, dennoch weisen die Behörden Eigen- oder Fremdverschulden von sich. Die Polizeibehörde in Dortmund ermittele "aus Neutralitätsgrunden", jedoch gibt es darüber keine nachträgliche Berichterstattung.

WDR.de, SZ.de, FragDenStaat-Anfrage

PolizeiwacheWohnungslosigkeit
01. MÄR
2025
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

In einer FragDenStaat Anfrage gab das Innenministerium von NRW an, dass im März 2025 eine Person im März 2025 im Rahmen eines polizeilichen Einsatzes verstarb. Die Umstände sind nicht weiter umschrieben und der Grund des Todes wird als "derzeit ungeklärt" angegeben, mit der Angabe, dass nachgemeldet wird. Es ist möglich, dass damit der Tod eines 49-Jährigen Kameruners im März 2025 in Düsseldorf gemeint ist, der noch am Tatort verstarb. Dies stellt jedoch nur eine Vermutung dar.

FragDenStaat-Anfrage

16. FEB
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am Abend des 16. Februar 2025 wurde ein 48-jähriger Mann in Eichstätten von der Polizei erschossen. Seinen Namen kennen wir nicht. Zuvor hatte seine Frau die Polizei gerufen, weil der Mann sie und ihr gemeinsames zehnjähriges Kind geschlagen hatte. Als sie sich mit dem Kind in einem Zimmer einsperrte, randalierte er nach Darstellung der Polizei weiter in der Wohnung, versuchte die verschlossene Zimmertüre einzutreten und soll einen Schuss darauf abgegeben haben. Dadurch erlitt das Kind ein Knalltrauma. Es konnte über eine Leiter flüchten, die ein Nachbar von außen an das Zimmer anlehnte.

Der Mann begab sich in der Zwischenzeit mit seiner Schrotflinte auf die Straße. Aufforderungen der Polizei, die Waffe abzulegen, soll er ignoriert und diese mit der Schrotflinte bedroht haben. Die Beamt*innen schossen auf ihn. Der Mann verstarb trotz einer Notoperation im Krankenhaus.

Anmerkung: Wir richten uns gegen jede Verharmlosung und Rechtfertigung von patriarchaler Gewalt. Dass wir auch die Todesfälle etwaiger Täter*innen in unsere Chronik aufnehmen, bedeutet keine Billigung des vorherigen Verhaltens. Entscheidend für die Aufnahme in unsere Statistik ist, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
12. FEB
2025
BrandenburgSuizidGefängis

Am 12. Februar 2025 starb in der JVA Heidering ein Mensch durch „Suizid“. Wir kennen weder seinen Namen noch sein Alter. Er soll aufgrund seiner bekannten Suizidgefährdung vor seinem Tod mehrmals im „Bunker“ gewesen sein.

Bericht eines Mitgefangenen, E-Mail der Gefängnisleitung

13. JAN
2025
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 13. Januar 2025 wurde in Bruchsal ein Mann von der Polizei erschossen. Er war 48 Jahre alt. Sein Name und weitere Informationen zu seiner Identität sind uns nicht bekannt.

An besagtem Tag sollte der Mann zwangsweise in eine psychiatrische Klinik gebracht werden. Auf Klingeln und Klopfen der Polizei reagierte er nicht, woraufhin die Haustüre von außen geöffnet wurde. Nach Angabe der Beamt:innen soll der Mann diese "unmitttelbar" mit einem Messer und einem Fleischerbeil angegriffen haben. Die Beamt:innen ließen einen Polizeihund auf ihn los und schossen auf ihn. Er starb noch vor Ort. Das Verfahren gegen den Polizeibeanten wurde aufgrund Fehlen vom hinreichenden Tatverdacht eingestellt.

polizeischuesse.cilip.de

zuhause/private Wohnung
31. DEZ
2024
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 31. Dezember 2024 gegen 13.30 Uhr soll ein namentlich nicht bekannter 38-jähriger Mann in Grünsfeld im Nordosten Baden-Württembergs einen Bagger aus der Baufirma seines ehemaligen Arbeitgebers entwendet haben. Hintergrund könnten laut mehreren Presseberichten Konflikte zwischen den beiden Männern wegen ausstehender Lohnzahlungen nach der Kündigung gewesen sein. Diese Ansprüche hatte sich der 38-jährige bereits arbeitsgerichtlich bestätigen lassen. Nachdem er einen Teil des Inventars beschädigt haben soll, sei er schließlich mit dem Bagger auf die Bundesstraße Richtung Tauberbischofsheim gefahren. Die hinzugerufene Polizei nahm die Verfolgung auf. Nachdem, laut polizeilichen Angaben, Lautsprecherdurchsagen erfolglos blieben, begannen die Beamtinnen während der Verfolgungsfahrt auf das Fahrzeug zu schießen. Der 38-jährige Deutsche bog schließlich auf das Gelände eines Autohauses ein, welches ebenfalls seinem ehemaligem Arbeitgeber gehört. Nachdem er dort ebenfalls Schäden anrichtete, wurde er von den Beamtinnen erschossen. Reanimationsversuche vor Ort waren erfolglos. Wann genau die tödlichen Schüsse abgegeben wurden, scheint unklar. Zunächst gab die Polizei 14.22 Uhr an, später korrigierte sie auf 14.45 Uhr. Eine Gefährdung unbeteiligter Dritter durch den Baggerfahrer wird zu keinem Zeitpunkt erwähnt. Die Polizei weist lediglich auf materielle Schäden hin.

Zeit, BR

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
24. DEZ
2024
Nordrhein-Westfalenunklare Todesursache, FesselungPolizei
kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)
18. DEZ
2024
NiedersachsenErschießungPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
09. DEZ
2024
BayernErschießungPolizei
zuhause/private Wohnung
04. DEZ
2024
NiedersachsenLuftnotPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
25. NOV
2024
BerlinSuizidPsychiatrie

Wir gedenken Fethullah Aslan, der am 25. November 2024 in der psychiatrischen Abteilung eines Berliner Krankenhauses starb. Er war 28 Jahre alt. Nach offizieller Darstellung soll er „Suizid“ begangen haben.

Der junge kurdische Mann war vor politischer Verfolgung und Folter aus der Türkei nach Deutschland geflohen. Die deutschen Behörden lehnten seine Asylanträge jedoch ab. Als er beim BAMF aufgefordert wurde, ein Dokument zur „freiwilligen Rückkehr“ in die Türkei zu unterschreiben, brach er zusammen. Die Asylbehörde verständigte die Polizei, die ihn fesselte und in ein nahegelegendes Krankenhaus brachte. Dort wurde er mit Medikamenten ruhig gestellt und in eine Psychiatrie verlegt.

Um gegen seine drohende Abschiebung zu protestieren, begann Fethullah Aslan einen Hungerstreik. Am 25. November wurde er in der psychiatrischen Einrichtung tot aufgefunden. Er soll sich eine Tüte über den Kopf gezogen und sich auf diese Weise selbst erstickt haben. Diese Darstellung wirft jedoch viele Fragen auf: So wurde Fethullah Aslan laut einem Zeitungsbericht rund um die Uhr von Kameras und Sicherheitskräften überwacht. Es ist unklar, wieso sein „Suizid“ nicht bemerkt wurde. Der Onkel von Fethullah Aslan war während des Hungerstreiks noch mit seinem Neffen in Kontakt und beschreibt ihn als sehr kämpferisch. An der Suizid-These hat er große Zweifel.

www.firatnews.com, www.instagram.com, www.nd-aktuell.de

Rassismus
23. NOV
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 23. November 2024 in Kamp-Lintfort von der Polizei erschossen wurde. Er war 34 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Die Polizei rückte an dem Abend wegen einer gemeldeten Ruhestörung an. Der Mann, der später erschossen wurde, soll u.a. auf seinem Balkon "randaliert" haben. Die herbeigerufenen Beamt:innen trafen ihn im Treppenhaus an, wo er sie mit einem Schlüsselbund bedroht haben soll. Es soll zu einem Gerangel gekommen sein, in dem die Beamt:innen sechs Schüsse abgaben. Drei davon trafen den Mann. Er erlag später seinen Verletzungen.

www.nrz.de

zuhause/private WohnungRassismus
19. NOV
2024
Bayernunklare TodesursachePolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
18. NOV
2024
Niedersachsenunklare Todesursache, FesselungPolizei
zuhause/private Wohnung
05. NOV
2024
Baden-Württembergunklare Todesursache, Schlagstock, ReizgasPolizei
zuhause/private Wohnung
02. NOV
2024
BayernErschießungPolizei
zuhause/private Wohnung
27. OKT
2024
Baden-Württembergphysische Gewalt, unklare Todesursache, FesselungPolizei
zuhause/private Wohnung
24. OKT
2024
HessenErschießungPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit
21. OKT
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)psychische Erkrankung
20. OKT
2024
SaarlandTaser, unklare TodesursachePolizei
11. OKT
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei
zuhause/private Wohnungpsychische Erkrankung, Rassismus
01. OKT
2024
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

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01. OKT
2024
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

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13. SEP
2024
Sachsen-Anhaltunklare TodesursachePolizei
05. SEP
2024
BayernErschießungPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. SEP
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit
31. AUG
2024
BerlinErschießungPolizei
zuhause/private Wohnung
28. AUG
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei
zuhause/private Wohnungpsychische Erkrankung
27. AUG
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Ein 26-jähriger Mann soll Passant*innen mit zwei Messern bedroht haben. Laut Aussagen der Polizei ist dieser nach dem Eintreffen der Beamten auf die Streifenpolizisten losgerannt, woraufhin die Beamten den 26-Jährigen erschossen.

WA

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
19. AUG
2024
BayernErschießungPolizei

Am 19. August 2024 wurde die 31-jährige Christine H. durch Schüsse der Polizei in einem Supermarkt erschossen. Laut Zeugin soll Christine H. eine Auseinandersetzung mit einem unbekannten Mann gehabt haben, woraufhin dieser die Polizei über eine “mögliche Körperverletzung” informierte und Christine H. folgte. Die vier Polizeibeamten trafen die 31-Jährige letzendlich im Supermarkt an. Laut Aussagen der Polizei habe Christine H. daraufhin ein Küchenmesser gezogen und “im Abstand von wenigen Metern” damit gedroht. Nach einer klaren Ansprache und dem Einsatz von Pfefferspray sei die 31-Jährige weiter auf die Polizeibeamten zu, woraufhin zwei Beamte auf Christine H. schossen, so die polizeiliche Darstellung. Christine H. verstarb noch vor Ort. Es gibt keine weiteren Informationen zu dem aktuellen Ermittlungsstand.

Sueddeutsche

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)
31. JUL
2024
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 31. Juli 2024 starb ein 39-jähriger Mann in Oberkirch durch Schüsse der Polizei. Die Polizei sei über einen selbstmordgefährdet „psychisch auffälligen Mann“ informiert worden. Sie traf mit einem Aufgebot mehrerer Polizeistreifen und der Bereitschaftspolizei an der Wohnung des Mannes ein und fand den 39-Jährigen blutend auf dem Boden liegend vor. Laut Polizei soll der Mann ein Messer in der Hand gehalten und nach der Polizei geworfen haben. Später soll er mit einem zweiten Messer auf die Polizist*innen losgegangen sein. Es gab keine weiteren Zeug*innen vor Ort. Der psychologische Dienst wurde von der Polizei nicht unterstützend zu Rate gezogen. Die Ermittlungen zum Schusswaffengebrauch der Polizei sind noch nicht abgeschlossen, die Staatsanwaltschaft teilte jedoch mit, dass es keine Hinweise auf Fehlverhalten der Beamt*innen gebe.

SWR

zuhause/private Wohnung
19. JUL
2024
BrandenburgZellenbrand, SuizidGefängis

Wir gedenken U. Z., der am 19. Juli 2024 in der JVA Heidering durch einen Zellenbrand starb. Er war 29 Jahre alt. Bis 2026 hätte er voraussichtlich in Haft bleiben müssen.

Presseberichten zufolge ertönten in der JVA in der Nacht gegen 1:15 Uhr die Sirenen der Brandmeldeanlage, weil eine Zelle in Flammen stand. Rettungskräfte sollen wenige Minuten später eingetroffen sein und mit den Löscharbeiten begonnen haben. Allerdings sei für U. Z. jede Hilfe zu spät gekommen, ein herbeigerufener Notarzt habe nur noch seinen Tod feststellen können. Augenzeugen berichten, dass sie den verzweifelten Menschen noch am Fenster sahen, als es in seiner Zelle bereits brannte.

Wie es zu dem Zellenbrand kam, ist noch nicht bekannt. Die Staatsanwaltschaft Potsdam führt ein Todesermittlungsverfahren durch. Nach Angaben eines Staatsanwalts gibt es derzeit keine Hinweise auf ein Tötungsdelikt. In den sozialen Medien kursieren dagegen Hinweise, wonach Bedienstete der JVA durch Fehlverhalten Mitverantwortung an dem Tod des 29-Jährigen tragen sollen.

www.maz-online.de, www.instagram.com, www.jungewelt.de

Rassismus
30. JUN
2024
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken Mohammad Z., der am 30. Juni 2024 in Pegnitz bei Nürnberg von der Polizei erschossen wurde. Er war 34 Jahre alt und hatte die iranische Staatsbürgerschaft.

Mohammad Z. soll einen Streifenwagen der Bundespolizei angegriffen haben, indem er von außen an der Tür rüttelte. Als die Beamt:innen ausstiegen, habe er diese mit einem Messer angegriffen. Die Beamt:innen setzten nach eigener Darstellung zunächst Pfefferspray ein. Als dies keine Wirkung gezeigt habe, habe eine Beamtin zuerst in die Luft und schließlich auf den Mann geschossen. Er verstarb noch am Ort des Geschehens.

www.spiegel.de, www.welt.de, www.jungewelt.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
19. JUN
2024
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines polnischen Gefangenen, der am 19. Juni 2024 in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel offiziell durch „Suizid“ starb. Er war 35 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Obwohl die Selbstgefährdung des Mannes bekannt war, war er alleine in einem besonders gesicherten Haftraum untergebracht. Von dieser Isolierung wird bei Menschen in Krisen abgeraten. Stattdessen sollten sie in klinischen Einrichtungen untergebracht werden. Psychologische oder psychiatrische Behandlung stand dem Gefangenen in der JVA offenbar nicht zur Verfügung.

Obwohl der Haftraum unter durchgängiger Videoüberwachung steht, stellte das JVA-Personal die tödliche Strangulation erst fest, als es schon zu spät war.

www.taz.de

Rassismus
14. JUN
2024
HamburgErschießungPolizei
zuhause/private Wohnung
14. JUN
2024
Sachsen-AnhaltErschießungPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Afghanistan, der am 16. Juni 2024 von der Polizei in Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) erschossen wurde. Er war 27 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der bisherigen Berichterstattung zufolge wohnte der Mann in Stendal und war an jenem Tag zu Besuch in Wolmirstedt. Nach Angaben von Augenzeug*innen verhielt er sich tagsüber in der Innenstadt "psychisch auffällig". Er habe u.a. "Autos angeschrien".

Am Abend verletzte er schließlich einen 23-jährigen Mann bei einem Streit in einer Plattenbausiedlung mit einem Messer derart, dass dieser später seinen Verletzungen erlag. Im Anschluss soll er mehrere Menschen in einer Kleingartensiedlung bedroht haben. Zudem habe er bei einer Gartenparty anlässlich der Männerfußball-EM drei Personen im Alter von 50-75 Jahren bedroht. Die daraufhin verständigten Polizeibeamten umstellten den 27-Jährigen nach ihrem Eintreffen. In diesem Moment habe er auf dem Boden gesessen und "unscheinbar gewirkt". Die Polizeibeamten hätten gerade den Einsatz von "Spezialkräften" erwogen, als der Mann mit einem Messer auf die Beamten zugelaufen sei. Mit der Begründung, sie seien selbst von ihm attakiert worden und hätten sich schützen müssen, gaben zwei Polizisten mehrere Schüsse auf ihn ab. Er verstarb kurz darauf im Krankenhaus. Das daraufhin durch die Staatsanwaltschaft Magdeburg eingeleitete Todesermittlungsverfahren gegen die beiden Schützen wurde im August 2024 mit dem Ergebnis eingestellt, dass der Schusswaffengebrauch durch die Polizei rechtmäßig erfolgt sei.

spiegel.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
15. JUN
2024
Hessenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Fartoun Haroun Ali, die am 15. Juni 2024 in der JVA Preungesheim (Frankfurt am Main) die Haftbedingungen nicht überlebte. Sie wurde 36 Jahre alt.

Fartoun Haroun Ali flüchtete vor dem Bürgerkrieg in Somalia über Malta und die Niederlande und kam schließlich 2013 nach Deutschland. Nach Angaben ihrer Mutter brachte sie insgesamt neun Kinder zu Welt. Eines starb nach der Geburt, die anderen nahm ihr das Jugendamt weg. In der Asylunterkunft, in der Fartoun Haroun Ali lebte, ging sie eine Beziehung zu einem Mann ein, der ebenfalls Bewohner der Einrichtung war. Am 9. Juni 2024 wurde sie in einer Einrichtung für vulnerable Gruppen von der Polizei festgenommen. Der Vorwurf: Sie soll ihren Lebensgefährten mit einem Messer angegriffen haben.

Bei ihrer Festnahme bestand der Verdacht einer paranoiden Schizophrenie. Trotzdem kam sie in Haft und nicht in eine Psychiatrie. In der JVA wurde sie immer wieder gefesselt, weil sie aggressiv gewesen sein soll. Sie habe tagelang nichts gegessen oder getrunken. Die Fixierung hat in Verbindung mit der verweigerten Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme bei Fartoun Haroun Ali zur Bildung von Thrombosen geführt. Im Krankenhaus, wohin sie am Tag ihres Todes zweimal gebracht wurde, wurden Embolien an ihrem Oberschenkel festgestellt. Trotzdem wurde sie zurück in die JVA verlegt, wo sie wenig später starb. Die Mutter von Fartoun Haroun Ali kämpft zusammen mit einer Anwältin um Gerechtigkeit für ihre Tochter.

www.fr.de

Rassismus
06. JUN
2024
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei
Polizeiwache
10. MAI
2024
Brandenburgunklare Todesursache, Tod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei
öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
30. APR
2024
Rheinland-PfalzTaser, HerzstillstandPolizei
zuhause/private Wohnung
26. APR
2024
Baden-WürttembergTod auf Flucht vor Gewaltakteur, unklare Todesursache, UnfallPolizei
zuhause/private Wohnung
23. APR
2024
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 23. April 2024 erschoss die Polizei einen 31-Jährigen Mann in der Nähe der Mannheimer Universitätsbibliothek in der Innenstadt. Laut späterer Ermittlung der Staatsanwaltschaft habe der Mann Aufkleber (mit unbekanntem Inhalt) angebracht und bei Ansprache eine Machete drohend in der Hand gehalten. Laut Spiegel-Berichterstattung war die Polizei gerufen worden, weil er einen Mann ohrfeigte, nachdem dieser ihn auf das Kleben von Aufklebern in der Universität ansprach und laut Polizeimeldung sei er gegen eine Angestellte der Bibliothek handgreiflich geworden. Der Ort des Geschehens wird später von der Staatsanwaltschaft als Hörsaal bezeichnet. Wie diese widersprüchlichen Aussagen einzuordnen sind, ist unklar. Als die Polizei eintraf hielt er weiterhin die Machete in den Händen und machte angeblich einen Schritt auf einen Polizeibeamten zu. Dieser gab einen Schuss ab, der ihn in die Brust traf. Er brach zusammen und verstarb im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft urteilte nach Ermittlungen, dass der Schuss zur Gefahrenabwehr nötig war.

Cilip, Spiegel

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
16. APR
2024
Hamburgunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 16. April 2024 tot in einer Gewahrsamszelle im Kommissariat am Steindamm in Hamburg aufgefunden wurde. Seinen Namen kennen wir nicht. Er war 32 Jahre alt.

Zur Vorgeschichte ist momentan nur die Darstellung der Polizei bekannt. Demnach hatte die Polizei den Mann aus Algerien am Abend des 15. April im Stadtteil St. Georg kontrolliert. Dabei sei festgestellt worden, dass er ein Aufenthaltsverbot gegen ihn mehrfach missachtet habe. Deshalb habe die Polizei ihn in Gewahrsam genommen und ihn mit vier weiteren Personen in eine Sammelzelle gesperrt. St. Georg gilt als sogenannter Gefahrenort, an dem die Polizei erweiterte Befugnisse hat und es häufig zu Racial Profiling kommt.

Am nächsten Morgen sollte der Mann nach Darstellung der Polizei aus der Gewahrsamszelle entlassen werden, sei dort allerdings leblos aufgefunden worden. Wiederbelebungsversuche seien erfolglos geblieben. Darüber, wie der Mensch ums Leben kann, ist bisher nichts bekannt. Hinweise auf Fremdverschulden sollen angeblich nicht vorliegen.

www.spiegel.de, www.sueddeutsche.de

PolizeiwacheRassismus
03. APR
2024
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Am 3. April 2024 wurde ein obdachloser Mann von der Polizei erschossen. Er soll mit einer Eisenstange bewaffnet auf die Polizist*innen zugegangen sein. Auf Videobildern ist zu sehen, wie ein anderer Polizist fast zeitgleich zur Schussabgabe versucht den Mann zu überwältigen. Das Ermittlungsverfahren ist eingestellt, laut Staatsanwaltschaft hat der Polizist aus Notwehr gehandelt.

Cilip, ND aktuell

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit
01. APR
2024
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Im April ist im Landkreis Viersen ein namentlich unbekannter Mensch bei einem Polizeieinsatz gestorben. Das genaue Datum und der genaue Ort sind nicht bekannt. Auch sind keine weiteren Informationen zu dem Einsatz bekannt. Bekannt wurde der Fall durch Anfragen bei den Behörden selbst. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

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30. MÄR
2024
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken Lamin Touray, der am 30. März 2024 in Niemburg von der Polizei erschossen wurde. Er wurde 46 Jahre alt.

Der gebürtige Gambier war in einer psychischen Ausnahmesituation, seine Freundin rief deswegen einen Krankenwagen, um medizinische Hilfe zu bekommen – stattdessen kam die Polizei. Die insgesamt 14 anwesenden Polizist:innen lehnten Angebote der Freundin ab Lamin Touray zu beruhigen und hetzten stattdessen einen losgeleinten Polizeihund auf ihn. Nach einer dreiviertel Stunde wurde Lamine Touray mit 8 Schüssen umgebracht, nachdem dieser angeblich mit einem Messer den Polizeihund verletzt und auf Beamt:innen zugegangen sein soll.

Die Polizei behauptete danach, Lamin Touray habe seine Freundin mit einem Messer bedroht, was in der Presse vielfach unkritisch wiedergegeben wurde. Dem widerspricht die Freundin. „Statt zu helfen, haben sie ihn wie ein Tier im Wald erschossen“ sagte sie im Interview mit der Taz.

taz.de(1) taz.de (2)

zuhause/private WohnungRassismus
10. FEB
2024
Baden-WürttembergTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei, Sonstige

Eine namentlich nicht bekannte Person sollte nach einer ärztlichen Untersuchung in eine Spezialklinik eingeliefert werden und flüchtete davor auf ein Hausdach. Eine hinzugerufene Polizeistreife hat die Person nach eigenen Angaben “verbal und durch eingreifen” versucht zur Rückkehr in das Gebäude zu bewegen. Sie hat sich aber “vehement” gewehrt. Der Mensch ist vom Dach gestürzt und im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben.

Cilip

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
30. JAN
2024
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 30. Januar 2024 in Frankfurt am Main von der Polizei erschossen wurde. Er wurde 40 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann mit spanisch-argentinischer Staatsangehörigkeit soll in der Nähe des Mainufers zwei ihm unbekannte Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Drei von vier herbeigerufenen Polizist:innen schossen daraufhin auf den Mann und verletzten ihn schwer. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb. Er hatte in Frankfurt in einer Einrichtung für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung gelebt.

Auch ein unbeteiligter Mann wurde durch den Polizeieinsatz schwer verletzt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft traf ihn vermutlich ein Projektil eines „Querschlägers“.

www.1730live.de, www.hessenschau.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
11. JAN
2024
Baden-Württembergunklare TodesursachePolizei

Am 11. Januar 2024 ist eine namentlich nicht bekannte Person in Schwäbisch Hall verstorben, nachdem sie am 4. Januar in einen Polizeieinsatz involviert war. Gegen einen Beamten wurde ein Ermittlungsverfahren eröffnet und in der weiteren Folge eingestellt. Sowohl über den Einsatz als auch die Folgen haben wir keine Informationen gefunden. Alles zu diesem Fall stammt von den Behörden selbst und wurde nur durch explizite Anfragen bekannt. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

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08. JAN
2024
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Am 8. Januar 2024 ist ein 28-jähriger Mann in Polizeigewahrsam in Aachen gestorben, nachdem er bereits eine Nacht in Gewahrsam verbracht hat. Es gibt keine Informationen zu diesem Fall, laut Polizei am Tag nach dem Tod gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden. Über die Ergebnisse der Obduktion oder weitere Informationen des Falls wurde nicht berichtet.

WDR, Zeit

Polizeiwache
06. JAN
2024
Nordrhein-WestfalenTaser, physische GewaltPolizei

Wir gedenken Ibrahim Bary, der am 6. Januar 2024 einen Polizeieinsatz nicht überlebte. Er war 26 Jahre alt.

Der Mann aus Guinea lebte in einer Geflüchtetenunterkunft, wo er randaliert haben soll. Deswegen rief der Sicherheitsdienst die Polizei. Ibrahim Bary soll sich gegen den Polizeieinsatz gewehrt haben. Die Beamten feuerten zweimal Taser gegen Ibrahim Bary ab, ohne erkennbare Wirkung. Bei den weiteren Maßnahmen zur Überwältigung und Festnahme des Mannes wurde dieser dermaßen verletzt, dass er das Bewusstsein verlor und im Rettungswagen reanimiert wurde. Er ist kurze Zeit später im Krankenhaus verstorben.

Der Solidaritätskreis „Justice for Ibrahima“ setzt sich mit der Familie und Freunden von Ibrahima Barry für eine vollumfängliche Aufklärung seiner Todesumstände ein. Die Ermittlungen zu den Todesumständen übernahm als „unabhängige Stelle“ die Mordkommission Bochum.

Die Zeit

zuhause/private WohnungRassismus
23. DEZ
2023
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Wir gedenken Ertekin Özkan, der am 23. Dezember 2023 in Mannheim auf der Straße vor seinem Wohnhaus von der Polizei erschossen wurde. Er wurde 49 Jahre alt.

Ertekin Özkan war offenbar in einer psychischen Krise, Auslöser dafür war möglicherweise der drohende Verlust der eigenen Wohnung, in der er mit seiner Mutter und seinen drei Kindern lebte. Ertekin Özkan soll selbst die Polizei gerufen haben und fälschlicherweise angegeben haben, dass in seiner Wohnung eine Leiche liege. Als die Polizei ankam, befand er sich mit nacktem Oberkörper auf der Straße, in der Hand ein Messer, mit dem er sich wohl selbst verletzt hatte.

Mehrere Familienmitglieder von Ertekin Özkan, unter anderem die Mutter und ein Onkel, waren anwesend und baten die Beamt:innen mit ihm reden zu dürfen um ihn zu beruhigen, was in früheren psychischen Krisensituationen gut funktioniert hatte. Diese Bitte wurde abgelehnt.

Als die Polizist:innen Ertekin Özkan aufforderten, das Messer abzulegen, soll er dem nicht nachgekommen sein und sich torkelnd in Richtung der Beamt:innen bewegt haben, woraufhin ein Beamter vier Schüsse auf ihn abfeuerte. Dem tödlich verletzt am Boden Liegenden wurden vor den Augen seiner Verwandten zunächst Handschellen angelegt, erst dann wurde mit der Reanimation begonnen.

Ertekin Özkan wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er infolge der Schussverletzungen starb.

polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
02. DEZ
2023
Berlinphysische GewaltPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Montenegro, der am Abend des 2. Dezember 2023 infolge eines gewaltsamen Festnahmeversuchs der Polizei in Berlin-Charlottenburg starb. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der 30-Jährige, der illegalisiert in Berlin gelebt hatte, soll gegen 22:30 Uhr im Innenhof eines Mehrfamilienhauses laut geschrien und Fahrräder beschädigt haben, weshalb Anwohner:innen die Polizei verständigten. Gegen den Versuch der Beamt:innen, ihn festzunehmen, habe er Widerstand geleistet. Währenddessen soll er nach Darstellung der Polizei plötzlich kollabiert sein. Er wurde zunächst reanimiert, im Krankenhaus wurde aber Medienberichten zufolge ein Herzinfarkt diagnostiziert.

Laut polizeilichem Ermittlungsbericht verlief der Polizeieinsatz brutal: Die Beamt:innen setzten „unmittelbaren Zwang in Form von körperlicher Gewalt, mit Hilfsmitteln der körperlichen Gewalt und Hiebwaffen“ gegen den Mann ein. Dennoch wollen Zeug:innen, die den Einsatz beobachteten, kein polizeiliches Fehlverhalten erkannt haben. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung hat die Berliner Staatsanwaltschaft bereits eingestellt.

www.t-online.de, Parliamentary Inquiry at Abgeordnetenhaus

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
26. NOV
2023
NiedersachsenErschießungPolizei

Ein namentlich unbekannter 25-jähriger Mann ist am 26. November im niedersächsischen Delmenhorst im Krankenhaus verstorben, nachdem ihm am 20. November von einem Polizisten in den Oberkörper geschossen und er schwer verletzt wurde. Laut Berichten hat der Mann nach einem Streit in einem Mehrfamilienhaus in Delmenhorst mit einer Axt auf ein Auto geschlagen, woraufhin ein Hausbewohner die Polizei kontaktierte. Nach Eintreffen dieser soll der Mann den Angaben der Polizei zufolge die Polizist*innen mit der Axt attackiert haben. Einer der Polizist*innen schoss auf ihn. “Aus Neutralitätsgründen” wurde die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta mit den Untersuchungen zum Einsatz betraut. Gegen den Polizisten werde wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt, so die Staatsanwaltschaft Oldenburg.

Cilip, NDR

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
12. NOV
2023
Brandenburgunklare Todesursache, Erschießung, SuizidPolizei, Sonstige

Zwischen dem 10. und 12. November ist der 44-jährige Wolfgang W. in Vieritz, Brandenburg, bei einem Polizeieinsatz gestorben. Das Jugendamt war in Begleitung der Polizei im Einsatz um einen möglichen Fall von Kindeswohlgefährdung zu prüfen. Zunächst sei am Freitagabend der Bruder des Verstorbenen und dem Reichsbürger Milieu zuzuordnendem Eugen W. mit einer Waffe aus dem Haus gekommen. In der Nacht von Freitag auf Samstag folgten eine Frau und ein Kind. Dabei soll Wolfgang W. Schüsse in Richtung der Polizei abgegeben haben. Am Samstagnachmittag sei das SEK dann in das Haus vorgedrungen und habe sich nach kurzer Zeit wieder zurückgezogen, als angeblich Wolfgang W. zu schießen begann und es zu einem Schusswechsel kam. In der Nacht zum Sonntag sei die Polizei nochmals in das Haus eingedrungen und soll dabei nur noch den bereits toten Wolfgang W. aufgefunden haben. Wie der genaue Ablauf des Einsatzes war und ob Wolfgang W. durch die Polizei getötet wurde oder Suizid beging, ist nicht bekannt.

Frag den Staat, MAZ Online

zuhause/private Wohnung
05. NOV
2023
Nordrhein-WestfalenTaser, unklare TodesursachePolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 5. November 2023 in Köln infolge eines Polizeieinsatzes starb. Sein Name ist uns nicht bekannt. Berichten zufolge kam der Mann aus Kroatien. Er war 41 Jahre alt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Mann in einem Bordell „randaliert“ haben, weil sein Wunsch, mit einer ausländischen Währung zu zahlen, nicht akzeptiert worden sei. Das Sicherheitspersonal habe daraufhin die Polizei gerufen. Die Beamt:innen hätten das Zimmer, in dem sich der Mann befand, aufgebrochen und ihn mit einem Taser angegriffen. Weil der Mann weiter „randaliert“ habe, soll ein Notarzt ihm ein Medikament verabreicht haben. Anschließend sei er kollabiert und später im Krankenhaus verstorben.

www.rundschau-online.de, Frag den Staat, WDR, Spiegel

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)Rassismus
30. OKT
2023
Baden-WürttembergUnfall, Tod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am Montag, den 30. Oktober 2023, ist ein 43-jähriger Mann, der sich in Polieigewahrsam befand, beim Sturz aus dem Fenster einer Arztpraxis in Rastatt gestorben. Der Mann wurde zuvor in Baden-Baden festgenommen und sollte in der Praxis auf seine Haftfähigkeit untersucht werden. Als der Mann in der Praxis auf die Toilette ging, soll dieser das Fenster in der Klokabine geöffnet haben. Trotz Anwesenheit eines Polizisten in der Toilette, stürzte der Mann aus dem Fenster des zweiten Stocks und verstarb später im Krankenhaus.

BNN, SWR

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
16. OKT
2023
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Nigeria, der am 16. Oktober 2023 auf der Flucht vor der Polizei in den Tod stürzte. Er war 33 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Asylsuchende sollte in die Niederlande abgeschoben werden, weil sein Asylverfahren nach dem Dublin-System dort durchgeführt werden sollte. Fünf Polizeibeamt:innen suchten ihn in seinem Zimmer im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses auf, um ihn zur Abschiebung zu holen. Während er seine Sachen packte, soll er unvermittelt zum Balkon gelaufen und von dort in die Tiefe gesprungen sein. Ein Polizist soll versucht haben, ihn am Arm festzuhalten, um die Flucht zu verhindern, allerdings ohne Erfolg. Trotz sofort eingeleiteter medizinischer Maßnahmen sei der 33-Jährige vor Ort verstorben.

www.lvz.de, www.taz.de

zuhause/private WohnungRassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. OKT
2023
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 13. Oktober 2023 bei Ampfing östlich von München bei einem Autounfall auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kamen. Bei den Getöteten handelte es sich Berichten zufolge um Menschen aus Syrien und der Türkei, unter ihnen war auch ein sechsjähriges Kind. Ihre Namen sind uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Polizei wollten Bundespolizist:innen in den frühen Morgenstunden des 13. Oktober auf der A 94 in Südostbayern einen Kleintransporter kontrollieren. Um der Kontrolle auszuweichen, soll der Fahrer den Wagen stark beschleunigt haben und dann in einer Kurve die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben. Mehrere Personen seien aus dem Transporter geschleudert worden. Bislang ist unklar, wie lange die Polizist:innen das Fahrzeug verfolgten.

In dem Kleintransporter befanden sich neben dem Fahrer insgesamt 23 Geflüchtete. 16 Insass:innen wurden bei dem Unfall teils schwer verletzt. Gegen den ebenfalls verletzten Fahrer ermittelt die Polizei wegen eines Tötungsdelikts.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
12. OKT
2023
BrandenburgTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am 12. Oktober 2023 verstarb ein 16-jähriger in einem Cottbusser Krankenhaus. Laut Polizeiangaben waren er und eine weitere Person zwei Tage zuvor mit einem gestohlenen Wagen durch Cottbus gefahren. Kurz nachdem die Polizei versucht habe, den Wagen zu stoppen, sei dieser am Stadtrand verunfallt. Der zweite Jugendliche konnte das Krankenhaus nach kurzer Zeit wieder verlassen.

RBB24

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
11. OKT
2023
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Ein 30-Jähriger wurde am frühen Nachmittag des 11. Oktobers 2023 in Delbrück als vermisst und selbstmordgefährdet gemeldet und in einem größeren Einsatz gesucht. Obwohl damit klar war, dass es der Person psychisch schlecht ging, begab sich die Polizei ohne psychologische Unterstützung zu seinem ermittelten Aufenthaltsort. Der 30-Jährige starb durch einen Kopfschuss, der beim Zusammentreffen von einem Polizisten abgegeben wurde. Der Mann soll ein Küchenmesser in der Hand gehalten haben. Die Bodycams waren nicht eingeschaltet und Details zum Ablauf bleiben unklar. Die Beamten machten die Aussage, dass der Mann mit dem Messer auf sie zugelaufen sei.

CIlip, Frag den Staat, Focus

psychische Erkrankung
01. OKT
2023
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist im Oktober 2023 im Kreis Borken im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz verstorben. Es sind keine Informationen zu dem Einsatz oder zu einem Ermittlungsverfahren bekannt.

Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

Frag den Staat

28. SEP
2023
NiedersachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am Donnerstag, den 28. September 2023, gegen 3 Uhr morgens starb ein 16-Jähriger als Beifahrer eines Autos, dessen Fahrer sich mutmaßlich einer Kontrolle entziehen wollte. Nach einer etwa 20-minütigen Verfolgungsjagd, bei dem die Polizei auch in die linke Seite des Autos rammte, fuhr der 22-jährige Fahrer laut Polizei gegen einen Baum und flüchtete zu Fuß weiter. Der Beifahrer sei bei dem Unfall tödlich verletzt worden und verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus.

NDR, T-Online, RTL

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
14. SEP
2023
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursacheAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen, der am 14. September 2023 in der Abschiebehaftanstalt in Büren starb. Er war 24 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt, auch über sein Leben und die Umstände seiner Inhaftierung wissen wir nichts Näheres.

Nach Angaben der Bezirksregierung soll der Mann am Morgen des 14. September leblos in seiner Zelle gefunden worden sein. Die Bediensteten hätten versucht, ihn wiederzubeleben, ein Notarzt habe die Reanimation fortgesetzt. Sie sei aber erfolglos geblieben.

Es soll weder Hinweise auf einen „Suizid“ noch auf Fremdverschulden gegeben haben. Die Polizei hat ein sog. Todesermittlungsverfahren eingeleitet.

www.radiohochstift.de

Rassismus
01. SEP
2023
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist im September 2023 im Rhein-Erft-Kreis im Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz verstorben. Es sind keine Informationen zu dem Einsatz oder zu einem Ermittlungsverfahren bekannt.

Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

Frag den Staat

23. AUG
2023
BerlinSuizidGefängis

Wir gedenken Gizo Brigvadze, der am 23. August 2023 in der JVA Tegel starb. Er wurde 26 Jahre alt.

Über sein Leben, die Gründe für die Inhaftierung und die Umstände seines Todes ist uns so gut wie nichts bekannt. In einem Nachruf in der Gefangenenzeitung Lichtblick wird Gizo Brigvadze als Mensch beschrieben, der seine Familie, Sport und die Freiheit liebte. Außerdem heißt es darin, dass er drei Monate nach seinem Tod entlassen werden sollte.

Lichtblick Ausgabe 1/2023

Rassismus
19. AUG
2023
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Am 19. August 2023 ist ein 47-jähriger Mann in Polizeigewahrsam verstorben. Er wurde am Freitagabend gegen 10 Uhr in der Hagener Innenstadt von Polizist*innen kontrolliert und daraufhin festgenommen, da gegen ihn ein Haftbefehl wegen Drogendelikten vorgelegen habe, so die Polizei Hagen. Der Mann wurde in Gewahrsam genommen und sei laut Polizeiangaben gegen 2:30 Uhr Nachts leblos aufgefunden worden. Aus “Neutralitätsgründen” ermittelte die Wuppertaler Polizei, welche “keine Hinweise auf ein Fremdverschulden” erkennen könne, wie sie noch am selben Tag feststellte.

Frag den Staat, RP Online, T-Online

Polizeiwache
17. AUG
2023
Nordrhein-WestfalenErschießung, TaserPolizei, Psychiatrie

Am 17. August 2023 wurde der 56-jährige Rainer D. in Duisburg Neuenkamp durch die Schüsse eines Polizisten getötet. Er sollte von Sanitäter*innen der Feuerwehr in eine psychatrische Klinik eingewiesen werden. Rainer D. widersetze sich dieser Maßnahme, woraufhin die Sanitäter*innen die Polizei hinzuriefen. Rainer D. soll diese dann mit einem Messer attackiert haben, heißt es im Polizeibericht. Laut Polizei habe diese zunächst mit dem “Distanzelektroimpulsgerät” auf Rainer D. geschossen. Als dies nicht den erhofften Effekt zeigte, habe die Polizei dann zwei Schüsse auf Rainer D. abgegeben. Eine Anwohnerin gab jedoch an, drei Schüsse gehört zu haben. Wie viel Zeit zwischen dem Taser-Einsatz und den Schüssen lag, sowie welche Handlungen in der Zwischenzeit von Rainer D. ausgingen, ist unbekannt. Das Obduktionsergebnis zeigt zweifelsfrei, dass die Schüsse ursächlich für den Tod Rainer D.s waren. Die beiden an dem Einsatz beteiligten Polizist*innen trugen Bodycams, von denen eine ausgeschaltet war. Der Inhalt der Aufnahmen der anderen Bodycam ist nicht bekannt. Konkretere Informationen zum Einsatzhergang, wie etwa die Entfernung der Polizist*innen zum Getöteten bei Abgabe der Schüsse, sind nicht bekannt. “Aus Neutralitätsgründen” habe die Polizei Düsseldorf den Fall untersucht. Ob diese Untersuchungen noch andauern oder bereits eingestellt wurden, ist nicht bekannt.

Frag den Staat, RP Online, RP Online

zuhause/private Wohnungpsychische Erkrankung
25. JUL
2023
BerlinSuizidPolizei, Gericht

Ein akut von einer Zwangsräumung bedrohter 62-Jähriger starb am 25. Juli 2023 nach dem Eintreffen einer Gerichtsvollzieherin und dem später hinzugerufenen Sondereinsatzkommando (SEK). Der Mann habe, bereits während die Zwangsräumung gegen 10 Uhr morgens begonnen wurde, damit gedroht, sich notfalls mit Gewalt zu wehren. Daraufhin sei das SEK hinzugerufen worden. Er habe gegenüber dem sich anschließend der Wohnung nähernden SEK Schüsse abgegeben, ohne dabei Polizist*innen zu verletzen. Nach einigen Stunden, in denen laut Polzei versucht wurde, zu verhandeln, wurde die Wohnung gestürmt, wobei der Mann tot vorgefunden worden sei. Ein sich selbst zugefügter Kopfschuss wird angenommen. Was genau von dem Eintreffen der Gerichtsvollzieherin und der Polizei an bis zu dem Zeitpunkt passiert ist, ist nicht bekannt.

Morgenpost

zuhause/private WohnungArmut
13. JUL
2023
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken einer Frau aus der Türkei, die am 13. Juli 2023 bei Pirna in Sachsen auf der Flucht vor der Polizei bei einem Autounfall ums Leben kam. Sie war 44 Jahre alt, ihr Name ist uns nicht bekannt.

Nach Angaben der Bundespolizei wollten Beamt:innen am Morgen des 13. Juli auf der Autobahn 17 bei Pirna einen Kleintransporter kontrollieren. Der Fahrer habe stark beschleunigt, um sich der Kontrolle zu entziehen. In der Folge sei der Transporter von der Fahrbahn abgekommen und habe sich überschlagen.

Neben der verstorbenen Frau befanden sich in dem Fahrzeug sieben weitere Geflüchtete, die teils schwer verletzt wurden. Auch der Fahrer musste verletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Gegen ihn und eine weitere Person erhob die Staatsanwaltschaft Dresden zwischenzeitlich Anklage. Ihnen wird vorgeworfen, Menschen ohne entsprechendes Visum gegen Geldzahlungen illegal nach Deutschland gebracht zu haben.

www.lvz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
11. JUL
2023
Berlinphysische Gewalt, Luftnot, Fesselung, unklare TodesursachePolizei

Danny Oswald verstarb am 11. Juli 2023 in Berlin Friedrichshain in Zusammenhang mit einem Polizeieinsatzes. Die Polizei wurde gerufen, da er laut Polizeiangaben in einem Laden und auf einer Baustelle “randaliert” haben soll. Er hatte vorher Drogen konsumiert und war wahrscheinlich in einer “psychischen Ausnahmesituation”. Der genaue Ablauf des Einsatzes wurde bisher nicht rekonstruiert. Gerade die Notwendigkeit der Fixierung steht infrage. In einem Baucontainer wurde er durch die Polizei auf dem Boden fixiert und gefesselt, wobei er wohl über Atemnot klagte und möglicherweise ohnmächtig wurde. Laut Aussage seiner Mutter hatte er eine schwere Vorverletzung am Rücken, die ihn körperlich stark beeinträchtigte. Die ursprüngliche Begründung der Polizei für die Fixierung am Boden war, dass er sich “gewalttätig” verhalten habe, wobei keine näheren Angaben zu dem genauen Verhalten gemacht wurden. Danny wurde dann in ein Friedrichshainer Krankenhaus eingeliefert, wo er, ungefähr 2 Stunden nachdem die Polizei gerufen wurde, verstarb. Die Ermittlungen gegen die beiden Polizisten wurden nach sieben Tagen eingestellt. Danny Oswalds Familie und Angehörige haben sich immer wieder medial geäußert und beklagen die mangelnde Aufklärung und Transparenz der Polizei. Sie wünschen sich komplette Aufklärung und haben Berichten zufolge Strafanzeige erstattet.

ND aktuell, Youtube

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
07. JUL
2023
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines polnischen Mannes, der am 7. Juli 2023 bei der Flucht vor der Polizei bei Cottbus starb. Er wurde 39 Jahre alt.

Die Polizei wollte den Fahrer des Autos der Mercedes S-Klasse gegen 4 Uhr morgens auf der Autobahn 15 bei Cottbus kontrollieren. Dieser Kontrolle entzog sich der Fahrer. Es kam zu einer Verfolgungsjagd, die auf der Bundesstraße 115 am Eilandweg in Bad Muskau bei Cottbus endete. Der Wagen überschlug sich im Eiland-Kreisel. Der Fahrer wurde eingeklemmt und von der Feuerwehr geborgen. Er erlag seinen Verletzungen.

www.diesachsen.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
16. JUN
2023
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Ein 33-jähriger Dresdener warf Möbel von einem Balkon in der 15. Etage. Anwohner*innen sahen zudem, dass er zeitweise auch ein Messer in der Hand hatte. Auch eine Frau sei in der Wohnung gewesen, die nach dem Vorfall unter Schock stand. Nachdem die Polizei eintraf, stürzte der Mann wohl vom Balkon und verstarb daraufhin an den Folgen des Sturzes. Die Zusammenhänge wurden öffentlich nicht weiter geklärt. Eine Pressemitteilung der Polizei zu den Ereignissen konnten wir nicht finden.

Zeit, MDR

zuhause/private Wohnung
05. JUN
2023
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 5. Juni 2023 von der Polizei in Ingolstadt erschossen wurde. Er war 35 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann soll nackt und in einem psychischen Ausnahmezustand auf Bahngleisen herumgelaufen sein, als die Polizei anrückte. Die Polizei gibt an, er habe mehrfach angedroht, von einer Brücke zu springen. Daraufhin sei lange mit ihm verhandelt worden mit dem Ziel, den Mann einer „medizinischen Maßnahme“ zuzuführen. Hierbei sei neben der Polizei, einem Spezialeinsatzkommando (SEK), einem Arbeitskollegen des Mannes auch ein Dolmetscher anwesend gewesen, um die Kommunikation mit dem 35-jährigen Tschechen zu erleichtern. 

Zwischenzeitlich versteckte sich der 35-Jährige schließlich in einem Gebüsch, aus dem er später mit einem Holzstück in der Hand herauskam. Daraufhin erschoss ihn die Polizei. Reanimationsversuche eines Notarztes blieben erfolglos; der 35-jährige starb an seinen Verletzungen.

Im Rahmen einer Obduktion soll nun geklärt werden, wie viele Schüsse den 35-Jährigen trafen. Die weiteren Ermittlungen zur Klärung des Tathergangs sowie der Umstände der polizeilichen Schussabgabe führt nun das Bayerische Landeskriminalamt.

www.sueddeutsche.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. JUN
2023
Baden-WürttembergLuftnot, unklare TodesursachePolizei

In dem Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt ist am 4. Juni 2023 ein 58-jähriger Mann nach einem Polizeieinsatz verstorben.Der Mann soll am Sonntagabend aufgefallen sein, da er eine Frau aus unklarem Motiv attackiert haben soll. Nachdem zwei Passant*innen der Frau halfen, soll der 58-Jährige geflüchtet sein. Die alamierten Polizist*innen sollen laut Polizeiangaben ebenfalls von dem Mann angegriffen worden sein. Kurz nachdem ihm Handschellen angelegt wurden, soll plötzlich seine Atmung ausgesetzt haben. Etwa eine Stunde später starb er aus bisher unklaren Gründen im Krankenhaus. Das Landeskriminalamt berichtet von einer unklaren Todesursache. Ein erstes Obduktionsergebnis soll keinen Hinweis auf eine Fremdeinwirkung gegeben haben. Warum die Atmung des Mannes ausgesetzt hat, ist nicht bekannt.

Frag den Staat, Tagesspiegel

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
14. MAI
2023
Niedersachsenunklare TodesursachePolizei

Zwei Frauen waren am 30. April 2023 in Bremervörde unterwegs und laut Polizei “stark alkoholisiert”. Nachdem Passant*innen die Polizei riefen, scheinbar weil die beiden Frauen auf der Straße liefen, nahm diese die beiden in Gewahrsam. Laut Polizeiangaben wehrten sich die beiden Frauen gegen die Festnahme. Auf der Polizeiwache wurden ärztliche Tests gemacht. Nach Polizeiangaben habe eine der beiden Frauen noch währenddessen so schlimme “gesundheitliche Probleme” erlitten, dass sie reanimiert werden musste. Wieso sich ihr gesundheitlicher Zustand so plötzlich verschlechtert hat, ist nicht öffentlich bekannt. Die 24-Jährige aus Kutenholz (Landkreis Stade) wurde in eine Klinik in Bremervörde verbracht. Anschließend wurde sie in ein Klinikum in Stade überführt und ist zwei Wochen nach der Festnahme am 14. Mai verstorben. Die durch die polizeiliche Obduktion festgestellte Todesursache wurde aus Persönlicheitsrechten nicht veröffentlicht, angeblich sei die Frau “nicht in Folge der Behandlung durch Polizeibeamte” gestorben.

Kreiszeitung, Kreiszeitung

Polizeiwache
02. MAI
2023
Bayernunklare TodesursachePolizei

Ein 45-Jähriger wurde am 1. Mai 2023 um kurz vor Mitternacht in München-Untergiesing von der Polizei kontrolliert und angeblich wegen eines Haftbefehls bezüglich Diebstahls in Gewahrsam genommen. Der Mann soll wohnungslos gewesen sein. Auf der Polizeiwache sei er in eine Zelle gebracht worden und soll geäußert haben, dass es ihm nicht gut ginge. Im weiteren Verlauf sei der Münchener “plötzlich kollabiert”. Es sei versucht worden, den Mann zu reanimieren, doch er verstarb am Morgen des 2. Mai im Krankenhaus. Die Polizei äußert, sie habe Ermittlungen aufgenommen. Über den aktuellen Stand sind keine öffentlichen Informationen zu finden.

t-online

PolizeiwacheWohnungslosigkeit
25. APR
2023
BerlinSuizidPolizei

Am 25. April 2023 ist in Berlin ein 41-jähriger Mann in Zusammenhang mit einem Polizeieinsatz gestorben. Der Mann hatte am Nachmittag des Vortags mit einem Komplizen versucht ein Antiquitätengeschäft auszurauben, wobei es zu einer Geiselnahme des Ladenbesitzers und einer Angestellten gekommen ist. Die Angestellte kam nach kurzer Zeit mit leichten Verletzungen frei, der Komplize stellte sich der Polizei bald nach deren Eintreffen.

Im Zuge der Geiselnahme des Ladenbesitzers umstellte das Spezialeinsatzkommando (SEK) das Geschäft. Um 2:30 Uhr Nachts, nach vielen Stunden, beendete das SEK die Geiselnahme des unverletzten Ladenbesitzers mit dem Stürmen des Geschäfts. Der 41-jährige Mann, laut Mittäter „Matti“ genannt, wurde nach Auskunft der Berliner Staatsanwaltschaft mit einer Kopfverletzung aufgefunden. Der Mann hatte zuvor mehrfach angedroht, sich selbst zu töten und verstarb beim Transport ins Krankenhaus. Im Obduktionsbericht wurde ein aufgesetzter Kopfschuss festgestellt.

RBB24, BZ Berlin

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)
12. APR
2023
Brandenburgphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Vitali Novacov, der am 11. April 2023 durch die Polizei gewaltsam fixiert und erstickt wurde. Er wurde 45 Jahre alt.

Vitali Novacov war gebürtiger Moldawier mit bulgarischer Staatsangehörigkeit und wahrscheinlich Rom, er lebte im brandenburgischen Niederlehme und war als Bauarbeiter tätig.

Laut Polizeimeldung soll Vitali Novacov am Nachmittag des 11. April 2023 auf einem Privatgrundstück in der Nachbarschaft seiner Wohnung randaliert, sich „aggressiv“ und „psychisch auffällig“ verhalten haben. Laut Polizeimeldung wurde er unter Einsatz von Pfefferspray und mithilfe von Anwohner:innen durch die Polizei überwältigt und mit Handschellen fixiert. Unmittelbar danach sei er kollabiert, woraufhin die Fixierung gelöst und mit der Reanimierung begonnen worden sei.

Im Protokoll des dann hinzugerufenen Notarztes ist von „Atemstillstand in polizeilicher Fixierung“ die Rede und es ist vermerkt, dass die Handschellen bei Eintreffen des Notarztes noch anlagen.

Vitali Novacov wurde in das Klinikum Neukölln gebracht, bei der Ankunft soll er bereits hirntot gewesen sein. Im CT seines Kopfes waren eindeutig die schweren Auswirkungen von anhaltendem Sauerstoffmangel erkennbar. Sein Mund und seine Nase waren mit Erde verschmiert, die Ärzt:innen gehen deshalb davon aus, dass Vitali Novacov über längere Zeit mit dem Gesicht in matschige Erde gedrückt wurde.

In der Nacht auf den 12. April wurden Tests auf verschiedene Drogen durchgeführt, die alle negativ waren. Außerdem kam mehrmals die Polizei zu Vitali Novacov, mal um eine Tüte mit Medikamenten zu bringen, die angeblich ihm gehörte, mal um seine Kleidung auf Gesuch der Staatsanwaltschaft Cottbus zu beschlagnahmen.

Am 12. April um 17:57 wurden die lebenserhaltenden Geräte abgestellt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Ein erstes Ergebnis der angeordneten Obduktion lautet, es gäbe keine Hinweise auf eine Außeneinwirkung, die den Tod verursacht habe. Die Angehörigen von Vitali Novacov haben im Mai 2023 mit anwaltlicher Unterstützung Strafanzeige gegen „unbekannt“ erstattet. Sie möchten zudem eine unabhängige Obduktion zur Feststellung der Todesursache durchführen lassen. (Stand 2023)

taz.de, anonymous source Neukölln clinic, taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus, Armut
06. APR
2023
Thüringenunklare TodesursachePolizei

Am 6. April 2023 ist ein 34-jähriger Mann bei einem Polizeieinsatz im Landkreis Greiz offenbar zunächst kollabiert und im weiteren Verlauf gestorben. Der Grund für den Einsatz und wann genau dieser stattfand ist unklar. Die Polizei Thüringen gibt ebenso keine Informationen dazu, ob der Mann während des Einsatzes Widerstand geleistet hat. Aus “Neutralitätsgründen” soll eine andere Polizeibehörde die Sachbearbeitung des Falles übernommen haben. Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei Jena sahen diese keinen “Anfangsverdacht” für eine Straftat der Polizist*innen. Für das Feststellen der Todesursache wurde eine Obduktion angeordnet. Über den aktuellen Stand der Ermittlungen ist nichts bekannt.

MDR, Sueddeutsche

17. MÄR
2023
Mecklenburg-VorpommernErschießungPolizei

Ein 32-jähriger, dessen Name nicht bekannt ist, wurde in Jarmen von einem Polizisten erschossen. Drei Polizist*innen waren wegen eines, so die Polizei, psychischen Ausnahmezustands zur Wohnung des Getöteten gefahren. Ihnen lag zudem ein Haftbefehl gegen den Mann vor, den sie im gleichen Zug vollstrecken wollten. Die Mutter des Getöteten öffnete die Wohnung und die Situation verlief zunächst ruhig. Aus einem unbekannten Grund habe der Mann ein Schwert zur Hand genommen und verletzte damit einen der Polizisten am Arm. Dieser schoss auf den 32-Jährigen, “um den 32-jährigen deutschen Tatverdächtigen angriffsunfähig zu machen”. Der Mann starb noch in der Wohnung.

Ostsee Zeitung, NDR

zuhause/private Wohnung
07. MÄR
2023
BrandenburgErschießungPolizei

Markus M. aus Senftenberg in Brandenburg wurde von der Polizei mit einer Maschinenpistole erschossen. Er soll in seiner Wohnung mit einem Werkzeug herumgeschlagen haben, woraufhin von Nachbar*innen die Polizei gerufen wurde, offenbar wegen Ruhestörung. Der 34-Jährige soll der Polizei nicht die Tür geöffnet haben. Wegen weiteren Lärms und der Vermutung, er befinde sich in einem psychischen Ausnahmezustand, wurden weitere Polizeibeamt*innen hinzu gerufen. Markus M. habe sich im weiteren Verlauf bei geöffneter Tür mit einem “axtähnlichen Gegenstand” auf die Beamt*innen zubewegt. Laut dem Anwalt der Angehörigen, die für Aufklärung kämpfen, wurden insgesamt elf Schüsse abgegeben. Sechs davon entstammten einer Maschinenpistole, drei Schüsse töteten Markus M. Der Einsatz milderer Mittel wie eines Tasers oder von Reizgas sei nicht versucht worden, der Schusswaffengebrauch wurde nicht angekündigt. Laut Polizei seien erfolglose Reanimationsversuche eingeleitet worden. Als der Notarzt eintraf, war Markus M. bereits tot. Der weitere Fort- oder Ausgang des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens wurde nicht öffentlich berichtet.

Cilip, Frag den Staat

zuhause/private Wohnung
14. FEB
2023
Hamburgphysische Gewalt, LuftnotPolizei

Die 49-jährige Dagmar R. wurde am 5. Februar 2023 von der Polizei in Gewahrsam genommen. Die Frau befand sich laut Polizei sichtbar in einem psychischen Ausnahmezustand. Sie wurde unweit ihrer Wohnung in Hamburg-Neuallermöhe von der Polizei aufgegriffen und auf die Polizeiwache mitgenommen. Dagmar R. sollte dort vermutlich aufgrund ihres psychischen Zustands amtsärztlich untersucht werden. Vor Ort stürzte sie gegen 22:30 Uhr laut erster Polizeiaussage ohne Fremdeinwirkung mit dem Kopf auf den Boden und wehrte sich gegen Eingreifen bzw. Hilfe durch die Polizei. In einer Antwort auf einer Hamburger Bürgerschafts-Abgeordneten an den Senat wurde jedoch konkretisiert, dass sich Dagmar R. selbst verletzt habe und daraufhin bei deutlicher Gegenwehr an den Händen gefesselt wurde. Sie wurde bewusstlos, laut Pressemitteilung der Polizei geschah dies plötzlich und eine Reanimation sei eingeleitet worden. Später kam heraus, dass ein Beamter auf ihrem Nacken und Rücken gekniet haben soll und dass sie blau anlief, worauhin die Reanimation eingeleitet worden sei. In der Antwort auf die Bürgerschaftsanfrage schrieb die Polizei, dass gesundheitliche Probleme festgestellt worden waren und dass sie daraufhin losgelassen wurde. Dagmar R. konnte anschließend nicht mehr geholfen werden. Die Rettungskräfte setzten die Reanimation fort und lieferten die Hamburgerin ins Krankenhaus ein. Ein Arzt berichtete von Hinweisen auf Fremdeinwirkung. Dort lag sie tagelang im Koma und am 14. Februar verstarb Dagmar R. ohne zwischenzeitlich zu Bewusstsein gekommen zu sein. Es gibt keine Hinweise über den Stand der Ermittlungen.

ndr.de, taz.de, [Bürgerschaft Hamburg](https://buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/82908/tod_einer_frau_nach_einem_poli zeieinsatz.pdf)

Polizeiwachepsychische Erkrankung
23. JAN
2023
BerlinSuizidGefängis

Wir gedenken Denys P., der am 23. Januar 2023 in der JVA Tegel durch „Suizid“ starb. Er wurde 23 Jahre alt.

In einem Nachruf in der Gefangenenzeitung Lichtblick wird Denys P. als zurückhaltender, freundlicher junger Mann beschrieben, der sich für Kraftsport und Schach begeisterte. Er wurde in der Ukraine geboren, wuchs aber in Deutschland auf. Schon als Jugendlicher musste er eine Haftstrafe absitzen. Danach soll er einige Zeit auf der Straße gelebt haben. Dann wurde er wegen Raubes verurteilt und kam erneut in Haft, zuerst in die JVA Moabit, dann nach Tegel. Dort wurde er in die „Sozialtherapeutische Anstalt“ verlegt.

Gegenüber einem Journalisten berichten Mitgefangene über Missstände und Machtmissbrauch in der JVA Tegel. Einige jüngere Bedienstete würden sich wie „Möchtegern-Rambos“ aufführen, einige Therapeuten seien „machtgeil“ und „egozentrische Narzissten“. Denys P. sei wenige Tage vor seinem Tod schwer gedemütigt worden. Obwohl bekannt gewesen sei, dass er „sehr schamhaft“ war, sei er bei einer unangekündigten Kontrolle seines Haftraums gezwungen worden, erst nackt, dann nur mit Shorts bekleidet in der Zelle und anschließend sogar auf dem Zellengang zu stehen.

Lichtblick Ausgabe 0/2023

Rassismus
12. JAN
2023
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Am 12. Januar 2023 befand sich der 46-jährige Robert B. aus Mosbach im Neckar-Odenwald-Kreis in Baden-Württemberg laut Polizei in einem wahrnehmbaren psychischen Ausnahmezustand. Er war nach Aussage durch die Polizei in psychiatrischer Behandlung. Gegen 13 Uhr riefen Zeug*innen die Polizei, weil Robert B. sich “auffällig” der Wohnung seiner Ex-Partnerin genähert haben soll. Laut Polizei habe der 46-Jährige diese bei ihrem Eintreffen mit einem Messer angegriffen. Die Beamt*innen setzten Pfefferspray ein, welches laut Polizei nicht wie erhofft gewirkt habe. Daraufhin erschoss die Polizei Robert B. Wie lang der Zeitraum zwischen dem Pfefferspray-Einsatz und den zwei Schüssen war, also wie lang die Polizei die Wirkung abgewartet hat, ist nicht bekannt. Laut Ermittlungen durch das LKA habe die Polizei aus “Notwehr” gehandelt, die Polizisten sind freigesprochen worden.

Frag den Staat, polizeischuesse.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)psychische Erkrankung
11. JAN
2023
Nordrhein-WestfalenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Ein 30-jähriger Mann stürzte sich am 11. Januar 2023 gegen 7:30 Uhr auf der Flucht vor der Polizei von seinem Balkon im vierten Stock. Er verstarb daraufhin im Krankenhaus. Die Polizei wollte ihn mit einem Haftbefehl ungeklärter Art in seiner Wohnung festnehmen. Berichten zufolge öffnete eine weitere Person erst nach dem Sturz die Tür.

radioessen.de

zuhause/private Wohnung
03. JAN
2023
Niedersachsenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken Mamadou "Johnson" B., der am 3. Januar 2023 in Gewahrsam der Polizei Braunschweig starb. Er wurde 38 Jahre alt.

Die Polizei verhaftete den Guineer Johnson in einem Lokal in der Braunschweiger Innenstadt, da er dort Pfefferspray versprüht haben soll. Nach Angaben der Polizei kam es anschließend in der Wache zu körperlichen Auseinandersetzungen, woraufhin dem 38-Jährigen Handschellen angelegt worden seien. Mamadou "Johnson" B. habe unter dem Einfluss von Drogen gestanden und sei deshalb medizinisch überwacht worden.

Als ihm schließlich eine Blutprobe entnommen werden sollte, bemerkte die zuständige Ärztin, dass Mamadou "Johnson" B. das Bewusstsein verloren hatte. Er musste reanimiert werden und wurde in ein Krankenhaus auf die Intensivstation gebracht, wo er schließlich für hirntot erklärt wurde und noch in der selben Nacht starb.

Bislang ist ungeklärt, was zuvor mit Mamadou "Johnson" B. geschehen ist. Einem ersten Obduktionsbefund zufolge konnte keine Fremdeinwirkung als Todesursache festgestellt werden. Allerdings weisen Angehörige des 38-Jährigen darauf hin, dass Mamadou "Johnson" B.s Leichnam Spuren körperlicher Misshandlung zeige und er vor seinem Tod geschlagen worden sei. Ohnehin stelle sich die Frage, warum die Polizei Mamadou "Johnson" B. nicht sofort in ein Krankenhaus verbracht, sondern alkoholisiert in einer Gewahrsamszelle alleine gelassen habe.

Die Polizei Gifhorn führte ein Ermittlungsverfahren zur Todesursache durch. In diesem Zusammenhang stehen nun toxikologische und neuropathologische Untersuchungen an.

www.braunschweiger-zeitung.de, t-online.de www.news38.de

PolizeiwacheRassismus
02. JAN
2023
Sachsen-Anhaltunklare TodesursachePolizei

Am 2. Januar 2023 wurde ein Rettungswagen zum 46-jährigen Gastwirt Matthias P. gerufen, da Nachbarn offenbar um seinen gesundheitlichen Zustand besorgt waren. Weil er nicht die Tür öffnete, wurde die Polizei hinzu gerufen, welche die Tür aufbrach. Der Mann lebte zu dem Zeitpunkt noch. Über den weiteren Ablauf ist nichts bekannt. Matthias starb dann im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz. Die Magdeburger Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen vier Beamte ein und machte hierzu keine näheren Angaben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung sind uns weder eine Pressemitteilung der Polizei noch weitere Nachberichterstattung zum Fall oder Ermittlungsstand bekannt.

www.volksstimme.de, www.bild.de

zuhause/private Wohnung
01. JAN
2023
Berlinunklare Todesursache, HerzstillstandPolizei

Ein 68-jähriger Mann ist am 1. Januar 2023 in Polizeigewahrsam in Tempelhof-Schöneberg gestorben. Er wurde laut Polizei gegen 14 Uhr wegen “andauerndem Hausfriedensbruch” in Anschlussgewahrsam genommen. Die bislang einzige Pressemitteilung der Polizei beschreibt, dass der Mann bei einem Kontrollgang gegen 20 Uhr von einer Polizeibeamtin “regungslos auf seiner Liege im Verwahrraum” aufgefunden wurde. Zur Einleitung der Reanimationsmaßnahmen finden sich widersprüchliche Berichterstattungen. Der Mann ist vor Ort verstorben. Die Polizei schreibt zur Todesursache von zugrundeliegenden gesundheitlichen Umständen. Auf Anfrage der Tageszeitung “nd” erklärt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin, dass die Obduktion zur Feststellung der genauen Todesursache im Institut für Rechtsmedizin der Charité durchgeführt wurde. Der Mann soll eine Lungenentzündung in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gehabt haben. Diese soll neben einer Herzerkrankung die Todesursache gewesen sein. Eine toxikologisch-chemische Untersuchung wurde veranlasst. Die weiteren Ermittlungen übernimmt die zu Tempelhof zugehörige Kriminalpolizei der Direktion Süd. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gibt es keine öffentlichen Informationen zum Stand der Ermittlungen.

berlin.de, nd-aktuell.de

PolizeiwacheWohnungslosigkeit
31. DEZ
2022
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken einer Asylsuchenden, die nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums im Jahr 2022 in der JVA Vechta durch „Suizid“ starb. Ihr Name ist uns nicht bekannt. Auch über den Grund ihrer Haft und die Umstände ihrer Flucht nach Deutschland wissen wir nichts Näheres. Die Asylsuchende war 32 Jahre alt und kam aus der Region des Nahen Ostens.

www.ari-dok.org

Rassismus
31. DEZ
2022
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Geflüchteten, der nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums im Jahr 2022 in der JVA Sehnde durch „Suizid“ starb. Seinen Namen kennen wir nicht. Auch die Umstände seiner Flucht nach Deutschland und die Gründe seiner Haft sind uns nicht bekannt. Der Geflüchtete war 34 Jahre alt und kam aus einem Land in Europa.

www.ari-dok.org

Rassismus
15. DEZ
2022
HessenReizgasPolizei

Ein namentlich Unbekannter 28-Jähriger ist am 15.12.2022 im hessischen Hattersheim von der Polizei getötet worden. Der Mann kollabierte in einem Restaurant in Hattersheim, woraufhin Sanitäter*innen anrückten. Diese riefen die Polizei, da sich der Mann aggressiv verhielt. Als der Mann die Personalienkontrolle verweigerte, eskalierte die Situation. Die Polizist*innen setzten Pfefferspray gegen den Mann ein, worauf dieser das Bewusstsein verlor und noch vor Ort wiederbelebt werden musste. Er verstarb Stunden später im Krankenhaus. Wäre die Person ohne Polizeieinsatz gestorben?

Hessenschau

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)
14. DEZ
2022
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 14. Dezember 2022 in der JVA Halle durch “Suizid” starb. Er war 43 Jahre alt und stammte aus der Türkei. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Laut einer Pressemitteilung des Justizministeriums wurden sofort Wiederbelebungsversuche eingeleitet, diese blieben jedoch erfolglos. Ein Notarzt habe nur noch den Tod des Mannes feststellen können.

presse.sachsen-anhalt.de

Rassismus
10. DEZ
2022
Sachsenvorangegangener Femizid, ErschießungPolizei

Der 40-jährige David W. beginn am 10. Dezember 2022 in Dresden, Sachsen, einen Femizid, bei dem er seine Mutter tötete. Danach nahm er eine Frau und ein Kind als Geiseln in einem Einkaufszentrum. Bei einer Befreiungsaktion der Polizei wurde David W. angeschossen und verstarb später im Krankenhaus.

RND

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)
18. NOV
2022
HessenFesselung, unklare TodesursachePolizei

Am 18. November 2022 starb eine namentlich unbekannte Frau in Using, Hessen, nach einem Polizeieinsatz. Ein Nachbar rief die Polizei, da sie sich in ihrer Wohnung laut verhalten habe. Die Polizei traf die 39-Jährige kurz darauf in einer Nebenstraße an und fesselte sie. Laut Pressemitteilung der Polizei „verschlechterte sich der Gesundheitszustand“ der Person plötzlich, und sie verstirbt, nach Reanimation vor Ort, später im Krankenhaus. Die Obduktion führte zu keinem klaren Ergebnis. Wäre die Person auch ohne Polizeieinsatz gestorben?

Sueddeutsche, hessenschau

zuhause/private Wohnung
17. NOV
2022
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken Hikmet T., der am 17. November 2022 vermutlich infolge von Schüssen durch die Polizei in Enger (Nordrhein-Westfalen) starb. Er war 59 Jahre alt.

Hikmet T. soll am Abend des 3. November Familienmitglieder verbal bedroht und anschließend ein Feuer in seiner Doppelhaushälfte gelegt haben. Währenddessen sollen sich neben ihm auch Angehörige in dem Haus befunden haben, die unverletzt blieben. Beim Eintreffen der Polizei soll er sich mit einem Küchenmesser selbst verletzt haben. Dann soll er auf die Polizist:innen zugegangen sein. Nach Darstellung der Polizei soll Hikmet T. auf wiederholte Ansprachen nicht reagiert haben, daraufhin hätten zwei Beamt:innen geschossen. Er wurde dabei ins Bein getroffen.

Zunächst berichteten Medien, dass Hikmet T. außer Lebensgefahr sei, doch am 17. November wurde sein Tod bekannt gegeben. Die Polizei verneint, dass Schüsse für den Tod von Hikmet T. ursächlich waren. Es hätten „unterschiedliche Ursachen“ zu seinem Tod geführt, so die vage Angabe eines Polizeisprechers. Es ist nicht bekannt, wie viele Schüsse fielen. Eine unabhängige Obduktion gab es nicht.

Anmerkung: Dies ist ein Grenzfall. Für unsere Recherche haben wir uns grundsätzlich dagegen entschieden, Fälle mit aufzunehmen, in denen die getötete Person zuvor unbeteiligte Dritte willentlich in Lebensgefahr gebracht hat. Dies liegt hier zumindest nahe, weil Hikmet T. offenbar ein Wohnhaus angezündet hat, während sich seine Angehörigen darin befanden. Allerdings scheinen diese sich unabhängig von dem Polizeieinsatz vor dem Feuer gerettet zu haben. Deshalb wird der Fall hier aufgeführt.

www.sueddeutsche.de, www.nw.de

zuhause/private WohnungRassismus
24. OKT
2022
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Der 31-jährige Timo R. wurde am 24. Oktober 2022 in Zülpich, Nordrhein-Westfalen, von einem Polizeibeamten erschossen. Er soll gewaltsam versucht haben, in das Haus seiner Eltern zu kommen, woraufhin diese die Polizei riefen. Der Mensch soll einer Polizeibeamtin mit einem Messer nahegekommen sein, woraufhin er durch mindestens einen Schuss des Polizeibeamten getroffen wurde und vor Ort daran verstarb. Ein Gutachten vonseiten der Bonner Staatsanwaltschaft benennt den Schuss später als Nothilfe. Unbekannt ist, wie viele Polizist*innen vor Ort waren und warum keine anderen Deeskalationsmaßnahmen ergriffen wurden. Timo R.s Eltern befinden sich derweil in psychiatrischer Betreuung.

Zeit.de,

zuhause/private Wohnung
19. OKT
2022
Nordrhein-WestfalenTaser, HerzstillstandPolizei

Am 19. Oktober 2022 ist ein namentlich unbekannter Mann in Dortmund-Dorstfeld, Nordrhein-Westfalen, nach Einsatz eines Tasers durch die Polizei gestorben. Die Polizei war gerufen worden, weil der 44-Jährige Autos beschädigte, nach Hilfe rief und nicht ansprechbar war. Als die Polizei kam, soll er handgreiflich gegen das Polizeifahrzeug geworden sein. Die Beamt*innen setzen einen Taser ein, woraufhin der Mann „reanimationspflichtig“ wird. Kurze Zeit später verstirbt er im Krankenhaus. Der Mensch war schwer herzkrank und zudem wohnungslos. Die Bodycams waren ausgeschaltet, weshalb sich nichts genaueres zum Ablauf sagen lässt. Die Polizei Recklinghausen ermittelte „aus Neutralitätsgründen“ und sieht keine Kausalität zwischen Tasereinsatz und dem plötzlichen Tod. Immer wieder wird Drogenkonsum als Grund für seinen Tod genannt. Wie viel Zeit verging zwischen Tasereinsatz, Festnahme, Zusammenbruch des Mannes und Reanimierung? Wäre die Person auch ohne den Polizeieinsatz gestorben?

Landtag NRW, Ruhrnachrichten

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit
06. OKT
2022
Berlinphysische Gewalt, Luftnot, FesselungPolizei

Wir gedenken Kupa Ilunga Medard Mutombo, der am 6. Oktober 2022 in Berlin infolge eines gewaltsamen Polizeieinsatzes starb. Er war 64 Jahre alt.

Polizeilichen Informationen zufolge sollte er am 14. September aus einem betreuten Wohnheim für seelisch und psychisch Kranke in Berlin-Spandau in ein psychiatrisches Krankenhaus verlegt werden. Dazu waren mindestens 14 Polizeibeamt:innen im Einsatz. Nach Angaben des Betreuers von Kupa Ilunga Medard Mutombo, der bei der Maßnahme ebenfalls anwesend war, gingen die Beamt:innen sehr gewalttätig gegen diesen vor. Die Polizei habe den blutenden 64-Jährigen mit dem Knie im Nacken auf dem Boden so lange fixiert, bis ihm die Luft zum Atmen ausging. Er musste vor Ort wiederbelebt werden und wurde anschließend komatös in die Berliner Uniklinik Charité eingeliefert. Dort verstarb er drei Wochen später.

Nach Angaben der Beratungsstelle ReachOut wurde der Bruder des im Koma Liegenden erst sieben Tage nach dem Vorfall vom Krankenhaus benachrichtigt. ReachOut unterstützt die Familie und fordert die sofortige Suspendierung aller am Einsatz gegen Kupa Ilunga Medard Mutombo beteiligten Polizeibeamt:innen.

reachoutberlin.de

zuhause/private WohnungRassismus, psychische Erkrankung
08. SEP
2022
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 8. September 2022 in Ansbach mit drei Schüssen von der Polizei getötet wurde. Er war 30 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt. Der Geflüchtete aus Afghanistan soll Medienberichten zufolge am Abend des 8. September in der Nähe des Bahnhofs in Ansbach einen 17-jährigen Schüler mit zwei Küchenmessern attackiert haben. Er habe den Jugendlichen zu Boden gebracht und auf ihm gekniet. Ein 20-jähriger Passant soll eingegriffen und den Schüler befreit haben. Der Angreifer sei daraufhin geflüchtet. Die herbeigerufene Polizei fand den Mann anschließend in einer Straße südlich des Bahnhofs. Nach Darstellung der Beamt:innen soll er sich aggressiv verhalten und sich ihnen mit den zwei Messern genähert haben. Sie gaben daraufhin drei Schüsse auf den Mann ab, die ihn tödlich verletzten. Noch vor Ort erlag er den Verletzungen. Der Polizeipräsident von Mittelfranken erklärte kurz nach dem Vorfall, die Schüsse seien nach bisheriger Einschätzung "eindeutig gerechtfertigt" gewesen.

www.sueddeutsche.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
07. SEP
2022
SachsenErschießungPolizei

René W. ist am 7. September 2022 in Leipzig in Sachsen von der Polizei erschossen worden. Wegen eines mutmaßlichen Ladendiebstahls, bei dem der Mann zwei Flaschen Bier und Kartoffeln gestohlen und Personen mit einem Messer gedroht haben soll, suchte die Polizei die Wohnung des Opfers im Stadtteil Paunsdorf auf. Dort sei es gegen 16 Uhr zum Gebrauch der Schusswaffe gekommen. Der Mann verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus. Wie genau die „bedrohliche Einsatzlage“ aussah, die dazu führte, dass die Beamt*innen auf den Mann schossen, wurde seitens der Polizei nicht erläutert. Auch auf die Fragen nach der Anzahl, der am Einsatz beteiligten Polizist*innen und die Anzahl der abgegebenen Schüsse verweigert die Polizei bis heute jede Auskunft.

Tag24

zuhause/private WohnungArmut
04. SEP
2022
Nordrhein-WestfalenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Am 4. September 2022 starb eine namentlich unbekannte Person in Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen. Der 26-Jährige hatte nachts ein Streitgespräch mit seiner Freundin, weshalb Nachbar*innen beunruhigt die Polizei riefen. Als diese kam, wollte die Person aus Angst vor den Beamt*innen über den Balkon fliehen und stürzte dabei vom Balkon. Die Person war an dem Abend alkoholisiert und laut RP-online Mitglied in einer Bruderschaft. Erste Verdachte, ob es sich um ein Fall häuslicher Gewalt handelte, wurden abgeschwächt aber sind nicht ganz geklärt.

RP Online

zuhause/private Wohnung
04. SEP
2022
BerlinErschießung, vorangegangener FemizidPolizei

Am 4. September 2022 wurde in Berlin-Lichtenberg ein namentlich Unbekannter 23-Jähriger von der Polizei erschossen, während er einen Femizid beging. Nachbar*innen hatten die Polizei wegen Schreie aus der Wohnung im neunten Stock eines Mehrfamilienhauses gerufen. Sie gaben außerdem an, dass der Mann versucht habe, andere Wohnungstüren einzuschlagen. Beim Eintreffen schlug der Mann, laut Polizeiangaben, mit einem Beil auf eine am Boden liegende Frau ein. Einer der beiden Beamten schoss zweimal und verletzte den Mann tödlich. Auch die 27-jährige Frau erlag am Tatort ihren schweren Verletzungen. GdP(Gewerkschaft der Polizei)-Sprecher Benjamin Jendro sagte, die Schusswaffe sei in dieser Situation „das einzige Mittel“ gewesen und die Frage nach Taser als Alternative „rein spekulativ und nicht fair gegenüber den Einsatzkräften“ sei.

Berliner Zeitung

zuhause/private Wohnung
21. AUG
2022
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist am 21. August 22 im Kreis Düren an den Folgen eines Polizeieinsatzes verstorben. Es sind keine Informationen zu dem Einsatz bekannt. Es wurde kein Ermittlungsverfahren gegen die Beamt*innen eingeleitet.

Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

FragDenStaat

08. AUG
2022
Nordrhein-WestfalenErschießung, TaserPolizei

Wir gedenken Mouhamed Lamine Dramé, der am 8. August 2022 in Dortmund von der Polizei mit vier Schüssen aus einer Maschinenpistole regelrecht hingerichtet wurde.

Der 16-Jährige war ohne seine Eltern aus dem Senegal nach Deutschland gekommen. Er wohnte in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in der Dortmunder Nordstadt. Zuvor war er auf eigenen Wunsch in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden.

Am 8. August befand Mouhamed Lamine Dramé sich in einer akuten psychischen Krise. Nach Aussage eines Betreuers soll er mit einem Messer herumgelaufen und sich die Klinge gegen den Bauch gehalten haben. Der Betreuer rief deshalb die Polizei.

Obwohl bekannt war, dass der junge Geflüchtete kaum Deutsch sprach, rückten die Beamt:innen ohne Dolmetscher:in an. Auf ihre Zurufe soll Mouhamed Lamine Dramé nicht reagiert haben. Als die Polizist:innen ihn mit Pfefferspray angriffen, soll er aufgesprungen und auf die Beamt:innen zugegangen sein. Letztere eskalierten die Situation weiter, indem sie mit Tasern auf ihn schossen. Ein Beamter gab daraufhin mit einer Maschinenpistole sechs Schüsse auf Mouhamed Lamine Dramé ab. Vier davon trafen ihn in den Bauch, in den Kiefer, in den Unterarm und in die Schulter. Trotz einer Notoperation starb er später im Krankenhaus.

Nachdem die Polizei Recklinghausen zunächst nur gegen den Todesschützen Fabian S. ermittelt hatte, wurden die Ermittlungen später auf vier weitere Polizist:innen ausgeweitet. Sie richteten sich dann auch gegen den Einsatzleiter und die Beamt:innen, die Mouhamed Lamine Dramé mit Pfefferspray und Tasern angegriffen hatten. Im Februar 2023 wurde bekannt, dass Fabian S. wegen Totschlags angeklagt wird. Weitere an dem Einsatz beteiligte Beamt:innen mussten sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten, der Dienstgruppenleiter wegen Anstiftung dazu. Im Dezember 2024 wurden die fünf Angeklagten jedoch nach rund einjährigem Prozess wegen vermeintlicher Notwehr vollumfänglich freigesprochen. Einen Tag nach dem Freispruch wurde Fabian S. zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.

Auf Wunsch des Vaters des Getöteten, Lamine Dramé, wurde der Leichnam in den Senegal überführt und dort bestattet. Er fordert, dass die Umständes des Todes seines Sohnes lückenlos aufgearbeitet werden.

polizeischuesse.cilip.de, perspektive-online.net, www.nd-aktuell.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
07. AUG
2022
Nordrhein-WestfalenReizgas, physische GewaltPolizei

Ein namentlich unbekannter 39-Jähriger starb am 7. August 2022 in Oer-Erkenschwick, Nordrhein-Westfalen, im Zusammenhang mit einer Festnahme durch Polizeibeamt*innen. Die Polizei wird von alarmierten Nachbar*innen zu der Wohnung eines 39-jährigen Mannes gerufen. Eine Frau, die ebenfalls in der Wohnung gewesen sein soll, habe sich selbst in Sicherheit gebracht. Nachdem die Polizei in die Wohnung eingedrungen ist, leistet der Mann Widerstand. Die Polizei setzt Pfefferspray ein und überwältigt den Mann, woraufhin er sein Bewusstsein verliert und im Krankenhaus verstirbt. Gegen Polizeibeamt*innen wird auch ermittelt, weil sie Zeug*innenvideos gelöscht haben soll.

wa.de, t-online

zuhause/private Wohnung
03. AUG
2022
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Jozef Berditchevski, der am 3. August 2022 im Kölner Stadtteil Ostheim von der Polizei erschossen wurde. Er war 48 Jahre alt.

Jozef Berditchevski wurde als Sohn einer berühmten russischen Geigerin in St. Petersburg geboren und war jüdischer Abstammung. In St. Petersburg studierte er vier Jahre lang klassische Musik. Als in den 1990er Jahren der erste Tschetschenien-Krieg begann, flüchtete er nach Köln, um nicht zur russischen Armee eingezogen zu werden. Dort setzte er sein Studium an der Musikhochschule fort.

Lange war Jozef Berditchevski Straßenmusiker und spielte mit seinem Xylophon u.a. vor der Kölner Philharmonie. Das Auftrittsverbot im Corona-Lockdown und der damit verbundene Verlust seiner Einkünfte warfen ihn jedoch aus der Bahn und machten ihn zum Alkoholiker.

Am 3. August 2022 sollte der Musiker aus seiner Wohnung zwangsgeräumt werden. Weil er angekündigt haben soll, sich gegen die Räumung zu wehren, rückte die Gerichtsvollzieherin in Begleitung der Polizei an. Angeblich soll Jozef Berditchevski mit einem Messer bewaffnet gewesen sein und sich aggressiv benommen haben. Der Einsatz von Pfefferspray sei „erfolglos“ geblieben, daraufhin hätten die Beamt:innen geschossen. Zwei Schüsse trafen ihn in die Schulter und den Oberschenkel. Als Todesursache wurde Verbluten festgestellt. Anfang Februar 2023 gab die Staatsanwaltschaft Köln die Einstellung der Ermittlung gegen die Polizeibeamt:innen bekannt.

www.labournet.de, twitter.com

zuhause/private WohnungRassismus, Armut
02. AUG
2022
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken Biriq (Amin F.) aus Somalia, der am 2. August 2022 im Frankfurter Bahnhofsviertel durch SEK-Beamt:innen mit einem Kopfschuss getötet wurde. Er war 23 Jahre alt. Seit 2018 hatte er in Hessen gelebt.

Biriq soll in einem Hotelzimmer zwei Prostituierte mit einem Messer bedroht haben, als diese seinen Wünschen nicht nachkamen. Die Frauen konnten sich in Sicherheit bringen und riefen die Polizei. Weil der Verdacht bestand, dass Biriq eine Schusswaffe bei sich hatte, rückten etwa 80 Beamt:innen des SEK an.

Die SEK-Beamt:innen brachen die Tür des Hotelzimmers auf und hetzten einen Polizeihund auf Biriq, obwohl dieser sich zu dem Zeitpunkt alleine dort aufhielt und keine Gefahr für Dritte darstellte. Der Hund verbiss sich in seinem Arm. Anschließend drangen Polizist:innen in das Zimmer ein. Biriq soll ein Messer in der Hand gehalten haben. Der erste Polizist will eine Stichbewegung in seine Richtung wahrgenommen haben. Er gab sechs Schüsse auf Biriq ab. Fünf davon trafen ihn, einer davon in den Kopf. Er war sofort tot.

Ermittlungen legen nahe, dass die Polizei nicht einmal versucht hat, Biriq anzusprechen. Kritik kam auch von einem „Polizei-Insider“: Dieser sagte gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass die Beamt:innen mit der Entscheidung, den Polizeihund in das Zimmer zu schicken, die Lage „vollkommen unnötig“ eskalierten.

Anmerkung: Wir richten uns gegen jede Verharmlosung und Rechtfertigung von sexualisierter Gewalt. Dass wir auch die Todesfälle etwaiger Täter:innen in unsere Chronik aufnehmen, bedeutet keine Billigung des vorherigen Verhaltens. Entscheidend für die Aufnahme in unsere Statistik ist allein, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen.

www.hessenschau.de, www.fr.de, www.copwatchffm.org, www.taz.de

kommerzialisierter Raum (Hotel, Club, Laden, Einkaufszentrum)Rassismus
05. JUL
2022
Baden-Württembergunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist am 5. Juli 2022 in Ravensburg an den Folgen eines Polizeieinsatzes verstorben. Es sind keine Informationen zu dem Einsatz bekannt. Es wurden Ermittlungen gegen Beamt*innen eingeleitet, aber diese sind noch nicht abgeschlossen.

Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

FragdenStaat

04. JUL
2022
Sachsen-AnhaltTod auf Flucht vor Gewaltakteur, physische GewaltPolizei

Ein namentlich unbekannter, 36-jähriger Mann verstarb am 4. Juli 2022 in Weißenfels zwei Tage nach einer versuchten Festnahme durch die Polizei im Krankenhaus. Gemäß Polizeiangaben versuchte der Mann am 2. Juli, nachdem zwei alarmierte Polizist*innen diesen bei einem Einbruchsversuch konfrontiert hatten, zu flüchten. Beim folgendem Festnahmeversuch soll sich der Mann zur Wehr gesetzt haben und die Polizist*inne setzten „Zwangsmaßnahmen“ ein. Was genau diese umfassten, ist nicht klar. Der Mann verlor im Laufe der Konfrontation das Bewusstsein und wurde vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus eingeliefert.

mz.de

19. MAI
2022
Sachsenunterlassene HilfeleistungPrivate Sicherheitsdienste

Wir gedenken Bilal Jaffal, der am Morgen des 19. Mai 2022 in seinem Zimmer in der Chemnitzer Asylunterkunft Annabergstraße tot aufgefunden wurde. Er war 31 Jahre alt.

Bilal Jaffal war Geflüchteter aus dem Libanon. Laut offiziellem Polizeibericht soll er an seinem Erbrochenem erstickt sein. Die Ermittlungen laufen jedoch noch und viele Fragen sind offen.

Augenzeugen zufolge soll Bilal Jaffal am Abend vor seinem Tod in eine Auseinandersetzung mit jungen Männern aus Chemnitz geraten sein. Hierbei sei Bilal Jaffal eine Glasflasche auf den Kopf geschlagen worden. Eine Recherche der Tageszeitung TAZ ergab, dass einige der an der Auseinandersetzung beteiligten Männer rechte Inhalte auf sozialen Medien teilten.

Ein Bewohner der Unterkunft berichtete gegenüber Bilal Jaffals Cousin, dass Jaffal einem Security-Mitarbeiter nach einen Arzt gefragt, dieser aber keinen gerufen habe. Bewohner:innen berichten ausserdem von unzumutbaren Zuständen in der Unterkunft, viele Toiletten und sanitäre Anlagen seien unbenutzbar, sie fühlten sich wie im Gefängnis.

Die Polizei Chemnitz ermittelt in diesem Fall nur sehr zögerlich. So wurde lediglich auf Druck eines Cousins von Bilal Jaffal hin eine Obduktion angeordnet. Angehörige und Freund:innen fordern Aufklärung und ein würdiges Gedenken.

www.taz.de

Rassismus
10. MAI
2022
Baden-WürttembergReizgas, ErschießungPolizei

Ein 31-jährigen Mann, Name unbekannt, verstarb am 10. Mai 2022 in Mannheim während eines Polizeieinsatzes. Laut polizeilicher Pressemitteilung habe der 31-jährige mit seiner 55-jährigen Mutter laut gestritten und sich im Verlauf dieser Auseinandersetzung selbst Schnittwunden hinzugefügt. Die durch einen Hausbewohnerin hinzugerufenen Beamt*innen verschafften sich gewaltsam Zutritt zu der Wohnung. Dort soll der Mann versucht haben, sie mit einem Messer anzugreifen. Nach vergeblichem Pfeffersprayeinsatz schoss ein Beamter ihm gezielt ins Bein, woraufhin der 31-jährige kurze Zeit später verstarb. Inzwischen (bereits im September) wurde das Verfahren gegen den schießenden Beamten eingestellt, da der Beinschuss laut Obduktionsbericht wohl nicht die (alleinige) Todesursache war. Auch hier scheint es dringenden Klärungsbedarf hinsichtlich polizeilicher Deeskalationsstrategien zu geben. Es war bereits der zweite Tod durch polizeiliche Fixierung in Mannheims innerhalb von acht Tagen.

[zeit.de|(https://www.zeit.de/news/2022-09/13/einsatz-mit-toedlichem-ausgang-verfahren-eingestellt), antifa-info.net, Polizeimeldung

zuhause/private Wohnung
02. MAI
2022
Baden-Württembergphysische GewaltPolizei

Wir gedenken eines Mannes mit kroatischen Wurzeln, der am 2. Mai 2022 bei einem Einsatz der Polizei in Mannheim getötet wurde.

Ein Arzt des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit hatte die Polizei verständigt, weil einer seiner Patienten die Einrichtung ohne vorherige Rücksprache verlassen hatte und möglicherweise Hilfe brauchte. Zwei Beamte und der Arzt machten sich dann auf die Suche nach dem Mann. Vom darauffolgenden Geschehen berichtet die Polizeimeldung, dass der Mann "Widerstand" geleistet habe, "plötzlich kollabierte" und "aus bislang unbekannter Ursache" reanimiert werden musste.

Videos vom Tathergang zeigen, wie die Polizeikräfte dem 47-Jährigen mit Pfefferspray besprühten, ihm durch Fausthiebe starkes Nasenbluten verursachten, ihn bäuchlings zu Boden warfen auf ihm knieten. Sie versetzten ihm brutale Faustschläge gegen den Kopf. Anschließend sollen dem Mann Handschellen angelegt worden sein.

Er verstarb noch am selben Tag in der Mannheimer Universitätsklinik. Laut einem Gutachten, das die Mannheimer Staatsanwaltschaft zur Feststellung der Todesursache beauftragt hatte, war die Todesursache eine "lage- und fixationsbedingten Atembehinderung" und daraus folgende "Stoffwechselentgleisung" sowie "Ersticken durch eine Blutung in die oberen Atemwege".

Ende 2022 erhob die Staatsanwaltschat Mannheim gegen die zwei am Einsatz beteiligten Polizeibeamten Angklage wegen Köperverletzung im Amt mit Todesfolge bzw. fahrlässiger Tötung durch Unterlassen. Seit dem 12. Januar 2024 läuft vor dem Landgericht Mannheim ein Strafprozess gegen zwei an dem Einsatz beteiligte Polizeibeamte. Die Anklage wirft ihnen Körperverletzung mit Todesfolge im Amt vor. Die solidarische Initiative 2. Mai begleitet den Prozess. 

zeit.de, tagesspiegel.de, sueddeutsche.de, www.initiative-2mai.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. MAI
2022
Baden-Württembergphysische GewaltPolizei

Ein 46-jähriger Mannes ist am 4. Mai 2022 in seiner Wohnung in Pforzheim verstorben. Im laufe des Tages, wurde der Mann wegen eines Treppensturzes in einem Pforzheimer Krankenhaus behandelt und entließ sich anschließend selbst. Seine Lebensgefährtin vermutete jedoch, dass nicht der Treppensturz ursächlich für den Tod des Mannes war, sondern ein vier Tage zuvor stattgefundener Polizeieinsatz. Bei diesem soll der Mann einer Aufforderung der Polizei das Revier zu verlassen nicht nachgekommen sein. Daraufhin schoben die Beamt*innen den Mann unter Anwendung unmittelbaren Zwanges aus dem Revier, wobei dieser stürtze. Aufgrund der unklaren Sachlage zum Tod des Mannes wurde eine Obduktion angeordnet, zu dessen Ergebnis keine weiteren Informationen gefunden werden konnten. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

FragDenStaat

02. MAI
2022
HessenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Ein namentlich unbekannter, 38-jähriger Mann, fiel in Offenbach, Hessen, in Folge eines Polizeieinsatzes vom Dach eines sechsstöckigen Hauses und verstarb noch vor Ort. Nachbar*innen hatten die Offenbacher Polizei wegen des Mannes gerufen, da dieser in seiner Wohnung „randaliert“ haben soll. Der Mann, der sich in der Vergangenheit „wegen psychischer Auffälligkeiten bereits mehrmals freiwillig in eine Fachklinik begeben“ haben soll, hatte der Polizei zufolge ein Messer bei sich und sei aggressiv aufgetreten. Daraufhin wurde das SEK zum Einsatz hinzugezogen. Dies eskalierte die Situation massiv und der Mann flüchtete auf das Dach des sechsstöckigen Gebäudes. Von dort stürzte er einige Zeit später und nach etwa sechsstündigem Einsatz in den Tod.Untersuchungen zur Ursache des Sturzes wurden durch die Polizei angekündigt, Ergebnisse hierzu sind jedoch nicht zu finden.

autonome-antifa.org, hessenschau.de

zuhause/private Wohnungpsychische Erkrankung
27. APR
2022
BerlinTod auf Flucht vor Gewaltakteur, Reizgas, Luftnot, physische GewaltPolizei

Der 39 Jahre alte Marcel K. starb am 27. April 2022 an den Folgen eines Polizeieinsatzes am 20. April in Berlin Schöneweide. Der kranke und am Bein verletzte, wohnungslose Marcel K. suchte in dieser Nacht mit zwei Freunden einen geeigneten Schlafplatz, den die drei Freunde hinter einem Waschcenter in der Brückenstraße 1 fanden. Nachdem die Freunde einschliefen, wurden sie gegen 23 Uhr von Polizist*innen zur Räumung geweckt. Zwar konnten seine zwei Freunde fliehen, Marcel wurde jedoch von einem Beamten an seinem verletzten und stark schmerzenden Bein gepackt. Seine beiden Freunde konnten aus der Ferne beobachten wie mehrere Polizist*innen auf den am Boden liegenden Marcel einschlugen und ihm Pfefferspray ins Gesicht sprühten. Marcel geriet in Atemnot und blieb danach leblos am Boden liegen. Ein Krankenwagen brachte den bewusstlosen Marcel K. in ein. Dort verstarb er am sieben Tage später an den Folgen des Polizeieinsatzes. Die Schönweider Initiative „A-Küche“ sowie Nachbar*innen solidarisieren sich seitdem in Form verschiedener Gedenkaktionen wie die Markierung des Tatorts oder machen mit Plakaten und Demonstrationen auf den Fall von Marcel K. aufmerksam.

Lower Class Magazin

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Wohnungslosigkeit
22. APR
2022
Bayernunklare TodesursachePsychiatrie

Wir gedenken Johanna de Souza, die am 22. April 2022 infolge einer psychiatrischen Zwangsbehandlung in einem Münchner Krankenhaus starb. Sie wurde 34 Jahre alt. Johanna de Souza hatte sich zunächst freiwillig wegen persönlicher Probleme in stationäre Behandlung begeben. In der Klinik bekam sie Medikamente, die schwere Nebenwirkungen verursachten. Sie war nicht zufrieden mit der Behandlung und beschwerte sich mehrmals. Tagelang wurde sie an ihr Bett gefesselt, ihrer Mutter wurde der Besuch bei ihr verweigert, einmal drohte eine Ärztin sogar, die Polizei zu rufen, wenn die Mutter die Klinik nicht verlasse.

Am 22. April soll Johanna de Souza plötzlich in der Toilette kollabiert sein. Sie wurde unter Reanimation in eine Herzklinik verlegt, wo Ärzt:innen wenig später ihren Tod feststellten. Die Mutter von Johanna de Souza erfuhr davon nur indirekt über die deutsche Frau ihres Cousins, mit deren Hilfe sie am Tag zuvor versucht hatte, bei der psychiatrischen Klinik zu intervenieren.

Laut Obduktion soll Johanna de Souza an einem Herzinfarkt gestorben sein. Aufgrund der Feststellung einer „natürlichen Todesursache“ wurden keine Ermittlungen zu den Todesumständen durchgeführt. Die Familie von Johanna de Souza kämpfte wochenlang für eine zweite, unabhängige Obduktion. Die Behörden drohten jedoch mehrfach eine Zwangsbestattung an, weshalb die Familie sich schließlich gezwungen sah, die Beerdigung zu planen. Johanna de Souza wurde am 29. Juli 2022 beigesetzt.

Freund:innen beschreiben Johanna de Souza als fröhlichen und lebendigen Menschen und sind schockiert über ihren plötzlichen Tod.

www.change.org

Rassismus
12. APR
2022
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Ein namentlich unbekannter Mann ist am 12. April 2022 in Neukirchen-Vluyn in Nordrhein-Westfalen von der Polizei erschossen worden. Nachdem die Polizei abends zur Wohnung des 50-Jährigen gerufen wurden, weil dieser in seiner Wohnung randaliert haben soll, brachen sie seine Tür auf.

Der Mann soll der Polizei mit einem Messer gedroht haben, woraufhin das Spezialeinsatzkommando (SEK) kam. Er soll sich mit dem Messer auf die SEK-Beamtinnen zu bewegt haben, weshalb die Beamtinnen dem Mann mehrmals in den Oberkörper schossen und ihn dabei töteten. Er verstarb im Krankenhaus.

Über das Ermittlungsverfahren, das die Polizei Duisburg einleitete, ist bisher noch nichts bekannt.

waz.de, Polizeimeldung, Cilip

zuhause/private Wohnung
08. APR
2022
BayernFesselung, physische GewaltPolizei

Eine namentlich unbekannte 30-Jährige ist am 5. April 2022 nach einem Polizeieinsatz im Münchener Stadtteil Giesing im Krankenhaus verstorben. Die an manischer Schizophrenie leidende Frau soll ein ausgeliehenes Handy nicht zurückgegeben haben, woraufhin zwei Streifen am Ort des Geschehens eintrafen.

Die Frau wurde zu Boden gerungen und ihre Hände wurden gefesselt. Nachdem die Fesseln abgenommen wurden, floh sie und brach wenige Meter weiter wieder zusammen. Dort wurden ihr erneut die Hände gefesselt und die Frau wurde in die psychiatrische Klinik gebracht. Dem Personal fiel eine Armverletzung auf, daraufhin wurde die Frau auf die Intensivstation gebracht. Dort verstarb sie. Welche Verantwortung die Polizei für den Tod der 30-Jährigen hat, bleibt ungeklärt.

Abendzeitung München

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)psychische Erkrankung
07. APR
2022
Nordrhein-WestfalenLuftnot, FesselungPolizei

Eine 46-jährige namentlich unbekannte Person ist am 7. April 2022 in Bochum in Verbindung mit einem Polizeieinsatz verstorben. Gegen 5:55 Uhr wurden die Polizist*innen nach Bochum Riemke gerufen. Der Grund für das Ausrücken der Polizei, außer dass die Person alkoholisiert gewesen sein soll, ist nicht geklärt. Nachdem die Polizist*innen den Mann ansprachen, soll dieser Widerstand geleistet haben. Daraufhin rief die Polizei Verstärkung. Die Person wurde überwältigt und gefesselt, dabei verlor sie das Bewusstsein und konnte nicht reanimiert werden. Die Person verstarb noch am Einsatzort. Nachdem „aus Neutralitätsgründen“ das angrenzende Polizeipräsidium aus Essen ermittelte, wurde „kein Fremdverschulden“ festgestellt und die verantwortliche Staatsanwaltschaft leitete kein Verfahren gegen die Polizist*innen ein. Wie so häufig liegen nur die Berichte der beteiligten Polizist*innen vor und eine neutrale Recherche bzw. eine konsequente Aufklärung wird erschwert. Als Todesursachen laut Polizeigutachten wird laut WAZ später „Intoxikation und Luftnot“ benannt. Ob die Luftnot mit der Überwältigung und Fesselung der Person zusammenhing, ist ungeklärt.

nepoli, waz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
20. MÄR
2022
BayernHerzstillstand, physische Gewalt, unklare Todesursache, Luftnot, FesselungPolizei

Der 31-jährige Daniel Scherschin kam am Abend des 20. März 2022, nach einem Polizeieinsatz im bayrischen Grünthal ums Leben. Die Polizei stellte den, seit seinem 16. Lebensjahr an Schizophrenie leidenden, Mann auf der Brandlbergerstraße, nachdem seine Freundin die Polizei gerufen hatte. Er solle eine andere Person mit der Faust geschlagen haben. Kurz darauf starb Daniel beim polizeilichen Festnahmeversuch mit gefesselten Armen und Beinen. Das Gutachten der Staatsanwaltschaft Regensburg zur Todesursache spricht von: „[…] Todeseintritt bei dem 31-jährigen Verstorbenen mit einem akuten Herzversagen im Rahmen der körperlich anstrengenden Widerstandshandlungen […].“ Das unabhängige, von der Familie in Auftrag gegebene Gutachten spricht von Stauungsblutungen, die durch starken Druck auf den Brustkorb ausgelöst werden können und widerspricht somit dem Gutachten der Staatsanwaltschaft. Auch die Body Cams der beteiligten Polizist*innen waren alle ausgeschaltet. Die Todesursache bleibt ungeklärt.

regensburg-digital.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)psychische Erkrankung
03. MÄR
2022
Rheinland-Pfalzunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist am 3. März 2022 in Diez in Polizeigewahrsam verstorben. Laut Behörde konnte durch eine Obduktion die konkrete Todesursache nicht festgestellt werden. Die Polizei schließt ein Fehlverhalten der Beamt*innen aus. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst.

FragDenStaat

25. FEB
2022
Thüringenunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist am 25. Februar 2022 nach einem Polizeieinsatz im thüringischen Schmölln verstorben. Die Person verlor kurz nach Beginn des Polizeieinsatzes im Hausflur eines Mehrfamilienhauses aus ungeklärten Gründen das Bewusstsein und musste noch vor Ort von den anwesenden Rettungskräften reanimiert werden. Nachdem die Person erst wiederbelebt werden konnte, starb sie am darauffolgenden Samstag im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen die beteiligten Beamt*innen.

Thueringen24.de

zuhause/private Wohnung
24. FEB
2022
BayernErschießung, ReizgasPolizei

Ein namentlich unbekannter 47-Jähriger wurde am 24. Februar 2022 in Gunzenhausen, Bayern, durch die Schüsse von zwei Polizeibeamten getötet. Er soll am späten Abend vor seinem eigenen Haus randaliert haben, sodass Passant*innen die Polizei verständigten. Die eintreffenden Polizist*innen entdeckten Feuer im Haus und forderten die Feuerwehr als Unterstützung an. Bei den Löscharbeiten soll der Mensch die Beamt*innen mit einem Messer angegriffen haben. Eine Abwehr mit Pfefferspray scheiterte, woraufhin beide auf ihn schossen. Kurz darauf erlag der 47-Jährige in einer Klinik seinen Schussverletzungen. Wer und wie oft die Polizist*innen auf ihn schossen, bleibt ungeklärt – genauso wie die Frage, ob es eine andere, nicht-tödliche Deeskalationsmöglichkeit gegeben hätte. Das LKA ermittelt.

Nordbayern.de,

zuhause/private Wohnung
09. FEB
2022
Hamburgphysische Gewalt, unklare TodesursachePolizei

Wir gedenken eines Mannes, der am 9. Februar 2022 nach einer Festnahme durch die Hamburger Polizei starb. Er war 33 Jahre alt.

Der polnische Staatsbürger lief in einem "offenbar verwirrten Zustand" auf eine vielbefahrene Straße. Die gerufenen Polizeibeamt:innen brachten ihn unter Einsatz körperlicher Gewalt zu Boden und fesselten ihn. Nach Polizeiangaben wurde er sodann "zur Feststellung seines Gesundheitszustandes" in einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Dort verstarb er noch am selben Tag. Der Einsatz wird nun polizeiintern untersucht, eine Obduktion zur Feststellung der konkreten Todesursache ist vorgesehen.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
01. FEB
2022
HessenErschießung, vorangegangener FemizidPolizei

Am 1. Februar 2022 wurde in Gemünden, Hessen ein namentlich Unbekannter 43-Jähriger von der Polizei angeschossen, nachdem er einen Femizid beging. Er verstarb im Krankenhaus in Marburg an seinen Verletzungen. Zuvor erstach er seine 41-jährige Frau mit einem Messer und fügte auch sich selbst Schnittwunden zu. Unklar bleibt wie viele Schüsse auf ihn abgegeben wurden und welche Rolle die Schussverletzung an der rechten Schulter bei seinem Tod spielte. Das hessische LKA ermittelte gegen zwei von den vier anwesenden Beamt*innen wegen Schusswaffengebrauchs.

HNA 1, Sueddeutsche, HNA 2

zuhause/private Wohnung
06. JAN
2022
Nordrhein-WestfalenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines marokkanischen jungen Mannes, der am 6. Januar 2022 in Bonn nach fünf Monaten Koma starb. Der 21 jährige war bei einer Verfolgung durch die Polizei im Juli 2021 verletzt worden und ins Koma gefallen. Sein Name ist uns unbekannt.

Die Polizei hielt den jungen Mann nach eigenen Angaben am frühen Morgen des 24. Juli 2021 an, um ihn nach einem Handyraub in der Nähe zu kontrollieren. Er ergriff die Fluch, kletterte in den Innenhof eines Gebäudes und versuchte über einen Müllcontainer auf ein Dach zu gelangen. Die Polizei verfolgte ihn dabei. Ein Polizist setzte Pfefferspray gegen ihn ein, worauf er stürzte und mit dem Beamten in den Container fiel. Anschließend wurde er festgenommen und zur Wache gebracht; bei der Durchsuchung wurden geringe Mengen Betäubungsmittel und eine Waage gefunden. Als sich der Gesundheitszustand des jungen Mannes deutlich verschlechterte, wurden Notarzt und Rettungswagen angefordert, die ihn in die Intensivstation brachten. Dort wurden innere Kopfverletzungen festgestellt, die vermutlich zu dem Koma führten. Nach offiziellen Angaben ist der Zusammenhang „unklar“. Die Polizei Köln ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung im Amt.

Der Onkel des Verstorbenen berichtet, dass der 21-Jährige als Flüchtling aus Marokko nach Deutschland gekommen sei, um studieren zu können. Er habe keinen legalen Aufenthalt in Deutschland gehabt und sei womöglich deshalb vor der Polizei geflüchtet.

ga.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. JAN
2022
Thüringenphysische GewaltPolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist am 4. Januar 2022 in Jena, Thüringen nach einem Polizeieinsatz im Krankenhaus verstorben. Der Mensch wurde ohnmächtig, als die Polizei ihn am 1. Januar gewaltsam fesselte. Laut dem Obduktionsgutachten hat der 40-jährige dabei schwere Kopfverletzungen erlitten und erlag ihnen nach drei Tagen im Krankenhaus.

Parlamentarische Anfrage

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)
26. DEZ
2021
Nordrhein-Westfalenvorangegangener FemizidPolizei

Am 26. Dezember 2021 gab es einen versuchten Femizid im Kreis Herford und einen Toten durch den ausgelösten Polizeieinsatz. Ein Mann hat eine Frau in einer Wohnung mit einer Stichwaffe verletzt. Als die Polizei eintraf, soll er mit einer Schusswaffe auf die Beamtinnen gezielt haben. Durch Schüsse der Beamtinnen schwerverletzt kam er ins Krankenhaus, wo er an einem unbekannten Tag im Jahr 2022 verstarb. Die verletzte Frau kam ebenfalls ins Krankenhaus. Es wurde kein Ermittlungsverfahren gegen die Beamt*innen eingeleitet. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst. *Das Datum ist das Einsatzdatum. Der Todeszeitpunkt ist im Jahr 2022, aber nicht genauer bekannt.

Polizeimeldung

zuhause/private Wohnung
16. DEZ
2021
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Eine namentlich unbekannte Person ist an einem unbekannten Tag im Jahr 2022 an den Folgen eines Polizeieinsatzes vom 16. Dezember 2021 im Rhein-Kreis-Neuss verstorben. Der genaue Todestag ist nicht bekannt. Genauso wenig irgendwelche Informationen zu dem Einsatz. Es wurde kein Ermittlungsverfahren gegen die Beamt*innen eingeleitet. Disclaimer: Es gibt keine unabhängigen Informationen zu diesem Fall, außer die Aussagen der Behörden selbst. *Das Datum ist das Einsatzdatum. Der Todeszeitpunkt ist in 2022, aber nicht genauer bekannt.

FragDenStaat

20. DEZ
2021
Sachsenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Ayman Eskam M., der in der Nacht zum 20. Dezember 2021 in der JVA Waldheim (Sachsen) starb. Er wurde 42 Jahre alt.

Der Kurde mit irakischer Staatsbürgerschaft saß seit 10 Jahren in Haft. Ein mitgefangener Zeuge erhebt Vorwürfe gegen das Gefängnispersonal, nicht angemessen mit den Herzproblemen Ayman M.s umgegangen zu sein, die mutmaßlich zu seinem Tod führten. Bei einem Krankenhausaufenthalt zwei bis drei Wochen vor seinem Tod sei Ayman M. mitgeteilt worden, er bekäme von der JVA die falschen Medikamente. In der Nacht seines Todes habe er wieder Herzprobleme bekommen, die JVA-Beamten hätten ihn aber auf den nächsten Tag vertröstet. Ein um zwei Uhr Nacht herbei gerufenes Rettungsteam konnte ihm nicht mehr helfen.

Ayman M. saß eine lebenslange Freiheitsstrafe ab. Er soll 2011 den libanesischen Imbissbetreiber Jamal Al Mortada in seinem Laden im sächsischen Döbeln hingerichtet haben. Ayman M. bestritt diese Tat bis zu seinem Tod hin, machte aber wiederholt unterschiedliche Angaben zum Tatgeschehen. Bis heute ist nicht eindeutig klar, ob er den Mord tatsächlich selbst begangen hat oder ein Bekannter M.s die Schüsse abgab. Ayman M. wurde zunächst nur wegen Beihilfe zum Totschlag verurteilt. Später hob das Landgericht Dresden dieses Urteil auf und sprach eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes aus. Ayman M. kämpfte um die Wiederaufnahme seines Verfahrens.

Wegen der ungeklärten Todesumstände von Ayman M. leitete die Staatsanwaltschaft Chemnitz ein Todesermittlungsverfahren ein. Bislang ohne nennenswerte Ergebnisse.

la-presse.org

Rassismus
01. NOV
2021
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Georgios Zantiotis (uns bekannt auch unter den folgenden Schreibweisen: Giórgos Zantiotis, Γιώργος Ζαντιώτης), der am 1. November 2021 infolge eines Polizeieinsatzes in Wuppertal starb. Er war 24 Jahre alt.

Am frühen Morgen des 1. Novembers wurde Georgios Zantiotis aus bislang unbekannten Gründen festgenommen. Mehrere Polizeibeamt:innen brachten ihn brutal zu Boden und hielten ihn für längere Zeit in Bauchlage fest. In einem Video von dem Vorfall ist zu hören, dass die anwesende Schwester von Georgios Zantiotis laut gegen dieses Vorgehen protestierte. Anschließend brachten die Beamt:innen Georgios Zantiotis zur Polizeiwache. Angeblich soll er dort bei einer zwangsweisen Blutentnahme plötzlich kollabiert sein. Wiederbelebungsversuche seien gescheitert.

Erst am 6. November 2021 und auf vielfache Nachfrage hin wurde die Öffentlichkeit über diesen Todesfall informiert. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal behauptet, sie habe das Geschehen nicht für "medienrelevant" gehalten. Außerdem streute sie die Nachricht, der Tod des jungen Mannes stehe nicht mit dem Verhalten der Polizei in Zusammenhang. Vielmehr gebe es Hinweise, dass der Konsum von Drogen zu seinem Tod geführt habe.

Eine von seiner Familie in Auftrag gegebene unabhängige Obduktion zeigt jedoch, dass Georgios Zantiotis zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stand. Stattdessen wurden an seinem Körper zahlreiche Verletzungen und Einblutungen gefunden.

Ermittlungen der Polizei Hagen zur Todesursache wurden nach rund zwei Monaten ergebnislos eingestellt. Die Familie von Georgios Zantiotis und mehrere Initiativen kämpfen jedoch weiter für Aufklärung. Die Familie von Georgios Zantiotis hat mittlerweile Klage gegen die Wuppertaler Polizei eingereicht.

www.nd-aktuell.de, www.perspektive-online.net

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
03. OKT
2021
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken Kamal Ibrahim, der in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 2021 in der Geflüchtetenunterkunft Harsefeld (Landkreis Stade, Niedersachsen) von der Polizei erschossen wurde. Er war 40 Jahre alt. 

Kamal Ibrahim war aus dem Sudan nach Deutschland geflohen. Seine langjährigen Mitbewohner aus der Gemeinschaftsunterkunft berichten, dass er unter unbehandelten psychischen Krankheiten litt. Obwohl der sozialpsychiatrische Dienst der Stadt darüber informiert war, erhielt Kamal Ibrahim keine Hilfe. 

Am 3. Oktober sollen die Mitbewohner Ibrahims mehrmals die Polizei verständigt haben. Sie fühlten sich von Kamal Ibrahim - der in einem psychischen Ausnahmezustand war - bedroht. Die Polizei sprach zunächst mit Kamal Ibrahim und fuhr dann wieder weg. Bei einem weiteren Einsatz wurde Kamal Ibrahim dann kurzzeitig in Polizeigewahrsam genommen. Kamal Ibrahim soll sogar freiwillig angeboten haben, über Nacht in Gewahrsam zu bleiben. Er wurde jedoch auf gerichtlichen Beschluss hin zurück in die Unterkunft gebracht. Dorthin wurde die Polizei ein drittes Mal gerufen. Bei diesem Einsatz soll Kamal Ibrahim die Beamt:innen mit einem Messer bedroht haben. Diese schossen 11 Mal auf Kamal Ibrahim. Er starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Gegen die eingesetzten Po­li­zis­t:innen ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Totschlag. Einige Bürger:innen des Landkreises Stade reichten zudem Strafanträge gegen die beteiligten Polizist:innen wegen Verdachts auf Körperverletzung, Körperverletzung mit Todesfolge und unterlassene Hilfeleistung ein. Im April 2022 stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die beteiligten Polizeibeamt:innen ein.

taz.de 1 taz.de 2

zuhause/private WohnungRassismus
07. SEP
2021
BrandenburgTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Elyas H., der am 7. September 2021 tot im Brandenburger Werbellinsee gefunden wurde. Der genaue Todestag ist uns nicht bekannt. Er war 30 Jahre alt.

Elyas H. ist in Eritrea aufgewachsen. Er lebte zuletzt in einem Geflüchtetenheim in Lichterfelde-Buckow (Brandenburg). Diese „Unterkunft“ wird von seinen Bewohner:innen als Isolationsheim bezeichnet, da es sich fern ab von jeglicher Infrastruktur jenseits des nächsten Dorfes befindet. Viele Bewohner:innen haben Angst vor Abschiebungen. Sie fürchten sich vor der Polizei und dem Sicherheitsdienst. Elyas H. wohnte seit über sechs Jahren dort. Ihm waren vor seinem Tod sämtliche Jobcenterleistungen gestrichen worden. Die Heimleitung soll ihm mit Rauswurf in die Obdachlosigkeit gedroht haben. Trotz Traumatisierung durch seine Fluchterfahrungen und offensichtlichen Problemen mit den Behörden bekam er keine Unterstützung durch Mitarbeiter:innen des Heims.

Am 1. September 2022 hatte sich Elyas H. in seinem Zimmer schwer selbst verletzt. Ein Krankenwagen kam erst nach 1,5 Stunden, in der Zwischenzeit leistete der anwesende Security-Mitarbeiter keinerlei Erste-Hilfemaßnahmen. Auch die Sanitäter:innen weigerten sich – nach ihrem Eintreffen – ohne Polizeibegleitung das Zimmer des Schwerverletzen zu betreten. Aus Angst vor den hinzukommenden Polizeibeamt:innen floh Elyas H. durch ein Fenster. Eine Woche blieb er vermisst, bis sein Körper schließlich gefunden wurde.

www.b-asyl-barnim.de, www.akweb.de

zuhause/private WohnungRassismus
24. AUG
2021
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken Abdul I., der am 24. August 2021 in Groß-Gerau von der Polizei erschossen wurde. Er war 39 Jahre alt.

Abdul I. soll zuvor seine Frau, seine Schwiegermutter und zwei Nachbar:innen mit einem Messer verletzt haben. Bei der Festnahme schoss die Polizei auf ihn. Er starb schwer verletzt noch während er von einem Notarzt versorgt wurde. Laut Obduktionsbericht wurde Abdul I. insgesamt von fünf Kugeln getroffen. Zeug:innen berichten von insgesamt 14 Schüssen, die auf ihn abgegeben wurden.

Seiner Familienangehörigen berichten, dass Abdul I. vorher noch nie durch Gewaltdelikte aufgefallen ist.

www.fnp.de

zuhause/private WohnungRassismus
06. AUG
2021
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Geflüchteten aus der Russischen Föderation, der am 6. August 2021 in einer JVA in Dresden starb. Er war 51 Jahre alt. Seinen Name kennen wir nicht, auch über die Umstände seiner Flucht und Inhaftierung ist uns nichts bekannt. Offiziell wird die Todesursache mit „Suizid“ angegeben.

www.ari-dok.org

Rassismus
22. JUN
2021
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken Soner A., der am 22. Juni 2021 in seiner Wohnung in Frankfurt am Main von der Polizei erschossen wurde. Er wurde 41 Jahre alt.

Ein Nachbar rief wegen einer angeblichen Ruhestörung in der Wohunung von Soner A. die Polizei. Die drei Polizeibeamt:innen – darunter ein Kommissaranwärter – sprachen zunächst durch die Wohnungstür mit Soner A. Sie hatten die Information, dass Soner A. psychisch krank, aber nicht gefährlich ist.

Als Soner A. die Tür öffnete, soll eine Beamtin gerufen haben: „Er hat ein Messer“, worauf zwei Beamte insgesamt zehn Schüsse auf ihn abgaben. In einem Handgemenge soll dann Soner A. einem Beamten die Dienstwaffe entwendet und sich damit in die Wohnung zurückgezogen haben. Als erst zweieinhalb Stunden später das SEK eintraf, war Soner A. bereits in seiner Wohnung verblutet.

Zuerst rechtfertigte die Polizei die tödlichen Schüsse mit Notwehr: Soner A. habe eine echt aussehende Schreckschusswaffe, ein Messer und eine schusssichere Weste getragen. Durch Aussagen des am Einsatz beteiligten Polizeianwärters und kritische Nachfragen der Öffentlichkeit musste die Polizei die Darstellung später korrigieren: Soner A. hatte lediglich ein zusammengeklapptes Messer in der Tasche und trug eine gewöhnliche Weste.

Die Ermittlungen gegen zwei beschuldigte Beamt:innen wurden ein Jahr nach der Tat eingestellt. Rechtsanwältin Seda Basay-Yildiz, die die hinterbliebenen Schwestern Soner A.s vertritt, legte dagegen bei der Generalstaatsanwaltschaft Beschwerde ein.

www.fr.de

zuhause/private WohnungRassismus
28. MAI
2021
HamburgErschießung, TaserPolizei

Wir gedenken Omar K., der am 28. Mai 2021 von der Hamburger Polizei erschossen wurde. Er war 36 Jahre alt.

Der Palästinenser aus dem Libanon hatte eine Geflüchtetenunterkunft in Hamburg-Winterhude bewohnt. Dem Polizeibericht zufolge soll Omar K. Sachbeschädigung an einigen Autos verübt und Umstehende mit einem Haushaltsmesser bedroht haben. Daraufhin soll die Polizei mit Unterstützung eines "zufällig" in der Gegend befindlichen SEK erfolglos versucht haben, den Mann mit Pfefferspray bzw. Tasergeräten aufzuhalten. Ein Polizeibeamter gab sieben Schüsse auf ihn ab. Aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage geht hervor, dass Omar K. nach Abgabe der Schüsse zunächst gefesselt wurde. Erst "im Laufe der medizinischen Erstversorgung" sei die Fesselung wieder gelöst worden. Er starb noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen.

www.taz.de, www.linksfraktion-hamburg.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
21. MAI
2021
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken Valdete M. aus München, die am 21. Mai 2021 erhängt in einer Zelle der JVA Aichach bei Augsburg aufgefunden wurde. Sie war 32 Jahre alt.

Valdete M. soll sich über soziale Netzwerke radikalisiert haben und dort mit deutschen Dschihadisten in Syrien in Kontakt gekommen sein. 2018 soll sie rund 450 Euro an eine Organisation gespendet haben, die dem Terrornetzwerk Al-Qaida nahestand. Im Rahmen einer bundesweiten Razzia wurde sie am 7. Januar 2021 festgenommen und kam in die JVA Aichach.

Bereits am 26. April 2021 soll Valdete M. einen „Suizid“versuch unternommen haben. Danach kam sie in die vollzugspsychiatrische Abteilung der JVA Würzburg, nach zwei Wochen wurde sie in die JVA Aichach zurückverlegt. Nach Aussage einer Mitgefangenen ging es ihr aber weiterhin schlecht.

Am 21. Mai wurde sie schließlich erhängt in ihrer Zelle aufgefunden. Der Anwalt der Verstorbenen ist überzeugt, dass die lange U-Haft bei seiner Mandantin ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit entstehen ließ, sodass sie schließlich in den „Suizid“ getrieben wurde. Das Oberlandesgericht München begründete die U-Haft mit einer angeblich bestehenden Fluchtgefahr. Valdete M. könne versuchen im Ausland - etwa in ihrer alten Heimat Kosovo - unterzutauchen. Obwohl ihr Vater angeboten hatte, sie bei sich wohnen zu lassen, behauptete das Gericht, sie habe kein gefestigtes soziales Umfeld in Deutschland.

Anmerkung: Die Ideologie und das Handeln des islamistischen Terror-Netzwerks Al-Qaida steht im klaren Widerspruch zu den politischen Zielen der „Death in Custody-Kampagne“. Entscheidend für die Aufnahme von Todesfällen in unsere Statistik ist aber allein, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen. Ob die getötete Person uns politisch nahesteht, spielt dabei keine Rolle. Bei Valdete M. sind die Kriterien erfüllt, sie wird daher hier aufgeführt.

www.deutschlandfunkkultur.de, www.sueddeutsche.de

Rassismus
09. MAI
2021
Berlinunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken eines Mannes, der am 9. Mai 2021 in der JVA Berlin-Tegel verhungerte. Name und Alter sind uns unbekannt.

Der Mann mit Migrationsgeschichte befand sich mehrere Jahre in der JVA Berlin-Tegel. Nach Informationen der Gefangenenredaktion von „Lichtblick“ verweigerte der Verstorbene bereits seit mindestens 2020 die Aufnahme fester Nahrung. Sein physischer Zustand verschlechterte sich und die JVA, in deren Obhut er sich befand, kam ihrer Fürsorgepflicht nicht nach. Sie ließ ihn sterben.

Angeblich waren medizinische, sozialpädagogische und psychologische Versorgung sichergestellt, augenscheinlich jedoch nicht adäquat. Die Lichtblick-Redaktion fragt, ob „der Gefangene unter den menschenunwürdigen Bedingungen noch Herr seiner Sinne war“ und verweist auf die “Garantenpflicht“ der Anstalt, die „wegen Totschlags bzw. Mordes durch Unterlassen bestraft werden“ sollte.

Lichtblick 02/2021

Rassismus
12. MÄR
2021
Baden-Württembergunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken Sivan, der am 12. März 2021 bei einem Polizeieinsatz in Weil im Schönbuch getötet wurde. Er wurde 35 Jahre alt.

Sivan soll sich am 12. März in einem psychischen Ausnahmezustand befunden haben, als er in einer Bäckerei in eine Auseinandersetzung mit der Verkäuferin geriet. Die Verkäuferin verständigte die Polizei. Auf der Flucht vor der Polizei soll Sivan gestürzt sein, woraufhin Polizeibeamte ihm Handschellen anlegen und ihn festnehmen wollten. Laut Polizeibericht verlor Sivan dabei das Bewusstsein und konnte nicht mehr wiederbelebt werden.

Die Angehörigen bemühen sich um Aufklärung der Todesumstände.

www.krzbb.de, www.twitter.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
06. MÄR
2021
Niedersachsenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Qosay Sadam Khalaf, der am 6. März 2021 in Delmenhorst nach einer gewaltsamen Festnahme durch die Polizei starb. Er wurde 19 Jahre alt.

Der Yezide Qosay Sadam Khalaf wurde am 5. März unter Einsatz von Pfefferspray und Schlägen inhaftiert, nachdem er versucht hatte, vor einer Drogenkontrolle zu fliehen. Bei der Festnahme sagte er, er bekomme schlecht Luft und fragte nach Wasser. Ihm wurde jede Hilfe verwehrt, offenbar auch von den hinzugerufenen Sanitäter:innen. Diese und die Polizei behaupten später, Qosay habe die Hilfe abgelehnt. Dem widerspricht ein Zeuge.

In Gewahrsam brach er zusammen und wurde in ein Krankenhaus verlegt, wo er einen Tag später starb.Unter den Jugendlichen in Delmenhorst ist bekannt, dass Festgenommene in Gewahrsam verprügelt werden. Qosays Angehörige vermuten, dass dies zu seinem Tod führte. Aufgrund einer ersten Obduktion schloss die Staatsanwaltschaft Fremdverschulden als Todesursache vorerst aus. Eine von der Familie beim Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) privat in Auftrag gegebene zweite Obduktion stellt als Todesursache "sauerstoffmangelbedingtes Herzkreislaufversagen" fest. Auch werden "Zeichen intensiver stumpfer und schürfender Gewalteinwirkungen gegen Kopf, Rumpf und Extremitäten" festgestellt, die in ihrer Gesamtheit einer körperlichen Auseinandersetzung, z.B. der Festnahmesituation zugeordnet werden können.

Die Ermittlungen gegen die diensthabenden Polizist:innen und die Sanitäter:innen wurden schon Mitte Mai bzw. Anfang Juni 2021 eingestellt. Die Familie von Qosay Sadam Khalaf legte Widerspruch gegen die Einstellung der Ermittlungen ein. Sie versucht nun, mit einem Klageerzwingungsverfahren weitere Ermittlungen zu erreichen.

www.buntenunbinnen.de, nds-fluerat.org

PolizeiwacheRassismus
31. JAN
2021
Nordrhein-WestfalenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken einer Person, die am 31. Januar 2021 auf der Bundesautobahn 44 in Nordrhein-Westfalen auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle von einem Auto erfasst wurde und starb. Wir kennen weder den Namen noch das Alter der Person. Sie hatte die algerische Staatsbürgerschaft.

www.ari-dok.org, dserver.bundestag.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
16. OKT
2020
Nordrhein-Westfalenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 16. Oktober 2020 in der JVA Geldern-Pont (NRW) starb. Wir kennen weder seinen Namen noch wissen wir, wie alt er geworden ist.

Der staatenlose Gefangene litt an einer schweren Herz-Kreislauferkankung. Dies soll dem verantwortlichen Anstaltsarzt bekannt gewesen sein. Laut Zeugenaussagen soll der Gefangene am frühen Morgen des 16. Oktober über eine Sprechanlage auf sich aufmerksam gemacht und um ärztliche Hilfe gebeten haben. Er klagte über Schmerzen im Brustbereich. Etwa fünf Stunden später war er tot. Medizinische Hilfe erhielt er nicht.

Die Brüder des Toten fordern Aufklärung der Todesumstände. Erst auf ihre Initiative hin leitete die Staatsanwaltschaft Kleve ein Ermittlungsverfahren ein.

dielinke-nrw.de

Rassismus
16. AUG
2020
Sachsenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken eines Menschen mit italienischer Staatsbürgerschaft, der in der Nacht vom 15. auf den 16. August 2020 auf dem Gelände eines Polizeireviers in Dresden das Bewusstsein verlor. Er konnte zunächst reanimiert werden, starb aber später im Krankenhaus. Er war 37 Jahre alt.

Der Mann soll zuvor in einer Kneipe mit Flaschen um sich geworfen haben. Mitarbeiter:innen hielten ihn fest und riefen die Polizei. Die Polizist:innen nahmen ihn mit zur Wache. Was dort passierte und zum Zusammenbruch des Mannes führte, ist unklar.

Nach einer ersten Obduktion wurde Fremdeinwirkung als Todesursache offiziell ausgeschlossen. Daher leitete die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Polizeibeamt:innen ein.

www.rnd.de

PolizeiwacheRassismus
01. AUG
2020
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 1. August 2020 in der JVA Leipzig starb. Er wurde 20 Jahre alt. Sein Name ist uns unbekannt. Der Geflüchtete aus Marokko soll „Suizid“ begangen haben.

www.ari-dok.org

Rassismus
23. JUL
2020
BerlinZellenbrandGefängis

Wir gedenken Ferhat Mayouf, der am 23. Juli 2020 in Berlin in der JVA Moabit bei einem Zellenbrand starb. Er war 36 Jahre alt.

Nachdem es in seiner Zelle zu einem Brand gekommen war, schrie Ferhat Mayouf minutenlang verzweifelt um Hilfe und klopfte gegen die Tür. Nach Schilderungen eines anderen Gefangenen standen vier JVA-Beamte währenddessen im Gang und und warteten auf das Eintreffen der Feuerwehr, anstatt die Zellentür zu öffnen und Ferhat Mayouf zu retten. Irgendwann verstummten die Rufe. Als die Feuerwehr mehr als zwanzig Minuten später die Zellentür öffnete, war Ferhat Mayouf bereits tot.

Zuvor soll es zwischen ihm und den Gefängniswärter:innen zu einem Streit gekommen sein. Die Wärter:innen schlugen ihn offenbar daraufhin zusammen und isolierten ihn in einem besonders gesicherten Haftraum, der „Bunker“ genannt wird. Drei Tage vor seinem Tod hatte Ferhat Mayouf außerdem bei einem Haftprüfungstermin darum gebeten, einen Arzt sehen zu können, weil er starke Depressionen habe. Doch er bekam keine Hilfe.

Der Bruder von Ferhat Mayouf erstattete Strafanzeige gegen die vier Bediensteten, die seinen Tod billigend in Kauf nahmen. Das Verfahren wurde allerdings ohne Ergebnis eingestellt.

www.taz.de, criminalsforfreedom.noblogs.org, www.ari-dok.org

Rassismus
07. JUL
2020
Rheinland-PfalzErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen mit russischer Staatsbürgerschaft, der am 7. Juli 2020 in Mainz von der Polizei erschossen wurde. Er war 57 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht. Der Mann soll bei einem Streit einen 76-Jährigen mit einem Messer angegriffen und verletzt haben. Als herbeigerufene Polizist:innen versuchten ihn festzunehmen, soll er diese ebenfalls mit einem Messer bedroht haben. Daraufhin erschossen sie ihn.

www.fnp.de

zuhause/private WohnungRassismus
19. JUN
2020
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken Mamadou Alpha Diallo, der am 19. Juni 2020 in Twist (Niedersachsen) an den Folgen einer Schussverletzung durch die Polizei starb. Er war 23 Jahre alt.

Der Geflüchtete aus Guinea soll am 18. Juni 2020 in einer Arztpraxis und anschließend in einem daneben liegenden Wohnhaus Menschen mit einem Messer bedroht haben; dabei wurde niemand verletzt. Als die herbeigerufene Polizei eintraf, befand Mamadou Alpha Diallo sich im Freien. Er soll nicht auf die Aufforderung reagiert haben, das Messer abzulegen, und soll auf die Beamt:innen zugegangen sein. Daraufhin schoss ein Beamter auf den jungen Mann. Dabei wurde seine Beinarterie verletzt. Auf dem Weg ins Krankenhaus konnte er zu nächst reanimiert werden, starb aber in der folgenden Nacht an den Verletzungen.

In der medizinischen Hochschule Hannover wurde später festgestellt, dass Mamadou Alpha Diallo unter hohem Einfluss von Beruhigungsmitteln stand, die als Nebenwirkungen Depressionen, Panikattacken oder Krämpfe haben können. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück wertete die Schussabgabe als Notwehr und stellte die Ermittlungen gegen den Todesschützen ein.

www.taz.de, www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
18. JUN
2020
BremenErschießungPolizei

Wir gedenken Mohamed Idrissi, der am 18. Juni 2020 in Bremer Stadtteil Gröpelingen durch einen Polizisten erschossen wurde. Er war 54 Jahre alt.

Mohamed Idrissi hatte viele Jahre in Gröpelingen gelebt. Als Teil einer psychischen Erkrankung entwickelte er starke Ängste, die ihn in seinem Alltag beeinträchtigten. Trotzdem hatte er ein gutes Verhältnis zu seinen Nachbar:innen. Zur Unterstützung bekam er einen Wohnbetreuer.

Idrissi hatte in seiner Wohnung einen größeren Wasserschaden verursacht. Am 18. Juni 2020 veranlasste die Hausverwaltung eine Wohnungsbegehung. Es sollte festgestellt werden, ob die durch das Wasser beschädigte Elektrik eine Gefahr für Idrissi oder anderer Mieter:innen darstellte. Die Hausverwaltung hatte Idrissis Betreuer informiert und dieser das Krisenteam des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpD) eingeschaltet. Dieses wiederum rief routinemäßg die Polizei. Die Polizei traf als Erste an der Wohnung Idrissis ein. Anstatt aber auf das Krisenteam des SpDs zu warten, zwangen die Beamt:innen Idrissi - ohne Rechtsgrundlage - aus seiner Wohnung. Videoaufnahmen von Anwohner:innen zeigen, dass Idrissi auf der Straße von Polizist:innen mit gezogenen Waffen umzingelt und in die Enge gedrängt wurde. Idrissi zeigte einen Gegenstand - der sich als Messer herausstellte. Die Beamt:innen eskalieren die Situation, indem sie Idrissi anschrien. Ein Beamter besprühte Idrissi mit Pfefferspray. Dieser versuchte daraufhin wegzurennen. Der selbe Beamte schoss daraufhin Idrissi in die Brust.

Die Videoaufnahmen zeigen auch, dass die Beamt:innen keinerlei erste Hilfe leisteten, sondern den Verblutenden fesselten und auf dem Boden liegen ließen, bis der Krisendienst und eine zweite Streife eintrafen. Zu dem Zeitpunkt war alle Hilfe zu spät: Mohamed Idrissi stirbt an seinen Verletzungen.

Angehörige und Freunde von Mohamed Idrissi kämpfen seitdem um Aufklärung und Gerechtigkeit. Ein erstes Strafverfahren gegen die Polizist:innen wurde durch die Staatsanwaltschaft eingestellt. Im Januar 2021 erzwang die Tocher Idrissis durch neues Beweismaterial die Wiederaufnahme des Verfahrens. Bis heute bleibt es ohne Ergebnis.

www.taz.de

zuhause/private WohnungRassismus
10. JUN
2020
Mecklenburg-Vorpommernunklare TodesursacheGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Somalia, der am 10. Juni 2020 in Haft in Neustrelitz starb. Er wurde 19 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

www.nordkurier.de

Rassismus
03. JUN
2020
Baden-Württembergunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Sailou Hydara, der die deutschen Haftbedingungen nicht überlebte. Er starb am 3. Juni 2020 im Krankenhaus, nachdem er in der JVA Mannheim an Tuberkulose erkrankt war. Er wurde 23 Jahre alt.

Sailou Hydara war seit Ende 2019 in der JVA Mannheim inhaftiert. Durch eine Lungentuberkulose war er haftunfähig. Dennoch wurde er zu spät in das Theresienkrankenhaus Mannheim verlegt. Dort starb er an einer Sepsis in Verbindung mit einer offenen Lungentuberkulose.

Sailou Hydara wurde in Deutschland begraben, ohne dass seine Familie in Gambia informiert wurde. Es gab keine polizeilichen Ermittlungen wegen unterlassener Hilfeleistung.

www.voicegambia.com, www.ari-dok.org

Rassismus
27. MÄR
2020
BerlinZellenbrandGefängis

Wir gedenken Mariusz K., der am 27. März 2020 infolge eines Zellenbrandes in der JVA Tegel starb.  

Er war rumänischer Staatsbürger und hatte nach Angaben von Mitgefangenen zuvor versucht, sein Leben zu beenden. Ein Gefangener spricht von ihm als „einem lieben, herzensguten, sensiblen und hilfsbereiten Menschen – sehr feinsinnig, ein Künstler eben.“ Seit 14 Jahren war Mariusz K. in Haft gewesen, als er starb. Die Justiz stellt seinen Tod als "Suizid" dar.

criminalsforfreedom.noblogs.org und www.bz-berlin.de

Rassismus
17. MÄR
2020
Baden-WürttembergSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen mit irakischer Staatsbürgerschaft, dessen Namen wir nicht kennen. Der Mann wurde am 17. März 2020 tot in seiner Zelle der JVA Bruchsal aufgefunden. Er war 25 Jahre alt. Er starb, nachdem das Justizministerium aufgrund der Corona-Pandemie alle Besuche in Haftanstalten verboten hatte. 

www.ggbo.de

Rassismus
15. FEB
2020
BerlinSuizidGefängis

Wir gedenken Mohamed S., der am 15. Februar 2020 tot in seiner Zelle in der JVA Tegel in Berlin aufgefunden wurde. Er war 26 Jahre alt.

Mohamed S. war aus Somalia nach Deutschland gekommen. Warum und wie lange er in Haft war, ist uns nicht bekannt. Er war in der „Teilanstalt 2“ untergebracht, die bauliche Mängel aufweist und für extrem schlechte Haftbedingungen bekannt ist.

www.ggbo.de

Rassismus
06. FEB
2020
NiedersachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Algerien, der am 6. Februar 2020 in der Nähe von Hannover auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Er wurde 26 Jahre alt.

Laut Medienberichten flüchtete er gegen 21 Uhr aus dem Gebäude der Autobahnwache und rannte auf die A2. Auf der Fahrbahn wurde er von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Einige Stunden zuvor war der Mann in seinem Auto bei der Verkehrskontrolle festgenommen worden. Gegen ihn lag ein Abschiebehaftbefehl vor.

www.rnd.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
05. JAN
2020
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Mehmet B., der am 5. Januar 2020 in Gelsenkirchen von einem Polizisten erschossen wurde. Er war 37 Jahre alt.  

Mehmet B. war türkischer Staatsbürger. Er soll mit einem Knüppel auf ein unbemanntes Polizeiauto eingeschlagen haben und anschließend bedrohlich auf die daneben stehende Belegschaft zugegangen sein. Die Beamt:innen behaupteten später, auch ein Messer bemerkt zu haben. Ein 23-Jähriger Polizeianwärter erschoss Mehmet B. mit vier Schüssen. Das Verfahren gegen den Todesschützen wurde eingestellt.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
28. DEZ
2019
Baden-WürttembergErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen mit serbischer Staatsbürgerschaft, der in Stuttgart von der Polizei erschossen wurde. Er war 32 Jahre alt, sein Name ist uns nicht bekannt.

Der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindende Mann soll mit seinem Kleinwagen in falscher Richtung in einen Kreisverkehr gefahren und gegen eine Litfaßsäule geprallt sein. Anschließend sei er mit einer Begleiterin von der Unfallstelle geflüchtet. Als Polizist:innen ihn stellten, soll er diese mit einem schwertähnlichen Gegenstand angegriffen haben. Sie schossen auf ihn und verletzten ihn so schwer, dass er wenig später am 28. Dezember 2019 im Krankenhaus starb.

www.sueddeutsche.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
02. NOV
2019
Rheinland-PfalzErschießungPolizei

Wir gedenken eines Geflüchteten aus Eritrea, der am 2. November 2019 von einem Polizisten erschossen wurde. Er wurde 26 Jahre alt. Er soll mit einer Axt bewaffnet durch das rheinland-pfälzische Hoppstädten-Weiersbach gelaufen sein und sich bedrohlich verhalten haben. Eine Frau verständigte die Polizei, die daraufhin in einem Großeinsatz nach dem Mann suchte. Laut einem Bericht der Staatsanwaltschaft sollen zwei Beamte den Eritreer neben einem Geräteschuppen am Boden kauernd gefunden habe. Dieser sei plötzlich aufgesprungen, woraufhin der eine Beamte ihm in den Kopf schoss. Über das Leben des Mannes ist uns kaum etwas bekannt.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
17. AUG
2019
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken Aman Alizada, der am 17. August 2019 von einem Polizeibeamten in einer Geflüchtetenunterkunft in Stade erschossen wurde. Er war 19 Jahre alt.

Aman Alizada war im Alter von 15 Jahren als unbegleiteter Minderjähriger aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Er wurde von vielen Bekannten als ein sehr hilfsbereiter Jugendlicher beschrieben, der sich für andere einsetzte und eine Lehre als Tischler angefangen hatte. Kurz vor seinem 18. Geburtstag wurde sein Asylgesuch abgelehnt.

Wegen zunehmender psychischer Belastungen wurde er krank und zeitweise in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Dem Flüchtlingsrat Niedersachsen wurde berichtet, dass Aman Alizada am Abend seines Todes einen akuten psychotischen Schub gehabt habe. Ein jugendlicher Mitbewohner aus der Geflüchtetenunterkunft rief daraufhin die Polizei. Als diese mit vier Beamt:innen eintraf, befand sich Aman Alizada alleine in einem Raum im Erdgeschoss. Die Polizei trat die abgeschlossene Tür ein und forderte ihn auf, herauszukommen. Als Aman Alizada nicht reagierte, setzte die Polizei Pfefferspray gegen ihn ein. Der junge Mann soll sich mit einer Hantelstange in der Hand auf die Beamten zubewegt haben. Ein Polizist tötete Aman Alizada daraufhin mit fünf Schüssen.

Mittlerweile ist das Ermittlungsverfahren gegen den Todesschützen zum zweiten Mal mit dem Verweis auf „glasklare Notwehr“ durch die Staatsanwaltschaft Stade eingestellt worden.

www.taz.de, www.nds-fluerat.org

zuhause/private WohnungRassismus
16. AUG
2019
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 16. August 2019 in der JVA Burg durch “Suizid” starb. Er war 25 Jahre alt und kam aus Afghanistan. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Laut Pressemitteilung des Justizministeriums wurden Wiederbelebungsversuche eingeleitet, die jedoch scheiterten. Der Verstorbene hatte sich seit Mai desselben Jahres in Untersuchungshaft befunden.

mj.sachsen-anhalt.de

Rassismus
20. JUL
2019
Thüringenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken Sadnia Rachid, der am 20. Juli 2019 in einem Krankenhaus in Erfurt starb. Er war 32 Jahre alt. Der Mann aus Algerien wurde bei einem versuchten Rucksackdiebstahl festgenommen. Er hatte zahlreiche Medikamente bei sich, darunter ein Opioid, das als Drogenersatz verabreicht wird. Ein herbeigerufener Notarzt erklärte Rachid für vernehmungsfähig und erlaubte ihm, das Substitutionsmedikament zu nehmen. Während der Befragung schlief er immer wieder ein. Später ordnete die Staatsanwaltschaft Rachids Freilassung an, doch er wurde nicht geweckt. In der Nacht stellten Beamte fest, dass er nicht mehr atmete. Notärzt:innen brachten ihn ins Krankenhaus, wo er starb.

Seine Eltern mussten 3500 Euro zahlen, um den Leichnam ihres Sohnes nach Hause zu holen. Sie bekamen weder von deutschen noch von algerischen Behörden Unterstützung. Ein Ermittlungsverfahren wurde nie eingeleitet.

www.taz.de

PolizeiwacheRassismus
07. JUL
2019
Hamburgunklare TodesursacheAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen aus Polen, der am 7. Juli 2019 leblos in einem Haftraum im Abschiebegefängnis am Hamburger Flughafen aufgefunden wurde. Er war 30 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht. Er war einem Zeitungsbericht zufolge mehrfach nach Polen abgeschoben worden und immer wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Der Mann soll den Behörden als Drogenkonsument bekannt gewesen sein. Ein Arzt schätzte ihn als uneingeschränkt haftfähig ein, führte jedoch bei der ärztlichen Aufnahmebegutachtung keine Blutabnahme mit Drogenscreening durch. Das Ergebnis des Todesermittlungsverfahrens, das nach dem Tod des Mannes eingeleitet wurde, ist uns nicht bekannt.

Drucksache 21/17787 der Freien Bürgerschaft der Hansestadt Hamburg

Rassismus
22. JUN
2019
Schleswig-HolsteinSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Afghanistan, dessen Namen wir nicht kennen. Er wurde am 22. Juni 2019 tot in der JVA Kiel aufgefunden. Er war 24 Jahre alt.

Der junge Mann saß eine 40-tägige Ersatzfreiheitsstrafe ab und litt unter der Inhaftierung. Er rief aus seinem Fenster in den Hof, dass er sich nun umbringen werde. Später entdeckten Justizvollzugsbeamt:innen der JVA Kiel den Mann erhängt in seiner Zelle.

www.shz.de

Rassismus
18. JUN
2019
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Adel B., der am 18. Juni 2019 in Essen Altendorf von der Polizei durch eine geschlossene Tür erschossen wurde. Zuvor hatte der 32-jährige die Polizei nach deren Angaben selbst gerufen und angekündigt, sich umbringen zu wollen.

Als die Polizei in Altendorf ankam, befand sich Adel B. auf der Straße. Die Beamt:innen umzingelten ihn. Es kam zu einer verbalen Auseinandersetzung. Adel B. telefonierte währenddessen mit seiner Lebensgefährtin. Nach einiger Zeit teilte Adel B. den Polizist:innen mit, dass er keine Suizidabsichten mehr habe und machte sich auf den Nachhauseweg. Die Beamt:innen verfolgten ihn. Er erreichte seine Wohnung, betrat diese und schloss die Tür hinter sich. Kurze Zeit später wurde er erschossen.

Die Polizei behauptete zunächst, von Adel B. mit einem Messer angegriffen worden zu sein. Ein später aufgetauchtes Video beweist jedoch, dass Adel B. die Tür bereits hinter sich verschlossen hatte und ein Polizist erfolglos versuchte, diese mit einem Tritt zu öffnen, bevor der Schuss durch die Glasscheibe der Tür fiel.

Die Polizei löschte das Video von dem Smartphone des Zeugen. Der Beweis für das Vorgehen der Polizei kam nur an die Öffentlichkeit, weil es automatisch in einer Cloud gespeichert worden war. Trotzdem stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen die eingesetzten Beamt:innen mit Verweis auf Notwehr ein.

www.labournet.de, www.neues-deutschland.de

zuhause/private WohnungRassismus
14. JUN
2019
Baden-WürttembergTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Algerien, der am 14. Juni 2019 in Baienfurt in Baden-Württemberg bei einem Polizeieinsatz starb. Sein Name ist uns nicht bekannt. Er wurde 39 Jahre alt.

Der Mann sollte nach zehnjährigem Aufenthalt in Deutschland nach Algerien abgeschoben werden. Als Polizeibeamt:innen an seiner Tür klingelten und ihn aufforderten, seine Sachen zu packen, umarmte er seine Frau und kletterte aus dem Fenster. Er stürzte acht Meter in die Tiefe und erlag noch vor Ort seinen Verletzungen.

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
26. APR
2019
Hamburgphysische GewaltPsychiatrie, Private Sicherheitsdienste

Wir gedenken William Tonou-Mbobda, der am 26. April 2019 starb, nachdem er im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gewaltsam fixiert worden war. Er war 34 Jahre alt.

Der Ingenieursstudent hatte sich freiwillig in psychiatrische Behandlung begeben und saß am Morgen des 21. Aprils auf einer Bank vor der Klinik. Vermutlich auf seine Weigerung hin, eine Tablette einzunehmen, griffen ihn Security-Mitarbeiter brutal an. Sie setzten sich zu dritt auf ihn, stießen ihn mit dem Knie in die Nierengegend und hielten seinen Mund zu, worauf William Tonou-Mbobda mehrfach gerufen haben soll: „Lasst mich los, ich kriege keine Luft mehr.“  

Der brutale Angriff ging direkt in einen Reanimationsversuch über, welcher zunächst gelang. Fünf Tage später verstarb William Tonou-Mbobda jedoch auf der Intensivstation. Die Ermittlungen der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen drei Sicherheitskräfte und eine Ärztin wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurden im August 2020 eingestellt.

www.taz.de

Rassismus
26. FEB
2019
BayernSuizidPolizei

Wir gedenken Rooble Warsame, der am 26. Februar 2019 in einer Schweinfurter Polizeizelle starb. Er wurde 22 Jahre alt.

Polizist:innen nahmen den Geflüchteten aus Somalia um fünf Uhr morgens nach einer Ruhestörung im sogenannten „Anker-Zentrum“ Schweinfurt in Gewahrsam. Zweieinhalb Stunden später wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. Nach offizieller Darstellung soll er sich mit einem Stoffstreifen am Zellengitter stranguliert haben. Allerdings gibt es mehrere Ungereimtheiten: So war der Stoffstreifen auf einer Höhe von 1,50 Meter befestigt. Der 1,78 Meter große Warsame soll in hockender Haltung bei vollem Bodenkontakt gestorben sein. Den Stoffstreifen soll er außerdem zuvor mit bloßen Händen von einer Decke abgetrennt haben.

Hinzu kommt, dass Angehörige bei der Waschung von Warsames Leichnam Spuren von Misshandlungen feststellten. Sie zweifeln an der „Suizid“-These und fordern eine unabhängige Untersuchung. Dafür wurden Spenden gesammelt, die Durchführung bzw. Ergebnisse stehen noch aus. Im Herbst 2020 wurden die Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft überraschend wieder aufgenommen. Daraufhin gefertigte Gutachten erklären die Suizidthese für möglich. Ein DNA Gutachten der Decke steht noch aus.

ari-dok.org, revoltmag.org, infranken.de

PolizeiwacheRassismus
21. FEB
2019
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursacheGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 21. Februar in der JVA Geldern-Pont (NRW) starb. Er wurde 42 Jahre alt. Der Mann aus Rumänien wurde leblos in seiner Zelle gefunden. Über die Umstände, die zu seinem Tod geführt haben, ist uns nichts bekannt.

www.rp-online.de

Rassismus
26. JAN
2019
Baden-Württembergunterlassene HilfeleistungPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Osteuropa, der am 26. Januar 2019 in einer Ausnüchterungszelle der Polizei Stuttgart starb. Sein Name ist uns nicht bekannt. Er wurde 51 Jahre alt.  

Die Polizei verhaftete den Mann in der Stuttgarter Innenstadt, da er eine Geldstrafe nicht bezahlt hatte. Vor Antreten der Ersatzfreiheitsstrafe sperrten ihn die Beamt:innen in eine Ausnüchterungszelle. In den frühen Morgenstunden fand ihn ein Beamter bei einem Kontrollgang tot in seiner Zelle. Laut offizieller Darstellung ist er an Herz-Kreislauf-Versagen infolge von Entzugserscheinungen gestorben.

stuttgarter-zeitung.de

PolizeiwacheRassismus
23. JAN
2019
Baden-Württembergunterlassene HilfeleistungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 23. Januar 2019 in einer Ausnüchterungszelle der Stuttgarter Polizei starb. Er wurde 48 Jahre alt.  

Der Mann aus Osteuropa fuhr am Nachmittag des 22. Januar alkoholisiert mit der Stuttgarter Straßenbahn. Zwei Mitarbeiter:innen der Verkehrsbetriebe riefen die Polizei. Diese brachten ihn in eine Ausnüchterungszelle. In der Nacht fand ihn ein Beamter bei einem Kontrollgang leblos in seiner Zelle. Bei der Obduktion stellte die Gerichtsmedizin eine verborgene Gehirnblutung fest. Diese deutet auf einen Schlag oder Sturz hin. Woher die Verletzung kam, ist ungeklärt. 

stuttgarter-zeitung.de

PolizeiwacheRassismus
12. JAN
2019
Berlinphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Aristeidis L., der am 27. Dezember 2018 bei einem Polizeieinsatz in Berlin Tempelhof kollabierte und am 12. Januar 2019 starb. Er wurde 36 Jahre alt.

Vor dem Polizeieinsatz hatte er sich in einer Bäckerei aufgehalten. Er befand sich in einer psychischen Ausnahmesituation. Einer Mitarbeiterin zufolge hatte er sich bis auf seine Hose ausgezogen, randaliert und geschimpft, woraufhin sie die Polizei rief und Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattete. Statt auf deeskalative Maßnahmen zu setzen, zogen die Polizist:innen, Aristeidis L. an den Armen aus dem Geschäft und brachten ihn auf der Straße zu Boden. Unter Verstärkung legten sie ihm zunächst Handschellen, und später auch Fußfesseln an. Sie sperrten ihn in einen Transporter, wo er auf dem Bauch fixiert zur Gefangenensammelstelle gefahren wurde.

Dort angekommen begleiteten ihn alle neun Beamt:innen vom Einsatzort bei der Überführung. Als Aristeidis L. sich den Zwangsmaßnahmen körperlich zu widersetzen versuchte wendete ein Polizist Pfefferspray gegen ihn an. Der Reizstoff kann insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen, in psychischen Ausnahmesituationen oder unter Drogeneinfluss tödlich sein. In Aristeidis L.s Blut wurden Cannabis, Kokain und Opiate gefunden. Während der Fixierung bei der Überführung kollabierte Aristeidis L. Er wurde auf die Intensivstation gebracht und in ein künstliches Koma versetzt, die Diagnose ein paar Tage später lautete: Hirntod. Als Todesursache ist lagebedingter Erstickungstod durch mechanische Fixierung aufgeführt. Als Grund dafür ergibt die Obduktion: Sauerstoffmangel im Gehirn, der vermutlich in Summe aus einer starken Stressreaktion im Erregungszustand sowie Drogenkonsum und der Fixierung in Bauchlage resultierte.

Trotz dieser nachträglichen Rekonstruktion der Tatumstände, die auf grobe Fehler der Beamt:innen hinweisen, wurde das Verfahren im März 2019 – nach nur zwei Monaten – eingestellt. Ein Klageerzwingungsverfahren wurde abgewiesen.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
31. DEZ
2018
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus dem Sudan, der im Jahr 2018 in einer Haftanstalt in Niedersachsen ums Leben kam. Wir kennen weder seinen Namen, noch den genauen Ort. Auch über die Umstände seines Todes ist uns nichts bekannt. Offiziell wird sein Tod als „Suizid“ angegeben.

www.hna.de

Rassismus
31. DEZ
2018
Baden-WürttembergSuizidPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der im Jahr 2018 im Polizeigewahrsam in der Dienststelle "Pl. 16" in München ums Leben gekommen ist. Wir wissen, dass dieser Mensch die polnische Staatsbürgerschaft besaß. Darüber hinausgehende Informationen haben wir nicht. Weder kennen wir den Namen der Person, noch das Alter, noch genauere Hintergründe dazu, warum sich der Mensch in Gewahrsam befunden hat.

Drucksache 18/7143 im Bayerischen Landtag

PolizeiwacheRassismus
28. DEZ
2018
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken einem Mann mit indischer Staatsbürgerschaft, der am 28. Dezember 2018 tot in seiner Zelle in der JVA Halle aufgefunden wurde. Er war 28 Jahre alt.

www.sachsen-anhalt.de

Rassismus
26. OKT
2018
Nordrhein-WestfalenSuizidGefängis

Wir gedenken eines jungen Geflüchteten aus Syrien, der am Abend des 26. Oktober 2018 leblos in seiner Zelle in der JVA Herford aufgefunden wurde. Er war 17 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht. Er galt als „suizid“gefährdet und stand unter besonderer Beobachtung. Dennoch soll er sich selbst stranguliert haben.

www.ari-dok.org

Rassismus
29. SEP
2018
Nordrhein-WestfalenZellenbrandGefängis

Wir gedenken Amed Ahmad, der am 29. September 2018 an den Folgen schwerer Brandverletzungen starb. Er war 26 Jahre alt. Am 17. September 2018 brannte seine Zelle in der JVA Kleve. Warum das Feuer ausbrach, ist bis heute ungeklärt. Hilferufe von Amed Ahmad wurden ignoriert.

Der Kurde war aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Er saß über zwei Monate zu Unrecht im Gefängnis, seine Verhaftung war angeblich die Folge einer Verwechslung. Obwohl dieser Irrtum offensichtlich war, wurde er erst aufgeklärt, als Amed Ahmad schon im Sterben lag. Trotz vieler Widersprüchlichkeiten und offener Fragen hinsichtlich der Verantwortung der zuständigen Behörden und Beamt:innen stellte die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren 2019 ein. Amed Ahmads Angehörige und Freund:innen kämpfen weiter für Gerechtigkeit.

www.taz.de, www.neues-deutschland.de

Rassismus
29. JUN
2018
BerlinTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Vietnam, der am 29. Juni 2018 in Berlin bei einem Polizeieinsatz starb. Er wurde 37 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann floh vor der Polizei. Dabei stürzte er aus Fenster im vierten Stock einer Wohnung und erlag seinen schweren Verletzungen.

www.maz-online.de

zuhause/private WohnungRassismus
04. JUN
2018
Nordrhein-WestfalenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Georgien, der am 4. Juni 2018 in Abschiebehaft in Büren starb. Sein Name ist uns nicht bekannt. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben. Der Georgier war 41 Jahre alt. Er war in einer Zelle der Isolierhaftabteilung eingesperrt.

www.ari-dok.org

Rassismus
30. MAI
2018
Schleswig-HolsteinErschießungPolizei

Wir gedenken heute Mahmood J., der am 30. Mai 2018 in Flensburg von der Polizei erschossen wurde. Er war 24 Jahre alt.

Der junge Mann aus Eritrea soll zunächst eine Polizeibeamtin in einem Zug der Deutschen Bahn mit einem Küchenmesser angegriffen haben. Sie verließ das Abteil. Als sie wieder zurückkam, rangelte der Eritreer mit einem Mitreisenden, der sich ihm in den Weg gestellt hatte. Die Polizistin erschoss ihn daraufhin.

www.welt.dewww.merkur.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
01. MAI
2018
Thüringenunklare TodesursachePrivate Sicherheitsdienste

Wir gedenken Faraidun Salam Aziz, der am 1. Mai 2018 nach dem Sturz aus dem 4. Stock in der Geflüchtetenunterkunft Lessingstraße in Apolda starb. Er war 38 Jahre alt.

Faraidun Salam Aziz war 2008 aus dem kurdischen Teil des Irak geflohen und lebte seit 8 Jahren in Apolda. In der Nacht auf den 1. Mai hörte ein Mitbewohner, wie Securitymitarbeiter:innen ihm befahlen leiser zu telefonieren, was dieser nicht befolgte. Daraufhin packten sie ihn, führten ihn zu seinem Zimmer im 4. Stock und sperrten ihn ein. Faraidun Salam Aziz forderte ca. zehnmal dass die Tür wieder geöffnet wird, dann stürzte er aus dem Fenster und starb an seinen Verletzungen. Am nächsten Tag wurden der Zeuge, der die Geschehnisse der Nacht beobachtet hatte, und weitere Bewohner:innen der Unterkunft von vier Securitymitarbeiter:innen aufgesucht und eingeschüchtert, damit sie keine Aussage bei der Polizei machen. Noch im Herbst 2018 war von der Polizei keine Zeug:innenaufnahme vorgenommen. Neuere Informationen dazu liegen uns nicht vor.

www.fluechtlingsrat-thr.de

zuhause/private WohnungRassismus
29. APR
2018
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Mannes aus Georgien, der am 29. April 2018 in der JVA Leipzig starb. Als Todesursache wird „Suizid“ angegeben. Er wurde 27 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

www.ari-dok.org

Rassismus
13. APR
2018
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken Matiullah Jabarkhil, der am 13. April 2018 in Fulda von der Polizei erschossen wurde. Er war 19 Jahre alt. 

Der Geflüchtete aus Afghanistan wollte um 4 Uhr früh in einer Bäckerei in der Nähe seiner Unterkunft nach Brot fragen. Eine Verkäuferin verschloss jedoch von innen die Tür. Daraufhin soll der junge Mann die Schaufensterscheibe mit Steinen beworfen haben. Wenige Minuten später kam die Polizei. Matiullah Jabarkhil flüchtete, die Polizei rannte hinterher. Nach etwa 150 Metern wurde er gestellt. Ein Beamter gab zwölf Schüsse auf den unbewaffneten Jugendlichen ab. Vier trafen ihn, zwei davon tödlich. Er starb noch am Ort des Geschehens an inneren Blutungen.  

Die Ermittlungen gegen den Todesschützen wurden Anfang 2019 mit Verweis auf Notwehr eingestellt. Nachdem ein Handyvideo eines Augenzeugen – selbst Polizeianwärter – aufgetaucht war, wurden die Ermittlungen im März 2019 wieder aufgenommen. Auf dem Video ist zu sehen, wie Matiullah Jabarkhil vor den Polizist:innen wegläuft. Anfang 2020 wurden die Ermittlungen erneut eingestellt, aber im August 2020 auf Antrag des Bruders von Matiullah Jabarkhil wieder aufgenommen. Im Juli 2021 wurde das Verfahren zum dritten Mal eingestellt. Die Initiative in Gedenken an Matiullah setzt sich weiterhin für Aufklärung und Gerechtigkeit ein.

www.wsws.org, www.noborder-frankfurt.antira.info, migrant-support.com

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
10. APR
2018
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Familienvaters, der am 10. April 2018 in der JVA Bremervörde erhängt aufgefunden wurde. Seinen Namen kennen wir nicht. Er war aus dem Irak geflohen und hinterließ sieben Kinder im Alter von 11 bis 15 Jahren. 

www.ari-dok.org

Rassismus
01. MÄR
2018
Mecklenburg-VorpommernErschießungPolizei

Wir gedenken Bekir B., der am 1. März 2018 in Neubrandenburg von der Polizei erschossen wurde. Er war 27 Jahre alt.

Eine Zeugin hatte drei Männer bei einem mutmaßlichen Einbruch in einen Kiosk beobachtet und die Polizei verständigt. Mit erhobenen Händen verließen die Männer den Kiosk, nachdem die eingetroffenen Beamt:innen sie mit gezogener Waffe dazu aufgefordert hatten. Bekir B. soll anschießend Pfefferspray gegen einen der Polizeibeamt:innen eingesetzt haben. Dieser schoss ihm aus zwei bis drei Meter Entfernung in den Oberkörper. Noch in der selben Nacht verstarb Bekir B. im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft stellte knapp einen Monat später die Ermittlungen gegen den Todesschützen ein. Ihrer Ansicht nach habe er aus Notwehr geschossen.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
09. FEB
2018
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Hamid P., der am 9. Februar 2018 in Wuppertal von einem SEK-Beamten erschossen wurde. Er war 43 Jahre alt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war Hamid P. ein ehemaliges hochrangiges Mitglied der „Osmanen“, einer bundesweit agierenden Rockergruppierung. SEK-Beamte sollten gegen ihn einen Haftbefehl vollstrecken. Dabei fiel ein tödlicher Schuss. Das Verfahren gegen den Todesschützen wurde im Januar 2019 ergebnislos eingestellt. Zwar ergaben die Ermittlungen, dass Hamid P. zum Zeitpunkt seines Todes unbewaffnet war. Er soll aber ein Mobiltelefon in der Hand gehabt haben, das der Todesschütze für eine Waffe gehalten haben könnte. Ein durch die Polizei eingesetzter „Irritationskörper“ erzeugte einen lauten Knall. Daraufhin erschoss ein Beamter den 43Jährigen mit seiner Dienstwaffe. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem „tragischen Missverständnis“, an dem der Beamte keine Schuld trage.

Anmerkung: Bei der Osmanen-Germania handelte es sich um eine mittlerweile verbotene Rockergruppierung. Diese ist neben Aktivitäten im Bereich der organisierten Kriminalität zum Teil auch durch eine Nähe zu den faschistischen grauen Wölfen und Gewalt und Einschüchterungen gegenüber Kurd:innen, Linken und Oppositionellen aus der Türkei aufgefallen. Das steht im Widerspruch zum antirassistischen und antifaschistischen Anspruch der „Death in Custody-Kampagne“. Entscheidend für die Aufnahme von Todesfällen in unsere Statistik ist aber allein, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen. Ob die getötete Person uns politisch nahesteht, spielt dabei keine Rolle. Bei Hamid P. sind die Kriterien erfüllt, er wird daher hier aufgeführt.

www.wz.de

zuhause/private WohnungRassismus
22. JAN
2018
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken eines Mannes mit kasachischer Staatsbürgerschaft, der in der Nacht vom 21. auf den 22. Januar 2018 durch die Darmstädter Polizei erschossen wurde. Er wurde 41 Jahre alt. Seine Ehefrau hatte die Polizei zu Hilfe gerufen, weil er gewalttätig gegen sie geworden war. Nach Angaben der Polizei soll der 41-Jährige mit Messern bewaffnet gewesen sein. Als er ihnen die Tür öffnete, schossen sie sofort scharf. Die Frau und seine beiden Kinder erlitten einen Schock und mussten im Krankenhaus behandelt werden. 

Anmerkung: Wir richten uns selbstverständlich gegen jede Verharmlosung und Rechtfertigung von Partnerschaftsgewalt bzw. häuslicher Gewalt. Dass wir auch die Todesfälle etwaiger Täter:innen in unsere Chronik aufnehmen, bedeutet keine Billigung des vorherigen Verhaltens. Entscheidend für die Aufnahme in unsere Statistik ist, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen.

www.faz.net 

zuhause/private WohnungRassismus
03. JAN
2018
HamburgSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der am 3. Januar 2018 in der JVA Billwerder in Hamburg starb. Er wurde 30 Jahre alt. Sein Name ist uns unbekannt.

Er wurde am Morgen erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Der Mann war Asylsuchender aus Afghanistan. Sein Asylantrag wurde am 2. Oktober 2017 abgelehnt und ihm mit Abschiebung gedroht. Einen Tag später wurde er wegen eines Gewaltdelikts festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Obwohl er sich dort selbst verletzte, gab der Hamburger Senat bekannt, dass bei ihm im Vorfeld keine Anzeichen von „Suizidalität“ festgestellt worden seien.

www.ari-dok.org

Rassismus
29. DEZ
2017
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus dem Sudan, der am 29. Dezember 2017 in der JVA Hannover durch „Suizid“ starb. Zu seinem Namen und seinem Alter haben wir keine sicheren Informationen. Von einem Mitgefangenen wissen wir, dass der Verstorbene am Tag vor seinem Tod von einem wichtigen sozialen Kontakt getrennt wurde. Warum und wie lange der Mann in Haft war, ist uns nicht bekannt.

Letter from a prisoner at Hannover Prison, confirmation of death by e-mail dated 21.10.2021 from the Lower Saxony Ministry of Justice

Rassismus
05. NOV
2017
Berlinunterlassene HilfeleistungMaßregelvollzug

Wir gedenken Ümit Vardar, der am 5. November 2017 an den Folgen von zwei im Maßregelvollzug nicht behandelten Gehirntumoren starb. Er war 52 Jahre alt.

Ümit Vardar verbrachte 27 Jahre im Berliner Maßregelvollzug, nachdem ein Gerichtsgutachter ihm eine paranoide Schizophrenie attestierte. Im August 2017 war Ümit Vardar aus dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs entlassen worden und kam in eine Krisenunterkunft. Zwei Monate später wurden zwei Hirntumore bei ihm entdeckt, die er wahrscheinlich bereits im Maßregelvollzug hatte und sich eventuell aufgrund einer Medikamentenbehandlung dort ausbildeten. Er starb am 5. November 2017 im Alter von 52 Jahren im Vivantes-Klinikum in Berlin-Neukölln.

Aysel Vardar, die Mutter Ümit Vardars, verklagte das Land Berlin und wurde dabei von zwei Brüdern Ümit Vardars, beide Rechtsanwälte, vertreten. Das Landgericht findet, der Patient sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ bereits im Juni 2017 am Tumor erkrankt gewesen. Mit richtiger Diagnostik und Befund hätte der Tod vermutlich nicht verhindert, die Lebenserwartung aber verlängert werden können. Mit­ar­bei­te­r:in­nen des Karankenhauses des Maßregelvollzugs hätten den Patienten „fehlerhaft behandelt“. Das Land Berlin muss den Angehörigen ein Schmerzensgeld von 35.000 Euro zahlen.

www.taz.de, fragdenstaat.de

Rassismus
10. OKT
2017
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Geflüchteten aus China, der am 10. Oktober 2017 im Transitbereich des Flughafens Frankfurt (Main) erhängt aufgefunden wurde. Er war 29 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

www.ari-dok.org

Rassismus
29. AUG
2017
HamburgSuizidGefängis

Abdullah K. wurde am 29. August 2017 erhängt in seiner Zelle in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg aufgefunden. Er war 40 Jahre alt.

Der Mann aus Syrien befand sich seit Juni 2017 in U-Haft. Die Ermittlungsbehörden warfen ihm u.a. vor, sich 2012 in Syrien der islamistischen Gruppierung „Jabhat al-Nusra“ angeschlossen zu haben und an bewaffneten Auseinandersetzungen mit syrischen Regierungstruppen und den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) beteiligt gewesen zu sein.

Anmerkung: Die al-Nusra-Front war eine djihadistische Gruppierung in Syrien, die u.a. für Massaker an der kurdischen Zivilbevölkerung verantwortlich ist. Dies steht im klaren Widerspruch zu den politischen Zielen der „Death in Custody-Kampagne“. Entscheidend für die Aufnahme von Todesfällen in unsere Statistik ist aber allein, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen. Ob die getötete Person uns politisch nahesteht, spielt dabei keine Rolle. Bei Abdullah K. sind die Kriterien erfüllt, er wird daher hier aufgeführt.

www.taz.de

Rassismus
28. JUN
2017
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Reza F., der durch das deutsche Abschieberegime getötet wurde. Er war 26 Jahre alt. Der Geflüchtete aus dem Iran wurde am 26. Juni 2017 leblos in seiner Zelle in der JVA Stadelheim (München) aufgefunden. Er soll sich erhängt haben. Er wurde zunächst wiederbelebt, starb aber zwei Tage später an den Verletzungen.

Reza F. kam im Frühjahr 2017 über Bulgarien nach Deutschland, wurde jedoch wegen „illegalen Aufenthalts“ zu zwei Monaten Haft verurteilt. Ein Versuch, ihn nach Bulgarien abzuschieben, scheiterte an seinem passiven Widerstand. Daraufhin erließ ein Richter einen Abschiebehaftbefehl gegen ihn. Unmittelbar vor seiner geplanten Überstellung in den Abschiebeknast in Eichstätt starb Reza F.

www.ari-dok.org

Rassismus
06. JUN
2017
Nordrhein-WestfalenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus dem Kosovo, dessen Name uns unbekannt ist. Er wurde am 6. Juni 2017 erhängt in seiner Zelle in der JVA Bielefeld aufgefunden. Er war 41 Jahre alt.

www.bild.de

Rassismus
01. JUN
2017
Hessenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Savas K., der am 1. Juni 2017 in Frankfurt (Main) bei einem Polizeieinsatz starb. Er wurde 42 Jahre alt. Savas K. sollte aus seiner Wohnung zwangsgeräumt werden. Dabei wurde er von der Polizei tödlich verletzt.

www.dailysabah.com, www.fnp.de

zuhause/private WohnungRassismus
12. MAI
2017
Bremenphysische GewaltPsychiatrie

Wir gedenken Ahmet Agir, der am 12. Mai 2017 bei einer gewaltvollen Fixierung in der Psychiatrie die Luft zum Atmen genommen wurde, was zu einem Herzstillstand führte. Er war 31 Jahre alt.

Der aus der Türkei stammende Mann wurde am 9. Mai 2017 in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie im Klinikum Bremen Ost einer Zwangsmaßnahme unterzogen. Trotz den Hinweises, dass er nicht atmen könne, ließ das Personal nicht von ihm ab, bis er aufgrund der Atemnot einen Herzstillstand erlitt. Die Defibrillatoren der Klinik kamen nicht zum Einsatz. Ahmet Agir wurde komatös ins Krankenhaus eingeliefert, wo er drei Tage später starb. Ein Jahr nach dieser tödlichen Zwangsmaßnahme in der Forensik hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen das verantwortliche Klinikpersonal eingestellt.

www.weser-kurier.de

Rassismus
27. APR
2017
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Michael Haile, der am 27. April 2017 in Essen von der Polizei erschossen wurde. Er war 22 Jahre alt. 

Die Polizei wurde wegen einer Ruhestörung zu Michael Hailes Haus gerufen. Michael Haile öffnete auf das Klopfen der Beamt:innen die Tür und wurde kurz darauf durch eine Polizeikugel getötet. Er soll – laut Polizei – ein Küchenmesser in der Hand gehalten und dieses auch auf mehrmalige Aufforderung hin nicht weggelegt haben. Der Todesschütze schoss ihm direkt ins Herz. 

Michael Haile ist in Eritrea in großer Armut aufgewachsen. Mit 19 Jahren entschloss er sich, nach Europa zu gehen. Meist zu Fuß kam er durch den Sudan und Libyen bis zum Mittelmeer. Danach zunächst nach Italien und von dort aus nach Deutschland. In seinem Wohnhaus galt er als freundlicher Mitbewohner. Er soll öfter in seiner Wohnung laut gesungen haben. Deshalb gab es von einem seiner Nachbarn häufiger Beschwerden. Michael Haile war es in dem hellhörigen Haus selbst oft zu laut. Er wollte deshalb gerne wegziehen. Sein Freund und seine Schwester beschreiben ihn als klein und schmächtig, eher ängstlich und als gläubigen Kirchgänger. Sie können nicht glauben, dass der Beamte sich so bedroht gefühlt hat, dass er schießen musste. 

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
16. MÄR
2017
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Somalia, dessen Namen wir nicht kennen. Er wurde am 16. März 2017 zu Tode stranguliert in seiner Zelle der JVA Halle aufgefunden. Der Mann war 31 Jahre alt. In der JVA Halle war er einen Tag vorher zur Ableistung einer Ersatzfreiheitsstrafe eingetroffen; diese hätte am 12. April geendet. 

www.mz-web.de

Rassismus
19. FEB
2017
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Tunesien, der am 19. Februar 2017 in Herten (Nordrhein-Westfalen) von der Polizei erschossen wurde. Er war 30 Jahre alt.

Der Geflüchtete soll gegen Abend über einen Balkon in die Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses eingedrungen sein. Die 72-jährige Bewohnerin flüchtete zu ihren Nachbarn und verständigte die Polizei. Die Beamt:innen durchsuchten die Wohnung. Als sie den Mann entdeckten, gab ein Polizist zwei Schüsse auf ihn ab. Der 30-Jährige starb noch vor Ort. Angeblich soll er die Polizist:innen mit einem Messer bedroht haben. Der Geflüchtete lebte seit 2012 in Herten. Er war aus einer geschlossenen Psychiatrie weggelaufen, in die er zwangsweise eingewiesen worden war.

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
16. OKT
2016
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Taner D., der am 16. Oktober 2016 in Bielefeld-Brake in Folge eines Polizeieinsatzes starb. Er war 39 Jahre alt.

Der türkische Gastronom und Vater zweier Kinder hatte seine von ihm getrennt lebende Ehefrau und seine zweijährige Tochter besucht. Weil er alkoholisiert war und unter Drogeneinfluss stand, warf seine ehemalige Partnerin ihn raus. Da er sich weiter lärmend im Hausflur aufhielt und wieder in die Wohnung zu gelangen versuchte, riefen Nachbar:innen wegen Ruhestörung die Polizei. Als fünf Beamt:innen eintrafen, eskalierte die Situation: die Polzist:innen schlugen Taner D. ins Gesicht und setzten Pfefferspray gegen ihn ein. Er musste lange gefesselt auf dem Bauch auf dem Boden liegen. Augenzeug:innen berichten, dass einer der Polizist:innen abfällig auf Taner D.s Hilferufe nach Allah reagierte. Taner D. kollabierte und musste auf dem Weg ins Krankenhaus sechs mal wiederbelebt werden. 34 Stunden nach dem Polizeieinsatz war er tot. Das toxikologische Gutachten geht von einem Herzinfarkt aus. Die Witwe stellte Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen jedoch kurz darauf ein.

www.nw.de, www.nw.dewww.westfalen-blatt.de

zuhause/private WohnungRassismus
12. OKT
2016
SachsenSuizidGefängis

Dschaber a.-B. wurde am 12. Oktober 2016, nur wenige Tage nach seiner Festnahme, erhängt in seiner Zelle in der JVA Leipzig aufgefunden. Er war 22 Jahre alt.

Dem Syrer wurde vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag geplant und vorbereitet zu haben. Die Polizei ging von einer engen Verbindung zum sog. Islamischen Staat aus. Eine Expert:innenkommission, die den Tod von Dschaber a.-B. untersuchte, kritisierte, dass dem Gefangenen kein Hofgang gewährt wurde. Auch seien Anzeichen für eine sich entwickelnde Suizidgefahr ignoriert worden. Im Bericht der Kommission heißt es: "Der Untersuchungsgefangene hätte zu keinem Zeitpunkt allein gelassen werden dürfen." Die Familie Dschaber a.-B.s erstattete Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung. Die Ermittlungen wurden im Juni 2017 eingestellt.

Anmerkung: Der sogenannte Islamische Staat steht für die Unterdrückung von Frauen und queeren Menschen, die Verfolgung und Unterwerfung religiöser Minderheiten und Andersdenkender und ist u. a. für den Genozid an den Êzid:innen in Südkurdistan im August 2014 verantwortlich. Dies steht im klaren Widerspruch zu den politischen Zielen der „Death in Custody-Kampagne“. Entscheidend für die Aufnahme von Todesfällen in unsere Statistik ist aber allein, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen. Ob die getötete Person uns politisch nahesteht, spielt dabei keine Rolle. Bei Dschaber a.-B. sind die Kriterien erfüllt, er wird daher hier aufgeführt.

www.taz.de

Rassismus
27. SEP
2016
BerlinErschießungPolizei

Wir gedenken Hussam Fadl, der am 27. September 2016 in einer Geflüchtetenunterkunft in Berlin-Moabit von der Polizei von hinten erschossen wurde. Er war 29 Jahre alt.

Die Polizei war nach einem sexuellen Übergriff auf Hussam Fadls Tochter in die Unterkunft gerufen worden. Sie nahm den Täter fest und setzte ihn in einen Streifenwagen. Hussam Fadl kam zur Festnahmestelle. Daraufhin schossen mehrere Polizist:innen insgesamt viermal auf ihn, ein Schuss in den Rücken war tödlich. Die Polizei begründet die Schüsse mit Notwehr: Hussam Fadl soll ein Messer bei sich getragen haben. Dem widersprechen mehrere Augenzeug:innen. Ein später am Tatort sichergestelltes Küchenmesser wies keine Fingerabdrücke von Hussam Fadl auf.

www.ari-dok.org, www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
06. AUG
2016
Baden-WürttembergSuizidPolizei

Wir gedenken eines tunesischen Mannes, der am 6. August 2016 auf der Intensivstation einer Klinik in Heidelberg an den Folgen eines „Suizid“versuchs starb. Er wurde 23 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt. Am 30. Juli 2016 wurde der tunesische Asylsuchende in einer Zelle des Polizeireviers Heidelberg-Süd stranguliert aufgefunden. Den Beamt:innen und einem Notarzt gelang es, den Mann zu reanimieren, woraufhin er auf die Intensivstation einer Klinik verlegt wurde. Am 6. August 2016 erlag er seinen Verletzungen, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben.

www.ari-dok.org

PolizeiwacheRassismus
31. JUL
2016
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken zweier Geflüchteter, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Juli 2016 in der JVA Leipzig starben. Wir kennen weder ihre Namen noch das genaue Datum Ihres Todes noch wissen wir, wie alt sie geworden sind.

www.ari-dok.org

Rassismus
31. JUL
2016
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Geflüchteten, der zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Juli 2016 in der JVA Dresden starben. Wir kennen weder seinen Namen noch wissen wir, wie alt er geworden ist.

www.ari-dok.org

Rassismus
31. JUL
2016
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken zweier Geflüchteter, die zwischen dem 1. Januar 2015 und dem 31. Juli 2016 in der JVA Leipzig starben. Wir kennen weder ihre Namen noch das genaue Datum Ihres Todes noch wissen wir, wie alt sie geworden sind.

www.ari-dok.org

Rassismus
18. JUL
2016
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken eines jungen Geflüchteten, der am 18. Juli 2016 in der Nähe von Würzburg erschossen wurde. Er war 17 Jahre alt. Der Jugendliche aus Afghanistan hatte in einem Regionalzug in der Nähe von Würzburg mehrere Reisende mit einer Axt und einem Messer schwer verletzt. Als der Zug per Notbremse stoppte, flüchtete er. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe war, verfolgte den Angreifer. Er soll anschließend auch die Polizeibeamt:innen mit seinen Waffen angegriffen haben, woraufhin diese mehrere Schüsse auf ihn abgaben. Zwei davon trafen ihn tödlich.

Anmerkung: Dies ist ein Grenzfall. Für unsere Recherche haben wir uns grundsätzlich dagegen entschieden, Fälle mit aufzunehmen, in denen die getötete Person zuvor unbeteiligte Dritte willentlich in Lebensgefahr gebracht hat. Dies ist hier eindeutig der Fall. Allerdings hatte der Angreifer sich zu dem Zeitpunkt, als er erschossen wurde, bereits aus der Situation entfernt, sodass für unbeteiligte Dritte keine unmittelbare Gefahr mehr bestand. Deshalb wird der Fall hier aufgeführt.

www.wikipedia.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. JUL
2016
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken Amos Thomas, der am 13. Juli 2016 in Erharting im Landkreis Mühldorf am Inn von der Polizei erschossen wurde. Er war 62 Jahre alt.

Zwei Mitarbeiter:innen des Bayerischen Roten Kreuzes und zwei Polizist:innen sollten den Liberianer aus einem Seniorenpflegeheim in eine psychiatrische Klinik bringen. Kurz nachdem sie sein Zimmer betreten hatten, war der 62-Jährige tot – von mehreren Polizeikugeln niedergestreckt. Die Polizisten beriefen sich auf Notwehr: Angeblich soll Amos Thomas mit einem Messer auf sie zugegangen sein und einen Beamten am Bein verletzt haben. Amos Thomas war im Jahre 1993 in die Bundesrepublik gekommen und hatte Asyl beantragt. Nach der Ablehnung lebte er bis zu seinem Tode mit einer Duldung. Die letzten zehn Jahre verbrachte der an chronischer Schizophrenie Leidende in dem Altenheim.

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
19. APR
2016
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Katip A., der am 19. April 2016 in Emmerich bei seiner Festnahme durch die Polizei bewusstlos wurde und wenige Stunden später starb. Er war 32 Jahre alt.  

Katip A. stand unter Drogeneinfluss und soll randaliert haben. Die Polizei brachte ihn unter Einsatz von Pfefferspray und physischer Gewalt zu Boden und hielt ihn lange fixiert. Viele Zeug:innen beobachteten den Einsatz, darunter Katip A.s Bruder. Einige berichten von übermäßiger Gewalt durch die Polizist:innen, auch dass Katip A. schwer geatmet habe. Offiziell wird als Todesursache eine Herzrhythmusstörung in Folge des Drogenkonsums angegeben. Es gab keine Ermittlungen gegen die beteiligten Beamten.

www.rp-online.de

Rassismus
11. APR
2016
BrandenburgSuizidGefängis

Wir gedenken eines Mannes aus Tschechien, der am 11. April 2016 in der JVA Wulkow in Brandenburg erhängt aufgefunden wurde. Sein Name ist uns unbekannt. Er war 47 Jahre alt. Dem Mann wurde vorgeworfen, an einem Überfall auf ein Caravan-Center beteiligt gewesen zu sein. Ihn erwartete eine mehrjährige Haftstrafe. In einem Abschiedsbrief soll er sich ausschließlich auf das Strafverfahren bezogen haben.

www.maz-online.de

Rassismus
11. MÄR
2016
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines jungen Ägypters, dessen Namen wir nicht kennen. Er kam am 11. März 2016 auf der Flucht vor der Polizei ums Leben. Er wurde 17 Jahre alt. 

Der junge Mann starb in der Nähe von München an den Folgen eines Sprungs aus dem fahrenden Nachtzug aus Rom, nachdem zwei sogenannte Schleierfahnder ihn unter dem Sitz eines sonst leeren Zugabteils entdeckt hatten. Während die Fahnder versuchten, die Identität des Mannes festzustellen, sprang dieser aus dem 160 km/h-schnellen Zug. Schwer verletzt wurde er kurze Zeit später in der Nähe von München aufgefunden. Er starb, bevor Rettungskräfte ihn erreichten. 

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
02. MÄR
2016
BerlinErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, dessen Namen wir nicht kennen. Er war zum Zeitpunkt seines Todes in einem Berliner Geflüchtetenheim gemeldet. Er wurde am 2. März 2016 auf der Flucht vor der Berliner Polizei erschossen. Die Polizei schoss auf ein fahrendes Auto, dessen Fahrer tödlich getroffen wurde. Die Beamt:innen unterstellten ihm, Angehöriger einer „Einbrecherbande vom Balkan“ gewesen zu sein, die mehrere Einbrüche in Bäckereien und Kleidergeschäften verübt haben soll.

www.tagesspiegel.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
19. FEB
2016
HamburgSuizidGefängis

Wir Gedenken Yaya Jabbi, der in der Nacht zum 19. Februar 2016 in der JVA Hahnöfersand in Hamburg angeblich durch „Suizid“ starb. Er wurde 21 Jahre alt.

Yaya Jabbi wurde am 14. Januar 2016 am Hamburger Berg von der Polizei festgenommen. Ihm wurde vorgeworfen, 1,65 Gramm Cannabis zu besitzen – eine Menge, die in der Regel als Eigenbedarf gilt und nicht verfolgt wird. Trotzdem kam er in Haft, wo er länger als einen Monat blieb. Am Morgen des 19. Februar 2016 wurde er leblos in seiner Zelle aufgefunden. Laut Justizbehörde starb er durch „Suizid“. An der offiziellen Darstellung bestehen jedoch Zweifel: Yaya Jabbi war gläubiger Muslim. Weder seine Familie noch seine Freund:innen sahen hielten ihn für gefährdet, sein Leben durch „Suizid“ zu verlieren. Auch durch das sogenannte „Suizid“screening vor Haftbeginn wurde keine „Suizid“gefahr festgestellt. Doch die Staatsanwaltschaft hat die Akte Yaya Jabbis bereits geschlossen.

www.hamburg-global.de

Rassismus
19. OKT
2015
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Somalia, der am 19. Oktober 2015 erhängt in seiner Zelle in der JVA Uelzen aufgefunden wurde. Er war 24 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt. Der junge Mann war erst wenige Tage zuvor in Haft genommen worden. Gegen ihn wurde wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt. Laut der JVA gab es keine Hinweise auf eine „Suizid“gefährdung.

www.haz.de

Rassismus
15. JUL
2015
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines jungen Geflüchteten aus Afghanistan, der vermutlich Mitte Juli 2015 bei Passau auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Er wurde 17 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

Die Bundespolizei traf in einer Nacht Mitte Juli 2015 bei Passau auf eine Gruppe von Geflüchteten, die auf einer Autobahnspur zu Fuß Richtung Regensburg liefen. Ein junger Mann kletterte wahrscheinlich über eine Leitplanke, um der Polizei auszuweichen, und stürzte 20 Meter in die Tiefe. Der Sturz war tödlich. Sein Leichnam wurde erst Wochen später am 1. September 2015 von einer Spaziergängerin unterhalb einer Autobahnbrücke bei Passau entdeckt. Aus Personaldokumenten, die in einem Rucksack neben dem Leichnam gefunden wurden, geht hervor, dass es sich bei dem Toten um einen 17-jährigen Geflüchteten aus Afghanistan handelte.

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. JUL
2015
SachsenSuizidGefängis

Wir gedenken Iliaz M., der am 4. Juli 2015 in der JVA Zwickau stranguliert aufgefunden wurde. Der Geflüchtete aus Pakistan war an Händen und Füßen gefesselt. Laut Obduktionsgutachten des rechtsmedizinischen Instituts Gera-Zwickau soll er sich erhängt und die Fesselungen zuvor selbst angelegt haben.

www.ari-dok.org

Rassismus
11. MÄR
2015
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken Grigorij S., der am 11. März 2015 in Memmingen von der Polizei erschossen wurde. Er wurde 48 Jahre alt.

Grigorij S. wurde von seinen Nachbar:innen als freundlich und ruhig beschrieben. Er zog Mitte der 1990er Jahre mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland, dort zerbrach die Ehe und um die Kinder entstand ein Streit. Als der Sohn bei Grigorij S. von der Polizei abgeholt wurde, um in eine Pflegefamilie gebracht zu werden, machte der Vater seinem Unmut Ausdruck. In Folge wurde er wegen Beleidigung und Verleumdung verurteilt. Wegen mehrerer Vorstrafen – wofür ist uns nicht bekannt – bekam er eine zwölfmonatige Freiheitsstrafe.

Den Haftantritt ließ Grigoij S. verstreichen. Als er von sechs Zivilpolizisten vor seiner Haustür abgeholt wurde – unter ihnen jener Polizist, der seinen Sohn abgeholt hatte - soll er ein Messer gezückt haben und rückwärts davon gelaufen sein. Kurz darauf wurde er aus der Distanz von nur einem Meter erschossen – aus der Pistole des ihm schon bekannten Polizisten. Von der Schusssituation gibt es keine unabhängigen Zeug:innen. Die Staatsanwaltschaft ging sehr schnell von Notwehr aus und eröffnete kein Verfahren gegen den Todesschützen.

taz.de

zuhause/private WohnungRassismus
04. DEZ
2014
Schleswig-HolsteinErschießungPolizei

Wir gedenken eines somalischen Geflüchteten, der am 4. Dezember 2014 in Husum vor seinem Wohnhaus von der Polizei erschossen wurde. Er war 24 Jahre alt. 

Der Mann soll bei einem Streit ein in seinem Haus lebendes Ehepaar mit einem Messer verletzt haben. Das Paar flüchtete auf die Straße. Herbeigerufene Polizist:innen forderten den Mann, nach eigenen Angaben, auf, aus dem Haus herauszukommen. Er soll daraufhin mit dem Messer in der Hand auf einen Beamten zugelaufen sein, der fünfmal auf ihn schoss. Der Mann starb noch vor Ort an inneren Blutungen. Knapp 12 Stunden später gab die Staatsanwaltschaft Flensburg bekannt, dass „zwingend“ von einer Notwehrsituation ausgegangen werde. Im Februar 2015 wurde das Verfahren gegen den Todesschützen eingestellt. 

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
31. AUG
2014
Nordrhein-Westfalenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Constantin M., der in der Nacht vom 30. auf den 31. August 2014 tot in seiner Zelle in der JVA Herford aufgefunden wurde. Er war 21 Jahre alt.

Nach einem Einbruchsdelikt wurde Constantin M. zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis verletzte er sich immer wieder selbst und überlebte mehrere „Suizid“versuche. Obwohl Constantin M. von Ärzt:innen des JVA Krankenhauses als nicht haftfähig beurteilt wurde, veranlasste die Gefängnisleitung die weitere Inhaftierung unter Gewaltanwendung wie Isolationshaft und Fixierung. Begründet wurde dies mit höheren Kosten einer alternativen, psychiatrisch betreuten Unterbringung und der einfacheren Ermöglichung einer Abschiebung. Constantin M. starb letztlich nach größten Qualen an einer unbehandelten Bauchfellentzündung. Schon eine Woche vor seinem Tod klagte er über Bauchschmerzen; eine ausführliche Diagnose und entsprechende Behandlung wurden ihm verwehrt. Die Mutter und der Bruder von Constantin M., die in Baden-Württemberg leben, erfuhren von dessen Tod erst durch einen Bericht im rumänischen Fernsehen. Die Leiche war zu diesem Zeitpunkt bereits eingeäschert.

www.lz.de

Rassismus
09. AUG
2014
Baden-Württembergunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Rasmane Koala aus Burkina Faso, der am 9. August 2014 tot in seiner Zelle in der JVA Bruchsal aufgefunden wurde. Er wurde 33 Jahre alt.

Rasmane Koala war zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er 2011 seine Partnerin bei einem Streit erstochen hatte. In der Haft soll er sich gegenüber Vollzugsbeamt:innen aggressiv verhalten haben. Ab Mitte 2012 wurde Rasmane Koala vollständig von anderen Gefangenen isoliert. Ab Februar 2014 soll er die Anstaltsverpflegung verweigert und sich nur noch von Müsli und Wasser ernährt haben. Er magerte immer mehr ab und wog vor seinem Tod bei 1,85 Meter Körpergröße nur noch 57 Kilo. Als Todesursache stellte die Staatsanwaltschaft Unter- und Mangelernährung fest. Nach Rasmane Koalas Tod wurde bekannt, dass die JVA es versäumt hatte, die Essensverweigerung an das Justizministerium zu melden. Auch war das Ministerium nicht über die andauernde Isolationshaft informiert, die eigentlich alle drei Monate von Neuem genehmigt werden muss. Laut einer internen Mail ging der Anstaltsleiter davon aus, dass Rasmane Koala an behandlungsbedürftigen „Wahnvorstellungen“ litt.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe leitete daher gegen den JVA-Leiter und die Anstaltsärztin ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung ein, das jedoch später ergebnislos eingestellt wurde. Außerdem suspendierte der baden-württembergische Justizminister den JVA-Leiter und beauftragte eine Expertenkommission mit der Erarbeitung von Vorschlägen zum Umgang mit psychisch auffälligen Gefangenen.

Anmerkung: Wir richten uns gegen jede Verharmlosung und Rechtfertigung von patriarchaler Gewalt. Dass wir auch die Todesfälle etwaiger Täter:innen in unsere Chronik aufnehmen, bedeutet keine Billigung des vorherigen Verhaltens. Entscheidend für die Aufnahme in unsere Statistik ist, ob die Todesumstände in unsere Recherchekriterien fallen.

www.taz.de

Rassismus
25. JUL
2014
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken André B., der am 25. Juli 2014 in Burghausen (Bayern) von einem Zivilfahnder von hinten erschossen wurde. Er war 33 Jahre alt.

Zwei Zivilbeamte sollten am Abend des 25. Juli 2014 einen Haftbefehl gegen André B. vollstrecken. Er wurde verdächtigt, mit Marihuana gehandelt zu haben. Die Polizisten erwarteten André B. vor dem Haus, in dem seine Freundin wohnte. Um kurz nach 18 Uhr soll einer der Beamten im Hinterhof des Wohnblocks zunächst einen Warnschuss abgegeben und dann gezielt auf André B. geschossen haben. Er wurde am Hinterkopf getroffen und so schwer verletzt, dass er noch vor Ort starb. Wieso der Polizist auf André B. schoss, lässt sich der Berichterstattung nicht entnehmen.

Anwohner:innen legten an der Stelle, an der André B. erschossen wurde, Kerzen und Blumen ab und übten scharfe Kritik an der Polizei: Die Einsatzkräfte hätten André B. sofort eine Decke über den Kopf gelegt, ohne Wiederbelebungsversuche zu unternehmen. Auch habe es 45 Minuten gedauert, bis ein Notarzt gekommen sei. Am Tag nach André B.s Tod versammelten sich rund 50 Personen zu einer nichtangemeldeten Demo und skandierten „Polizei – Mörder“. 2016 stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen den Todesschützen ein.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
24. MAI
2014
Bayernphysische GewaltGefängis

Wir gedenken Muslim H., der am 24. Mai 2014 von Angestellten der JVA Landshut umgebracht wurde. Er war 28 Jahre alt.

In der Nacht des 24. Mai 2014 soll Muslim H. nach Angaben der JVA-Angestellten eine Fensterscheibe seiner Zelle zerschlagen haben, um sich selbst zu verletzen. Als die Wachmänner einschreiten wollten, soll Muslim H. sie mit einer Scherbe bedroht und dabei auch zwei Menschen verletzt haben. Acht Männer brachten den Geflüchteten aus dem Kosovo daraufhin unter „Anwendung unmittelbaren Zwangs“ zu Boden. Durch die exzessive Gewalteinwirkung kollabierte er und erlitt einen Herzstillstand. Reanimierungsversuche hatten zunächst Erfolg, später erlag Muslim H. jedoch im Krankenhaus Landshut-Achdorf seinen Verletzungen.

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Rassismus
23. FEB
2013
Hessenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken José C., der am 23. Februar 2013 in der JVA Wehlheiden (Kassel) an Herzversagen starb. Er wurde 54 Jahre alt. José C. hatte kurz vor seinem Tod einen Notruf abgesetzt. Zellennachbarn berichten darüber hinaus über Schlaggeräusche aus José C.‘s Zelle. Die Alarmleuchte über seiner Zellentür war über längere Zeit in Betrieb. Dennoch kam kein:er José C. zur Hilfe. Warum die diensthabenden JVA-Beamt:innen nicht angemessen auf den Notruf reagierten ist bis heute ungeklärt. José C. war ein wichtiger Zeuge der Tötung des Häftlings Janusz W. durch einen Mithäftling ein Jahr zuvor.

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Rassismus
26. NOV
2012
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Mannes, der am 26. November 2012 erhängt in der JVA München aufgefunden wurde. Der Mann saß dort in Abschiebehaft. Er wurde 37 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

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Rassismus
14. OKT
2012
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Mannes, der am 14. Oktober 2012 tot in der Abschiebehaft der JVA München aufgefunden wurde. Er wurde 56 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

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Rassismus
16. SEP
2012
Hessenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Janusz W., der am 16. September 2012 tot in seiner Zelle in der JVA Wehlheiden in Kassel aufgefunden wurde. Er sollte bald nach Polen abgeschoben werden, wurde aber zuvor Opfer einer Gewalttat: Offenbar tötete sein Zellengenosse ihn durch stumpfe Gewalteinwirkung.

Um den Todesfall entwickelte sich ein Justizskandal: Zunächst wurde vom Anstaltsarzt trotz offensichtlicher Spuren eine natürliche Todesursache attestiert. Auch die Angabe von zwei Mitgefangenen, dass laute Schreie zu hören waren, wurde ignoriert. Erst nach der Obduktion, bei der massive Verletzungen festgestellt wurden, war nicht mehr zu leugnen, dass Janusz W. durch eine andere Person getötet wurde. Schon bei einem früheren Aufenthalt des Zellengenossen in der JVA Wehlheiden wurde in dessen Akte vermerkt, dass er psychotisch und gefährlich sei. Er hätte nicht eingesperrt werden dürfen, und schon gar nicht gemeinsam mit Janusz W.

Es ist zu vermuten, dass der Fehler vertuscht werden sollte. Neben den Fehlangaben und unglaubwürdigen Aussagen von Verantwortlichen wurden auch Journalist:innen, die über den Fall berichtet hatten, kriminalisiert. Nur fünf Monate später starb im gleichen Gefängnis der Spanier Jose C. Er war einer der Menschen, die die Schreie von Janusz W. gehört hatten und somit wichtiger Zeuge in den folgenden Prozessen. Offiziell lautet die Todesursache Herzstillstand, aber Zellennachbarn berichteten von Schlaggeräuschen.

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Rassismus
17. AUG
2012
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen, der am 17. August 2012 während seiner Abschiebehaft in der JVA Nürnberg durch Ersticken starb. Er war 50 Jahre alt. Weitere Informationen zu der Person oder den Todesumständen sind uns nicht bekannt.

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Rassismus
07. JUL
2012
Nordrhein-Westfalenunterlassene HilfeleistungPolizei

Wir gedenken Ousman Sey, der am 7. Juli 2012 in Polizeigewahrsam in Dortmund ums Leben kam. Er wurde 45 Jahre alt.

Ousman Sey hatte zweimal einen Krankenwagen gerufen und gegenüber den Sanitäter:innen über Herzrasen geklagt. Er soll in seiner Wohnung randaliert haben, woraufhin vermutlich Nachbar:innen die Polizei verständigt hatten. Seinem Drängen, wegen der Herzprobleme ins Krankenhaus eingewiesen zu werden, wurde nicht nachgekommen. Stattdessen wurde er auf die Polizeiwache gebracht, wo er zusammenbrach und schließlich verstarb. Die überlebensnotwendige medizinische Betreuung wurde ihm versagt. Die Ermittlungen gegen die beteiligten Polizeibeamt:innen wurden eingestellt.

polizeigewalt.noblogs.org

PolizeiwacheRassismus
13. FEB
2012
Hamburgunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken Barry Bubaker, der am Morgen des 13. Februar 2012 tot in seiner Zelle im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt in Hamburg aufgefunden wurde. Der Geflüchtete aus Sierra-Leone soll infolge eines epileptischen Anfalls an Erbrochenem erstickt sein. Er wurde 25 Jahre alt.

Barry Bubaker wurde in Sierra Leone als Kindersoldat missbraucht, bis ihm mit 15 Jahren die Flucht gelang. Durch sein Schicksal im Bürgerkrieg war er chronisch krank und schwer traumatisiert. 2007 erhielt er ein Aufenthaltsrecht in Deutschland. Er musste aber weiterhin in Geflüchtetenunterkünften leben, weil er keine Wohnung finden konnte.

Am 31. Januar 2012 soll Barry Bubaker an einer Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein und wurde festgenommen. Am nächsten Tag erließ ein Haftrichter wegen Verdachts auf Körperverletzung einen Haftbefehl gegen ihn. Nach einem Krampfanfall wurde er am 2. Februar ins Zentralkrankenhaus verlegt, seine Haftfähigkeit jedoch zu keinem Zeitpunkt angezweifelt. Am Nachmittag des 12. Februar wurde Bubaker zum letzten Mal lebend gesehen.

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Rassismus
21. OKT
2011
Schleswig-HolsteinZellenbrandGefängis

Wir gedenken eines Mannes aus Algerien, der in der Nacht vom 21. Oktober 2011 in seiner Zelle der JVA Neumünster verbrannte. Er war 36 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Zellennachbarn hörten seine Hilferufe und lösten den Feueralarm aus. Ihrer Aussage nach reagierten die JVA-Beamt:innen erst zehn Minuten später. Da die Tür der Zelle sich durch die Hitze verzogen hatte, konnte sie zunächst nicht geöffnet werden. Bei Eintreffen der Rettungskräfte war der Algerier bereits tot.

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Rassismus
19. MAI
2011
HessenErschießungPolizei

Wir gedenken der Nigerianerin Christy Schwundeck, die am 19. Mai 2011 von der Polizei in Frankfurt (Main) erschossen wurde. Sie war 39 Jahre alt.

Christy Schwundeck befand sich im Jobcenter und fragte dort nach dem ihr zustehenden Geld. Als sie aufgefordert wurde zu gehen, blieb sie sitzen und beharrte darauf so lange zu bleiben, bis das ihr zustehende Geld ausgezahlt wird. Der Mitarbeiter des Jobcenters rief daraufhin die Polizei. Die herbeigerufene Polizistin feuerte kurze Zeit später mehrere Schüsse aus zwei Metern Entfernung auf Christy Schwundeck ab. Ein Pfeffersprayeinsatz wurde von der Polizei abgelehnt, so die Staatsanwaltschaft, da er in einem geschlossenen Raum auch bei unbeteiligten Personen zu „gereizten Augen“ geführt hätte.

Noch am Tag der Erschießung behauptete damals die Staatsanwaltschaft Frankfurt, es handele sich eindeutig um Notwehr. Bis heute sind die Umstände des Todes von Christy Schwundeck weder aufgeklärt noch die betreffenden Staatsbeamt:innen zur Rechenschaft gezogen worden. Einen Klageerzwingungsantrag der Angehörigen lehnte das Oberlandesgericht ab.

wikipedia.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
08. FEB
2011
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Geflüchteten aus dem Iran, der am 8. Februar 2011 in der JVA München-Stadelheim tot aufgefunden wurde. Zuvor saß er zwei Monate in Abschiebehaft. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der Mann sollte nach Bulgarien abgeschoben werden, weil Bulgarien gemäß der Dublin-Verordnung für sein Asylverfahren zuständig war.

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Rassismus
10. JUL
2010
Thüringenunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken eines Mannes mit polnischer Staatsbürgerschaft, dessen Namen wir nicht kennen. Am 10. Juli 2010 starb der 32-jährige Mann in der JVA Tonna.

Der Mann war zuvor, nachdem er in seiner Zelle randaliert haben soll, gefesselt und in den videoüberwachten „besonders gesicherten Haftraum“ (BGH) gesteckt worden. Nach seiner Ankunft wurde er von einem Sanitäter untersucht, es wurden keine Auffälligkeiten festgestellt. Im BGH wurde er dann von den Beamt:innen bei sehr hohen Außentemperaturen von bis zu 35 Grad Celsius über zwölf Stunden gefesselt gehalten. Es wurde nicht gelüftet oder gekühlt und er bekam auch nicht ausreichend zu trinken.

Nach 12 Stunden hörte er auf sich zu bewegen. Erst anschließend wurde der Notarzt gerufen. Er wurde in das Krankenhaus in Bad Langensalza eingeliefert, wo er kurz darauf verstarb. Ende Juli 2010 wurde durch das Ministerium bekanntgegeben, dass er an einer „schwerwiegenden Fehlregulierung der Körpertemperatur“, d.h. an Überhitzung, gestorben sei und dass ein Zusammenhang mit den Haftbedingungen nicht auszuschließen sei. Anderthalb Jahre später wurden alle Verfahren eingestellt, es kam nie zu einer Anklageerhebung.

www.gefangenensolijena.noblogs.org

Rassismus
02. JUL
2010
NiedersachsenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Slawik C., der am 2. Juli 2010 in der JVA Hannover-Langenhagen erhängt aufgefunden wurde. Er war 58 Jahre alt.

Der Armenier war 1999 mit seiner Frau und seinem Sohn aus Aserbaidschan nach Deutschland geflohen, nachdem ein weiterer Sohn während des Militärdienstes auf ungeklärte Weise ums Leben gekommen war. Ihre Asylanträge wurden 2003 endgültig abgelehnt, danach lebten sie mit einer Duldung in Deutschland. Als Slawik C. am 28. Juni 2010 in der Ausländerbehörde sein Duldungspapier verlängern lassen wollte, wurde er in Abschiebehaft genommen. Er sollte am 7. Juli 2010 ohne seine Frau nach Armenien abgeschoben werden, obwohl er aus Aserbaidschan kam. Die Ausländerbehörde hatte ihn mit einer anderen Person verwechselt und mit den falschen Daten bei der armenischen Botschaft ein Passersatzpapier beantragt.

Nach dem Tod von Slawik C. versuchte die Ausländerbehörde, seine 55-jährige Witwe abzuschieben. Dies konnte jedoch durch Freund:innen, Nachbar:innen und Lokalpolitiker:innen verhindert werden. Am 6. Oktober 2011 entschied der Bundesgerichtshof, dass die Haft von Slawik C. rechtswidrig war.

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Rassismus
16. APR
2010
HamburgSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Yeni P., die am 16. April 2010 in der Hamburger JVA Hahnöfersand erhängt aufgefunden wurde. Sie war 34 Jahre alt.  

Yeni P. zog 1996 von Indonesien nach Deutschland. Ihre Asylanträge wurden mehrfach abgelehnt. Wegen Verstoßes gegen das Aufenthaltsgesetz kam sie 2010 erst in Untersuchungshaft und dann ins Frauengefängnis nach Hahnöfersand – in Vorbereitung ihrer Abschiebung. Die Angst vor der anstehenden Abschiebung trieb sie in den Tod.

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Rassismus
07. MÄR
2010
HamburgSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken David M., der am 7. März 2010 tot im Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis in Hamburg aufgefunden wurde. Er war 17 Jahre alt. Er soll sich mit einem zerrissenen und am Fenstergitter befestigten Bettlaken das Leben genommen haben.  

Der georgische Staatsbürger wollte gemeinsam mit zwei anderen Asylsuchenden am 7. Februar 2010 einen Antrag auf Asyl stellen. Alle drei wurden daraufhin von der Polizei festgenommen und wegen "illegalen Aufenthalts" inhaftiert. Da durch Abgleich der Fingerabdrücke festgestellt wurde, dass David M. zuvor sowohl in Polen als auch in der Schweiz Asylanträge gestellt hatte, wurde für ihn im Rahmen des Dublin-II-Abkommens die sogenannte Zurückschiebungshaft angeordnet. Die „Zurückschiebung“ sollte am 9. März 2010 erfolgen.  

Schon am 17. Februar 2010 hatte David M. aus Protest gegen seine Gefangenschaft einen Hungerstreik begonnen; ein Psychologe attestierte bei ihm eine erhöhte Gefahr der Selbstverletzung bzw. einer drohenden Selbsttötung. Daraufhin leitete die Haftanstalt „besondere Sicherungsmaßnahmen“ inklusive Videoüberwachung ein. Am 25. Februar wurde David M. schließlich in das Zentralkrankenhaus der Untersuchungshaftanstalt verlegt, weil sich sein Gesundheitszustand aufgrund seines Hungerstreiks stark verschlechtert hatte. Auch hier sollten die „besonderen Sicherungsmaßnahmen“ fortgesetzt werden. Jedoch hatte am 7. März 2010 zwischen 11:30 und 15:50 Uhr niemand den Monitor für die Videoüberwachung kontrolliert. In diesem Zeitraum starb David M., nach Behördenangaben an „Suizid“.

www.ari-dok.org

Rassismus
28. FEB
2010
Berlinphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Slieman Hamade, der am 28. Februar 2010 von Berliner Polizisten umgebracht wurde. Er war 32 Jahre alt.

Am Abend des 28. Februar 2010 war Slieman Hamade wegen lauter Musik der Nachbarn sehr aufgebracht. Um einen Konflikt zwischen ihm und seinen Nachbarn zu vermeiden, verständigten seine Familienangehörigen die Polizei. Diese rückte an und verwies Slieman Hamade gewaltsam aus der Wohnung.

Bei dem Versuch, dorthin zurückzugelangen, wurde er von drei Polizist:innen gefesselt, getreten, niedergedrückt und mit Pfefferspray misshandelt, das ihm direkt in Mund und Nase gesprüht wurde. Wenig später starb er an den Folgen dieser massiven Gewaltanwendung. Die Ermittlungen gegen die eingesetzten Polizisten wurden wenig später eingestellt.

www.kop-berlin.de

zuhause/private WohnungRassismus
21. AUG
2009
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken Mahmud O., der am 21. August 2009 in der JVA Nürnberg erhängt aufgefunden wurde. Er war 26 Jahre alt.

Der Iraker war im Alter von 18 Jahren im August 2001 in die BRD eingereist und wurde ein Jahr später als Geflüchteter anerkannt. Er bekam daraufhin einen internationalen Reiseausweis und eine Aufenthaltsbefugnis. Dieser Status wurde ihm durch ein Widerrufsverfahren des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge am 20. Januar 2006 wieder genommen.

Am 7. Mai 2007 erhielt er eine Duldung und zog in eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge ein. Er bekam Depressionen und begab sich in nervenärztliche Behandlung. Zur Therapie gehörten auch Psychopharmaka, die in Haft weiter gegeben wurden. Obwohl dem Haftrichter und auch der Anstaltsleitung die psychischen Probleme von Mahmud O. bekannt waren, behauptete die JVA-Leitung nach dessen Tod, dass weder der Arzt noch die Psychologin der JVA Hinweise auf eine „Suizid“gefahr gesehen hätten. In der Einzelzelle, in der er aufgefunden wurde, war Mahmud O. 23 Stunden am Tag eingesperrt. Zeug:innen bestätigen, dass er Anträge gestellt hatte, in eine Gemeinschaftszelle verlegt zu werden; die JVA bestreitet, solche Anträge erhalten zu haben.

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Rassismus
31. DEZ
2008
Baden-WürttembergSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines jungen Mannes, der die Abschiebehaft in Rottenburg (Baden-Württemberg) nicht überlebte. Wir kennen seinen Namen und sein genaues Alter nicht. Er sollte in die Türkei abgeschoben werden und hatte große Angst davor. Er wurde erhängt aufgefunden.

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Rassismus
14. OKT
2008
SachsenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken D. V. Q., der sich am 14. Oktober 2014 in der JVA Bautzen erhängt haben soll. Er war 40 Jahre alt.

Der Geflüchtete aus Vietnam war einige Tage zuvor bei einer Razzia in einer Geflüchtetenunterkunft festgenommen worden, weil er keine gültigen Ausweispapiere hatte. D. V. Q. hatte große Angst vor einer Abschiebung und befand sich in einem psychisch labilen Zustand. Trotzdem wurde er in Abschiebehaft genommen. Nach dem Aufschluss soll er sich in einer Toilette stranguliert haben.

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Rassismus
16. JUL
2008
Bayernunterlassene HilfeleistungGefängis

Wir gedenken David Sargarian, der am 16. Juli 2008 in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg aufgrund unterlassener Hilfeleistung ums Leben kam. Er wurde 23 Jahre alt.

Der Untersuchungsgefange aus Armenien fügte sich in der Nacht in seiner Zelle mit einer Rasierklinge an beiden Armen tiefe Schnittwunden zu. Dann rief er um Hilfe und drückte den Alarmknopf. Zwei Justizbeamt:innen warfen durch die Klappe an der Zellentür einen Blick auf den stark blutenden Mann, entfernten sich jedoch wieder. Es dauerte 20 Minuten, bis zwei Sanitäter:innen erschienen. Der Schwerverletzte wurde in der Krankenabteilung nur provisorisch versorgt. Anschließend sollte er in einen „Gefängnisraum ohne gefährliche Gegenstände“ gebracht werden. Auf dem Weg dorthin verlor er das Bewusstsein. Als zehn Minuten später ein Notarzt eintraf, war David Sargarian bereits tot. Die Obduktion ergab, dass er an den Folgen des starken Blutverlustes gestorben war.

Seine Eltern stellten gegen die JVA-Beamt:innen und das medizinische Personal u.a. wegen fahrlässiger Tötung und unterlassener Hilfeleistung Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen einen Gefängnisarzt und einen Pflegedienstmitarbeiter. Der Prozess endete für beide mit einem Freispruch.

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Rassismus
15. JUL
2008
BremenSuizidGefängis

Wir gedenken Ibourahima K., der am 15. Juli 2008 im Jugend-Trakt der Bremer JVA Oslebshausen tot aufgefunden wurde. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben. Er wurde 16 Jahre alt.

Ibourahima K. war mit 14 Jahren aus der Elfenbeinküste nach Deutschland gekommen. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Er bekam eine Duldung und erfuhr kaum Unterstützung. Aus einer kleinen Wohnung, in der er vorübergehend mit seiner deutschen Freundin lebte, wurde er bei Erreichen des 16. Lebensjahrs geräumt. In einem ihm zugewiesenen Erwachsenenwohnheim meldete er sich nicht. Am 1. November 2007 wurde Ibourahima K. am Bremer Bahnhofsvorplatz festgenommen, es folgte eine Verurteilung zu einer Haftstrafe wegen diverser Straftaten. Am 15. Juli 2008 starb er in der JVA.

www.ari-dok.org

Rassismus
05. MÄR
2008
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Adem Özdamar, der am 5. März 2008 in einem Krankenhaus in Hagen starb, nachdem er bei einem Polizeieinsatz am 27. Februar 2008 ins Koma gefallen war. Er war 26 Jahre alt.

Adem Özdamar hatte in der Nacht des 17. Februar 2008 die Polizei gerufen, weil er sich bedroht fühlte. Die Beamt:innen nahmen ihn mit zur Wache. Dort soll er in Panik geraten sein. Ein Polizist setzte Pfefferspray gegen ihn ein. Dann wurde Adem Özdamar auf dem Bauch liegend mit Handschellen, Fußfesseln und Gurten auf einer Liege fixiert. Mindestens fünfzehn Minuten soll er in dieser Position geblieben sein. Eine herbeigerufene Notärztin stellte fest, dass Adem Özdamar nicht mehr atmete. Es dauerte mehrere Minuten, bis die Beamt:innen alle Fesseln gelöst hatten. Nach zwanzig Minuten gelang es der Ärztin, Adem Özdamar wiederzubeleben. Er fiel aber ins Koma und starb am 5. März 2008 im Krankenhaus. Die Todesursache wurde bis heute nicht aufgeklärt. Einen sogenannten lagebedingten Erstickungstod schloss die Staatsanwaltschaft aus. Ein Gerichtsmediziner stellte in Adem Özdamars Gesicht Hämatome fest, die auf eine „stumpfe Gewaltanwendung“ hindeuteten. Ein niedergelassener Radiologe überprüfte im Auftrag der Familie die im Krankenhaus gemachten Röntgenbilder und CT-Aufnahmen und diagnostizierte einen Bruch des Nasenbeins. In der von der Staatsanwaltschaft angeordneten Autopsie wurde dies jedoch nicht bestätigt.

Der Anwalt der Familie Özdamar hatte Zweifel an der Unparteilichkeit der zuständigen Staatsanwaltschaft und versuchte zu erreichen, dass eine andere Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernimmt. Sein Antrag wurde aber abgelehnt, auch ein Klageerzwingungsverfahren scheiterte. Das Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Polizeibeamten wurde im Juni 2008 eingestellt. Adem Özdamars Tod zog auch keine disziplinarischen Konsequenzen nach sich. Laut offizieller Darstellung soll er an einem Gehirn-Ödem gestorben sein.

www.amnesty.de

PolizeiwacheRassismus
01. JAN
2008
BerlinSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Mohamed M., der am 30. Dezember 2007 erhängt im Abschiebegefängnis Berlin-Köpenick aufgefunden wurde. Zwei Tage später erlag er seinen Verletzungen. Er wurde 28 Jahre alt.

Der Tunesier war zuvor aus der Haft heraus aufgrund verschiedener Verhaltensauffälligkeiten zur psychiatrischen Untersuchung in das Krankenhaus Hedwigshöhe eingewiesen worden. Die dortigen Psycholog:innen empfahlen eine Wiedervorstellung bei Verschlechterung seines Zustandes. Diese Vorgeschichte missachtend, bekam Mohamed M. keinerlei Unterstützung durch die anstaltseigene Psychologin oder einem der Sozialpädagogen.

www.ari-dok.org

Rassismus
02. OKT
2007
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken eines russisch-deutschen Mannes, der am 2. Oktober 2007 in Löhne von einem Polizisten erschossen wurde. Er war 33 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

Die Polizei versuchte, den sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindlichen Mann in seiner Wohnung in Gewahrsam zu nehmen. Laut Polizei soll er sich mit einem Messer gewehrt haben. Ein Polizist eröffnete das Feuer und traf den Mann tödlich.

www.augsburger-allgemeine.de

zuhause/private WohnungRassismus
27. JUN
2007
HamburgErschießungPolizei

Wir gedenken Tibor C., der am 27. Juni 2007 in Hamburg von einem Zivilfahnder erschossen wurde. Er war 27 Jahre alt.

Nach einer längeren Observation stoppten sieben Zivilbeamt:innen ein Fahrzeug mutmaßlicher Bankbetrüger. Einer der Polizist:innen trat mit gezogener Schusswaffe von hinten an das Fahrzeug heran. Dabei löste sich ein Schuss und traf den Fahrer in den Rücken. Tibor C. starb noch vor Ort.

archiv.cilip.de, www.welt.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
27. JUN
2007
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Mustafa Alçalı, der am 27. Juni 2007 in seiner Zelle der Haftanstalt in Frankfurt-Preungesheim durch „Suizid“ starb. Er war 30 Jahre alt.

Der Kurde saß Anfang der 2000er Jahre wegen PKK-Mitgliedschaft in der Türkei im Gefängnis. Dort wurde er schwer traumatisiert. Nach der Entlassung aus der Haft musste er Wehrdienst in der türkischen Armee leisten. 2004 desertierte er und floh zu seiner Familie nach Deutschland. Er wurde zunächst „geduldet“. Später leitete die Ausländerbehörde seine Abschiebung in die Wege.

Um dagegen zu protestieren, übergoss Mustafa Alçalı sich am 16. Mai 2007 in Hanau auf offener Straße mit Benzin und drohte, sich und andere zu verbrennen. Er wurde in eine psychiatrische Klinik gebracht. Die dortigen Ärzt:innen warnten wegen Suizidgefahr dringend davor, die Abschiebung zu vollziehen. Dennoch verhängte das Amtsgericht Hanau am 15. Juni 2007 Abschiebehaft gegen Mustafa Alçalı. Am 22. Juni wurde er zur Vollstreckung der Abschiebung in die JVA Frankfurt gebracht, wo er am Morgen des 27. Juni starb.

www.ari-dok.org

Rassismus
14. MAI
2007
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken eines Schwarzen Menschen aus Frankreich, dessen Name uns nicht bekannt ist. Er starb am 14. Mai 2007 in Folge einer gewaltvollen Fixierung durch die Polizei Hagen. Er war 35 Jahre alt.

Der Mann war wegen einer Psychose ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der behandelnde Arzt rief daraufhin drei Polizeibeamt:innen zu Hilfe, um den 35-Jährigen mit Medikamenten „ruhig zu stellen“. Die Beamt:innen fesselten ihn dann an Händen, Füßen und am Kinn. Dabei soll er einen Herzstillstand erlitten haben. Ein Ermittlungsverfahren gegen die beteiligten Beamt:innen wurde eingestellt. Für ein Fehlverhalten gebe es angeblich keine Anhaltspunkte.

www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
01. DEZ
2006
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken eines libanesischen Mannes, der am 1. Dezember 2006 in Zell am Main bei Würzburg von der Polizei erschossen wurde. Er war 36 Jahre alt. 

Der Mann soll laut Medienberichten am Nachmittag des 1. Dezember in einem Kloster randaliert haben. Mit einer Eisenstange habe er die Scheiben mehrerer parkender Fahrzeuge eingeschlagen. Anschließend soll er den Leiter des Klosters angegriffen haben, der eine Kopfverletzung erlitt. Herbeigerufene Polizeibeamt:innen setzten laut eigenen Angaben Pfefferspray gegen den Mann ein, was aber keine Wirkung gezeigt habe. Dann gaben sie zwei Schüsse auf ihn ab. Er brach zusammen und starb wenig später im Krankenhaus. In einem früheren Strafverfahren war bei dem Vater zweier Kinder eine eingeschränkte Schuldfähigkeit festgestellt worden. In Medienberichten wird der Vorfall als Amoklauf beschrieben.

www.faz.net, www.welt.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
29. OKT
2006
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken Asseged A. aus Äthiopien, der am 26. Oktober 2006 erhängt in der JVA Stadelheim in München aufgefunden wurde. Er war 32 Jahre alt.

Obwohl Asseged A. zunächst erfolgreich reanimiert werden konnte, starb er drei Tage später in einem Krankenhaus. Kurz zuvor hatte er einen Brief von der Ausländerbehörde erhalten, bei dem es sich wahrscheinlich um eine schriftliche Anhörung zur Abschiebung gehandelt hat.

www.ari-dok.org

Rassismus
08. MAI
2006
Nordrhein-WestfalenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Xiao Z., die am 8. Mai 2006 in einem Krankenhaus in Düsseldorf starb. Am Vortag war sie erhängt in Abschiebehaft für Frauen der JVA Düsseldorf aufgefunden worden. Sie konnte zunächst reanimiert werden, erlag aber später ihren Verletzungen. Sie war 57 Jahre alt.

Zivilbeamt:innen hatten die aus Shanghai stammende Frau im Januar 2006 ohne Papiere in einem chinesischen Restaurant in Bochum aufgegriffen. In Haft stellte sie einen Antrag auf Asyl, der jedoch von den deutschen Behörden abgelehnt wurde. Am 16. Mai 2006 sollte Xiao Z. im chinesischen Generalkonsulat in Frankfurt vorgeführt werden, um ihre Abschiebung vorzubereiten.

www.ari-dok.org

Rassismus
14. APR
2006
Nordrhein-WestfalenErschießungPolizei

Wir gedenken Dominique Kouamadiou, der am 14. April 2006 in Dortmund auf offener Straße von der Polizei erschossen wurde. Er war 23 Jahre alt.  

Der psychisch angeschlagene Dominique Kouamadiou soll einen Kioskbesitzer mit einer Art Brotmesser bedroht haben. Dieser rief die Polizei, Kouamadiou soll das Polizeiauto angegriffen haben. Die Beamt:innen stiegen aus und erschossen ihn aus einer Distanz von zwei bis zehn Metern Metern; die Aussagen von Zeug:innen gehen hier auseinander. Dominique Kouamadiou war zehn Jahre zuvor als minderjähriger, unbegleiteter Geflüchteter in der BRD angekommen. Er lebte im Heim, machte gerne Musik, stand kurz vor der Mittleren Reife und hatte eine Ausbildung geplant.  

Die Ermittlungen gegen den Todesschützen stellte die Staatsanwaltschaft kurze Zeit später mit Verweis auf Notwehr ein. Die Schwester von Dominique Kouamadiou legte dagegen Beschwerde ein, eine Demonstration mit den Forderungen “Gerechtigkeit für Dominique” und “Lückenlose Aufklärung” wurde organisiert. Kurz vor der Demo wurde die Beschwerde der Schwester als unbegründet abgelehnt. 

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
29. JAN
2006
HessenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Algerien, der am 29. Januar 2006 in Gießen auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Er wurde 33 Jahre alt. Der Fahrer eines Kleintransporters wollte sich zu Fuß einer Verkehrskontrolle entziehen. Er flüchtete über einen Bahndamm, wo ihn ein Schnellzug tödlich erfasste.

www.projektwerkstatt.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
21. OKT
2005
HamburgSuizidGefängis

Wir gedenken Michail S., der am 21. Oktober 2005 mit einem Bettlaken stranguliert in seiner Hamburger Zelle aufgefunden wurde. Er war 32 Jahre alt. Michail S. wurde am Tag zuvor inhaftiert, da er keine Aufenthaltspapiere vorweisen konnte.

www.ari-dok.org

Rassismus
04. MAI
2005
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken K. P., der am 4. Mai 2005 tot in der der JVA München-Stadelheim aufgefunden wurde. Er befand sich dort in Abschiebehaft.

www.ari-dok.org

Rassismus
07. JAN
2005
Sachsen-Anhaltphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Oury Jalloh, der am 7. Januar 2005 an Händen und Füßen gefesselt in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte. Er wurde 36 Jahre alt. 

Bis heute ist die offizielle Darstellung der Justiz, Oury Jalloh habe sich selbst angezündet. Diverse unabhängige Gutachten zeigen jedoch, dass das nicht stimmen kann. Sie legen vielmehr nahe, dass Polizist:innen Oury Jalloh ermordeten und seinen Leichnam verbrannten, um schwere Misshandlungen an ihm zu vertuschen. Auch der langjährig zuständige Oberstaatsanwalt vermutete zuletzt einen Vertuschungsmord - woraufhin ihm der Fall entzogen wurde. Im Oktober 2019 wurde das Verfahren endgültig eingestellt. 

initiativeouryjalloh.wordpress.com/

PolizeiwacheRassismus
07. JAN
2005
Bremenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Laye-Alama Condé, der am 7. Januar 2005 infolge eines Brechmitteleinsatzes durch die Bremer Polizei starb. Er wurde 35 Jahre alt. 

Am 27. Dezember 2004 kam Laye-Alama Condé in Polizeigewahrsam. Ihm sollte gegen seinen Willen Brechmittel verabreicht werden, um Drogenkügelchen aufzuspüren, die er angeblich geschluckt haben soll. Dafür fixierten zwei Beamte seine Hände auf seinem Rücken, fesselten seine Füße mit Kabelbindern und pressten seinen Kopf gegen die Rückenlehne seines Stuhls. Ein Arzt des Beweissicherungsdienstes der Bremer Polizei führte Laye-Alama Condé eine Magensonde durch die Nase ein. Durch diese verabreichte er das Brechmittel. 

Obwohl es Laye-Alama Condé gesundheitlich zunehmend schlechter ging, bestand der Arzt darauf, den Eingriff fortzusetzen. Laut Zeug:innenaussage begründete er dieses Vorgehen mit der rassistischen Behauptung, dass „Schwarzafrikaner“ sich in solchen Situationen häufig tot stellen würden. Laye-Alama Condé starb am 7. Januar 2005 an den Folgen der Brechmittelfolter. 

brechmittelfolter-bremen.de

PolizeiwacheRassismus
27. SEP
2004
Nordrhein-Westfalenunterlassene HilfeleistungAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Novica M., der am 27. September 2004 im Abschiebegefängnis in Büren an einer Lungenembolie starb. Er war 23 Jahre alt.

Der Geflüchtete aus Serbien war vom 27. August bis zum 3. September 2004 wegen einer Thrombose im Krankenhaus Fröndenberg behandelt worden. Zurück in Abschiebehaft wurde die Behandlung mit Spritzen fortgeführt. Nach Aussagen von Mitgefangenen schrie Novica M. nachts häufig vor Schmerzen. Am 27. September drückt er den Notrufknopf. Er wurde auf die Sanitätsstation gebracht, starb aber gegen 9 Uhr. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

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Rassismus
11. APR
2004
HamburgSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen aus Albanien, der am 11. April 2004 im Abschiebegewahrsam in der Hamburger JVA Fuhlsbüttel erhängt aufgefunden wurde. Sein Name ist uns unbekannt. 

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Rassismus
15. MÄR
2003
HamburgTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Geflüchteten aus Kamerun, dessen Namen wir nicht kennen. Er starb am 15. März 2003 infolge einer Polizeimaßnahme. Er wurde 20 Jahre alt.  

Um einer Festnahme zu entkommen, sprang der junge Mann am Hamburger S-Bahnhof Hammerbrook von einer Brücke in den Mittelkanal. Vor den Augen von 20 Polizist:innen ging er nach nur wenigen Schwimmbewegungen unter. Erst eine gute halbe Stunde später wurde er von der herbeigerufenen Feuerwehr aus dem Wasser gezogen und reanimiert. Etwa zwei Stunden danach starb er. 

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
24. MAI
2002
BrandenburgTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Asylsuchenden aus Vietnam, der am 24. Mai 2002 auf der Flucht vor der Polizei bei Rathenow in der Havel ertrank.

Als der junge Mann am Abend des 24. Mai 2002 einen Polizeiwagen sah, lief er weg. Da die Polizei ihn verfolgte, sprang er in die Havel. In der Mitte des Flusses ging er unter. Jegliche Rettungsversuche kamen zu spät.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
31. DEZ
2001
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen, der im Jahr 2001 die Haft in einem Gefängnis in Passau nicht überlebte. Weder kennen wir den Namen der Person, noch das Alter, noch genauere Hintergründe dazu, warum sich der Mensch in Haft befunden hat und was die Umstände seines Todes waren. Auf eine entsprechende Anfrage im Landtag hin gab die bayrische Landesregierung an, die Person habe sich das Leben genommen.

www.ari-dok.org

Rassismus
12. DEZ
2001
Hamburgphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Achidi John, der am 12. Dezember 2001 infolge eines Brechmitteleinsatzes durch die Polizei Hamburg gestorben ist. Er wurde 19 Jahre alt. 

Am 9. Dezember 2001 verabreichte eine Medizinerin im Auftrag der Polizei Hamburg dem jungen Nigerianer Achidi John gegen dessen Willen und ohne Anästhesie ein aggressives Brechmittel. Die Polizei verdächtigte ihn des Verschluckens von Drogenportionen. In Kombination mit einem Herzfehler wirkte das Mittel bei Achidi John innerhalb weniger Minuten tödlich. Er verlor sogleich das Bewusstsein und musste auf die Intensivstation verlegt werden. Er starb drei Tage später an den Folgen. Das daraufhin eingeleitete Strafverfahren gegen die beteiligten Einsatzkräfte und die Ärztin wurde 2002 eingestellt. Ein von den Angehörigen eingeleitetes Klageerzwingungsverfahren lehnte das OLG Hamburg im Jahr 2003 ab. 

www.taz.de, www.ari-dok.org

PolizeiwacheRassismus
19. JUL
2001
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Nguyen Thi Nga, die am 19. Juli 2001 im bayerischen Mespelbrunn auf der Flucht vor der Polizei ums Leben kam. Sie war 34 Jahre alt.

Am frühen Morgen des 19. Juli 2001 kamen Polizeibeamt:innen in die Unterkunft der Asylsuchenden aus Vietnam und forderten sie auf, ihre Sachen zu packen. Da ihr Asylantrag abgelehnt worden war, sollte sie abgeschoben werden. Aus Angst und Panik vor der Abschiebung sprang Nguyen Thi Nga aus dem Badezimmerfenster. Schwerverletzt wurde sie ins Krankenhaus gebracht, starb dort jedoch wenig später an ihren Kopfverletzungen. Nguyen Thi Nga hatte fast sechs Jahre in Deutschland gelebt und bereits ihrer „freiwilligen“ Rückkehr nach Vietnam zugestimmt. Der Abschiebetermin war ihr nicht mitgeteilt worden.

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
14. JUL
2001
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken N'deye Mareame Sarr, die am 14. Juli 2001 in Aschaffenburg von der Polizei erschossen wurde. Sie war 26 Jahre alt.

Die junge Frau aus dem Senegal wollte ihren Sohn von ihrem weißen deutschen Ehemann abholen, von dem sie getrennt lebte. Der Mann hatte den Zweijährigen einige Tage zuvor entführt und bei sich versteckt gehalten. Weil er den Sohn nicht übergeben wollte, rief der Mann die Polizei, um N'deye Mareame Sarr aus seiner Wohnung werfen zu lassen. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein Beamter seine Waffe zog und auf N'deye Mareame Sarr schoss. Sie starb wenig später im Krankenhaus.

Um die tödliche Gewalt zu rechtfertigen, wurde N'deye Mareame Sarr im Nachhinein als „aggressiv“ und „physisch ihrem Ehemann überlegen“ dargestellt. Angeblich soll der Polizist aus „Nothilfe“ geschossen haben. Die Ermittlungen gegen den Todesschützen wurden eingestellt; er konnte anschließend bei der Polizei in Aschaffenburg im Dienst bleiben.

www.bpb.de

zuhause/private WohnungRassismus
18. APR
2001
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Vietnam, der am 18. April 2001 in der Nähe von Putzkau (Sachsen) vom Bundesgrenzschutz in den Tod getrieben wurde. Er war 25 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.  

Ein Polizeibeamter außer Dienst hatte mit seinem privaten Geländewagen die Verfolgung eines VW-Busses mit elf Insassen übernommen, der kurz zuvor die deutsch-tschechische Grenze passiert hatte. Der Wagen war ihm auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Sebnitz aufgefallen, weil sich Ausländer:innen in ihm befanden. Der Polizist verfolgte den VW-Bus rund 25 Kilometer. In der Nähe von Putzkau hielt der Transporter. Acht Personen stiegen aus und flüchteten zu Fuß weiter. Die übrigen Passagier:innen wurden verletzt, als der Bus sich plötzlich wieder in Bewegung setzte und gegen einen Baum prallte.  

Anwohner:innen informierten den Bundesgrenzschutz und die Zollfahndung. Diese verfolgten die Geflüchteten bis in die Dunkelheit mit Spürhunden und Hubschraubern. Eine Person stürzte dabei in einen Steinbruch und starb, alle anderen wurden sehr schnell abgeschoben. Juristische Folgen gab es nicht. 

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
26. JAN
2001
Nordrhein-Westfalenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken John Amadi, der am 26. Januar 2001 bei einer Polizei-Razzia in Düsseldorf gejagt und von sechs Polizist:innen niedergeschlagen, getreten und gewürgt wurde. Als er bereits am Boden lag und kein Lebenszeichen mehr von sich gab, traten die Polizist:innen noch weiter auf ihn ein. John Amadi wurde 19 Jahre alt. 

Die verantwortlichen Beamt:innen wurden nicht zur Rechenschaft gezogen. Laut Aussagen der Polizei starb der Geflüchtete aus Nigeria ohne Fremdeinwirkung an einer Vergiftung infolge eines aufgeplatzten Drogen-Kügelchens. Einem ersten Obduktionsbericht nach blieb die Todesursache „ungeklärt". Bei einer zweiten, von staatlichen Stellen unabhängigen Obduktion wurden jedoch keine Reste von eventuellen Drogenkügelchen gefunden; auch wurden keine Indizien festgestellt, die auf einen natürlichen Tod hindeuteten. 

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
31. DEZ
2000
SaarlandUnfallAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines jungen Menschen aus Algerien, der im Jahr 2000 in der JVA Ottweiler (Saarland) ums Leben kam. Er war 21 Jahre alt und befand sich in Abschiebehaft. Bei der Benutzung eines selbstgebastelten Tauchsieders soll er einen Stromschlag erlitten haben. Wir kennen weder den Namen des Mannes noch das genaue Todesdatum.

www.ari-dok.org

Rassismus
31. DEZ
2000
Sachsenunklare TodesursacheAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen aus der Ukraine, der die Haft in der JVA Leipzig nicht überlebte. Vor seinem Tod war er 41 Tage in Abschiebehaft. Der Name des Mannes ist uns nicht bekannt, auch über die Umstände und das genaue Datum seines Todes wissen wir nichts.

www.ari-dok.org

Rassismus
31. DEZ
2000
Sachsenunklare TodesursacheAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Menschen aus Litauen, der in der JVA Chemnitz ums Leben kam. Vor seinem Tod war er über vier Monate in Abschiebehaft. Der Name des Mannes ist uns nicht bekannt, auch über die Umstände und das genaue Datum seines Todes wissen wir nichts.

www.ari-dok.org

Rassismus
08. DEZ
2000
NiedersachsenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Arumugasamy S., der am 8. Dezember 2000 erhängt in der JVA Hannover-Langenhagen aufgefunden wurde. Er war 17 Jahre alt. 

Arumugasamy S. war mit zwölf Jahren allein von Sri Lanka nach Deutschland geflohen und hatte Asyl beantragt. Sein ebenfalls in Deutschland lebender Onkel wollte ihn adoptieren. Diese Tatsache ignorierend, forderte die Ausländerbehörde Osnabrück Subramaniam S. auf, „freiwillig“ auszureisen. Dieser suchte die Behörde am 6. Dezember 2000 auf, um eine Klärung zu erwirken. Dort wurde er festgenommen und in Abschiebehaft gebracht. Zwei Tage später war er tot.

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Rassismus
01. NOV
2000
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Rumänien, der am 1. November 2000 durch den Bundesgrenzschutz in den Tod getrieben wurde. Wir kennen weder seinen Namen noch sein Alter.

Gemeinsam mit drei weiteren Personen überquerte er in einem VW-Bus „unerlaubt“ die tschechisch-deutsche Grenze. Beim Grenzübergang Reitzenhain in Sachsen gerieten sie in eine Polizeikontrolle und versuchten zu fliehen. Dabei kam ihr Fahrzeug von der Straße ab und stürzte 15 Meter in die Tiefe. Drei Personen überlebten den Sturz schwer verletzt. Ein Mann starb.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
30. AUG
2000
BerlinTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Altankhou Dagwasoundel, der am 30. August 2000 bei der Flucht aus dem DRK-Krankenhaus Berlin-Köpenick in den Tod stürzte. Er war 28 Jahre alt.

Altankhou Dagwasoundel war aus Belgien in die BRD geflohen, um seiner dort angedrohten Abschiebung zu entgehen. Hier wurde er ohne Papiere aufgegriffen und befand sich etwa vier Wochen in Abschiebehaft. Am Abend vor seinem Tod war der 28-jährige Mongole aus dem Abschiebegefängnis Köpenick mit Verdacht auf Magenblutungen eingeliefert worden; im Krankenhaus stand er unter Polizeibewachung. Durch das Fenster seines Krankenzimmers versuchte er, sich mithilfe verknoteter Bettwäsche abzuseilen. Das Bettzeug riss und Altankhou Dagwasoundel stürzte von der 6. Etage in den Tod.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
16. MAI
2000
HessenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Polen, der sich am 16. Mai 2000 in der JVA Kassel III erhängt haben soll. Er war 23 Jahre alt und befand sich dort in U-Haft. Seinen Namen kennen wir nicht, auch über den Grund seiner Inhaftierung ist uns nichts bekannt.

HNA Kassel, 23. Mai 2000, S. 9

Rassismus
06. MAI
2000
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Naimah H., die am 6. Mai 2000 erhängt in Abschiebehaft im Transitbereich des Flughafens Frankfurt (Main) aufgefunden wurde. Sie wurde 40 Jahre alt.

Naimah H. war im September 1999 nach physischer und sexueller Gewalt durch die algerische Polizei nach Deutschland geflohen. Ihr Asylantrag wurde jedoch bereits nach einer Woche im Flughafenverfahren als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt. Nach einem Nervenzusammenbruch im Februar 2000 wurde sie vorübergehend aus dem Transitbereich in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht. Dort wurde sie rund um die Uhr von zwei Bundesgrenzschutzbeamt:innen bewacht. Im März kam sie in Abschiebehaft und wurde schließlich am 4. Mai 2000 zurück in den Transitbereich des Flughafens gebracht, wo sie zwei Tage später starb. Die sieben Monate Aufenthalt in der BRD musste Naimah H. ausschließlich in Gefangenschaft verbringen.

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Rassismus
03. JAN
2000
Baden-Württembergunterlassene HilfeleistungAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Nelson Quinones-Palacios, der am 3. Januar 2000 auf der Krankenstation der JVA Mannheim starb. Der Kolumbianer war dort in Abschiebehaft. 

Er hatte schon am 26. Dezember 1999 über starke Bauchschmerzen geklagt, litt an Schüttelfrost und Fieber. Ihm wurde lediglich eine Packung Kopfschmerztabletten überlassen. Ansonsten blieb er für drei Tage ohne ärztliche Versorgung. Erst nachdem Mitgefangene zwei Mal einen Antrag auf ärztliche Untersuchung gestellt hatten, wurde Nelson Quinones-Palacios medizinisch untersucht, jedoch anschließend wieder in seine Zelle zurückgeschickt. Am selben Tag verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Er kam auf die Krankenstation, auf der er wenige Tage später starb. Seine Mitgefangenen protestierten gegen diese unterlassene Hilfeleistung. Sie verfassten einen Bericht an die Staatsanwaltschaft und amnesty international. Sie boten sich darin als Zeugen an. Einige von ihnen wurden kurz darauf abgeschoben. 

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Rassismus
21. DEZ
1999
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken des bulgarischen Physikers Zdravko Nikolov Dimitrov, auf den am 10. Dezember 1999 in Braunschweig ein Sondereinsatzkommando der Polizei (SEK) schoss und der wenige Tage später seinen Verletzungen erlag. Er war 36 Jahre alt.   Der Wissenschaftler war nach Schikane und Folter von Bulgarien nach Deutschland geflohen. Er hoffte auf Asyl. Der Leiter der Ausländerbehörde Braunschweig - Edgar Wrobel - ordnete ohne vorliegenden Grund die Festnahme des Geflüchteten zwecks amtsärztlicher Untersuchung an. Zdravko Nikolov Dimitrov soll beim Eintreffen der Beamt:innen in seiner Wohnung gedroht haben, sich mit einem Küchenmesser zu töten. Daraufhin rückte das SEK an. Zdravko Nikolov Dimitrov soll infolgedessen versucht haben, sich mit einem Küchenmesser zu wehren. Die Polizist:innen warfen eine Blendgranate, stürmten die Wohnung und schossen auf ihn.  

In der Nacht auf den 21. Dezember 1999 starb er an den Folgen der Schussverletzungen. Die Schüsse wurden von offizieller Stelle als „Notwehr“ bezeichnet.

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zuhause/private WohnungRassismus
30. AUG
1999
Nordrhein-WestfalenZellenbrandAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Rachid S., der am 30. August 1999 an einer Rauchvergiftung in einer Isolationszelle in der JVA Büren starb. Er war 19 Jahre alt.

Im Zuge von „Disziplinarmaßnahmen“ wurde der junge marokkanische Geflüchtete zu einer Arreststrafe von sieben Tagen in einer Isolationszelle im Keller verurteilt. Ein Mitgefangener in einer Nachbarzelle hörte Rachid S.‘ Hilferufe, nahm Brandgeruch war und betätigte sofort den Alarmknopf in seiner Zelle. Später wurde festgestellt, dass auch in Rachid S.‘ Zelle der Alarmknopf gedrückt war. Beamt:innen der JVA trafen allerdings erst 15 Minuten nach Betätigung der Alarmknöpfe auf ihrem standardmäßigen Rundgang bei der brennenden Zelle ein.

Die staatsanwaltlichen Ermittlungen ergaben, dass das Büro, in dem die Not-Signale ankamen, nicht besetzt war und es auch keine Dienstanweisung für eine permanente Besetzung gab. Obwohl der Anwalt der Angehörigen nachweisen konnte, dass die Ermittlungen zum Tod von Rachid S. fehlerhaft geführt worden waren, wurde das Ermittlungsverfahren im Herbst 2000 eingestellt.

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Rassismus
19. AUG
1999
Nordrhein-Westfalenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken Ousmane Sow, der am 19. August 1999 an den Folgen seiner Abschiebung aus Deutschland starb.

Bereits im März 1999 sollte Ousmane Sow mit elf weiteren Personen nach Guinea abgeschoben werden. Sie wurden während des Fluges von Beamt:innen des Bundesgrenzschutzes rassistisch beleidigt, bedroht und körperlich misshandelt. Die Behörden in Guinea verweigerten aufgrund fehlender Papiere die Einreise, Ousmane Sow wurde wieder nach Deutschland gebracht.

Am Tag seiner endgültigen Abschiebung am 30. Juni 1999 verabreichte man Ousmane Sow eine „Beruhigungsspritze“. Während des Fluges soll er daraufhin zu anderen abgeschobenen Asylsuchenden gesagt haben, er sei vergiftet worden. Wenige Tage nach der Ankunft in Guinea fiel er ins Koma, nachdem er zuvor über zunehmende Übelkeit, Durchfall und Erbrechen geklagt hatte. Am 19. August 1999 starb Ousmane Sow in einem Krankenhaus in Conakry an einem Leberkoma.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
28. MAI
1999
Hessenphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Aamir Ageeb, der am 28. Mai 1999 aufgrund von massiver Fixierung durch den Bundesgrenzschutz verstarb. Er war 31 Jahre alt.

Der abgelehnte Asylsuchende sollte in den Sudan abgeschoben werden. Polizist:innen des Bundesgrenzschutzes setzten ihm einen Motorradhelm auf, fesselten seine Oberschenkel und fixierten seine Arme und Beine am Sitz mit Klettbändern. Laut Rechtsmedizin drückten sie ihn in den „Erstickungstod durch massive Einwirkung von Gewalt“. Die Täter:innen wurden lediglich zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
23. MÄR
1999
Nordrhein-WestfalenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Veluppilai B., der am 23. März 1999 in der Abschiebehaftanstalt Moers tot aufgefunden wurde. Er war 39 Jahre alt.  

Veluppilai B. befürchtete, durch das Militär in Sri Lanka gefoltert und ermordet zu werden. Deswegen kündigte er den Behörden und Gerichten mehrmals an, sich im Falle einer drohenden Abschiebung selbst zu töten. Trotzdem wurde er in Abschiebehaft genommen, wo er in Hungerstreik trat, um auf seine verzweifelte Situation aufmerksam zu machen. Am 23. März 1999 wurde er erhängt aufgefunden. Seine Frau und seine siebenjährige Tochter konnten nicht an der Beerdigung teilnehmen, weil die Deutsche Botschaft sich weigerte, ihnen ein Visum auszustellen. 

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Rassismus
31. JAN
1999
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken des von den Philippinen Geflüchteten E. L., der am 31. Januar 1999 erhängt in der JVA München aufgefunden wurde. Er wurde 28 Jahre alt. Genaueres zu seinem Leben und den Umständen seines Todes ist uns unbekannt. 

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Rassismus
12. JAN
1999
Nordrhein-WestfalenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken H. Merkebu G., der am 12. Januar 1999 in Abschiebehaft starb. Der Geflüchtete aus Äthiopien wurde erhängt in seiner Zelle in Lübbecke aufgefunden. Sein Alter ist uns nicht bekannt.

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Rassismus
04. JAN
1999
Rheinland-PfalzSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken des kurdischen Sängers Berzan Öztürk (genannt Murat), der am 4. Januar 1999 im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz seinen Verletzungen erlag. Er wurde 23 Jahre alt. 

Berzan Öztürk wurde wegen seiner PKK-Aktivitäten in der Türkei verfolgt und hatte dort bereits ein Jahr in Haft gesessen. Er flüchtete in die BRD und stellte einen Asylantrag. Dieser wurde abgelehnt, Berzan Öztürk wurde in Abschiebehaft genommen. Im Gefängnis zündete er sich selbst an. Er tat dies aus "Protest gegen die jahrzehntelange Unterdrückung seines Volkes durch den türkischen Staat und Solidarität mit Selbstverbrennungen politischer Häftlinge in türkischen Gefängnissen" (Abschiedsbrief). 

Die Traueraktionen zu seinem Tod in Stuttgart wurden verboten. Auch in der Türkei gab es den Versuch die Trauerfeierlichkeiten zu unterbinden; die Trauergäste wurden dort bedroht und kriminalisiert. 

www.ari-dok.org, www.nadir.org

Rassismus
14. NOV
1998
Sachsen-AnhaltSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Harrinder C., der am 14. November 1998 in seiner Zelle der JVA Halle erhängt aufgefunden wurde. Zum Todeszeitpunkt war er 16 oder 18 Jahre alt.

Der junge Mann floh 1998 von Indien nach Deutschland. Vier Tage nach seiner Ankunft wurde er in Abschiebehaft gesperrt. Er forderte wiederholt aus dem Gefängnis entlassen zu werden und verletzte sich mehrfach selbst. Unter anderem schlug er seinen Kopf unter Anwesenheit von Sicherheitspersonal an einer Stahltischkante blutig und verweigerte zeitweise die Nahrungsaufnahme.

Obwohl Harrinder C. weder Deutsch noch Englisch sprach, besuchte ihn der Anstaltspsychologe stets nur ohne Dolmetscher:in. Bei Harrinder C.s Leichnam wurde ein Abschiedsbrief gefunden. Dieser war auf dem Papier des Ablehnungsbescheides seines Asylantrags geschrieben. Das Justizministerium von Sachsen-Anhalt erklärte trotz der bekannten Selbstverletzungen, es habe keine Anzeichen für eine Suizidgefahr gegeben.

www.ari-dok.org

Rassismus
30. JUL
1998
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
30. JUL
1998
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

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30. JUL
1998
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

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30. JUL
1998
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

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Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

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SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

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30. JUL
1998
SachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken sieben Menschen, die am 30. Juli 1998 im sächsischen Weißenborn auf der Flucht vor der Polizei starben. Ihre Namen sind Isuf Kosumi, Valdet Rezita, Sali Emini (Eminoviq), Lumni Brahimi, Artan Dauti, Zaim Dauti und Xhevdet Krasnici. Wie alt die Getöteten waren, ist uns nicht bekannt.

Am frühen Morgen des 30. Juli war dem Bundesgrenzschutz in der sächsischen Ortschaft Frauenstein ein Klein-LKW mit abgedunkelten Scheiben aufgefallen. Die Beamten versuchten, das Auto am Ortseingang von Weißenborn zu stoppen. In dem Wagen befanden sich 27 Geflüchtete aus dem Kosovo. Der 18-jährige tschechische Fahrer versuchte zu fliehen, allerdings kam der Wagen von der Straße ab und raste mit 100 Stundenkilometern gegen eine Mauer. Sechs Personen starben noch am Unfallort, ein Mensch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die übrigen 20 Geflüchteten mussten mit teils schweren Verletzungen in Krankenhäuser eingeliefert werden. Einige von ihnen wurden noch am selben Tag mehrere Stunden vom Bundesgrenzschutz verhört. Es wurde eine Kontaktsperre für alle Verletzten verhängt, was den Kontakt zu Anwält:innen und Angehörigen erschwerte. Bereits am Tag nach dem Unfall wurde einer der Geflüchteten nach Tschechien abgeschoben, weitere Abschiebungen und Inhaftierungen in Abschiebegefängnissen folgten. Der Fahrer und der Beifahrer des Fluchtautos wurden Anfang 1999 wegen fahrlässiger Tötung, der Einschleusung von Ausländern und des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr zu je vier Jahren Haft verurteilt.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
01. JUN
1998
NiedersachsenZellenbrandGefängis

Wir gedenken Hasan Akdağ, der am 1. Juni 1998 in der Vollzugsanstalt Lingen verbrannte. Er wurde 21 Jahre alt.

Hasan Akdağ hatte 1996 aus seinem Dorf in der Nähe von Diyarbakir fliehen müssen, nachdem zwei seiner Angehörigen erschossen worden waren und ihm Unterstützung der PKK vorgeworfen wurde. Die BRD lehnte sein Asylgesuch ab. Hasan Akdağ tauchte unter, wurde aber festgenommen und inhaftiert. Er sollte eine 120-tägige Haftstrafe absitzen, weil er gegen die „Residenzpflicht“ verstoßen und deswegen verhängte Geldstrafen nicht bezahlt hatte.

Sein Asylfolgeantrag, den er in Abschiebehaft stellte, wurde einige Tage vor seinem Tod abgelehnt.

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Rassismus
02. MAI
1998
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Nouredine E.A., der am 2. Mai 1998 erhängt in der JVA in Kronach, Bayern, aufgefunden wurde. Er war 26 Jahre alt.

Der marokkanische Geflüchtete hatte Marokko verlassen, nachdem er nach der Teilnahme an einer Demonstration von der Polizei verfolgt worden war. 1993 gelang es ihm, in Deutschland Asyl zu beantragen. Als sein Antrag abgelehnt wurde, tauchte er unter. An der deutsch-französischen Grenze wurde er festgenommen und in Abschiebehaft genommen.

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Rassismus
07. NOV
1997
BremenTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines jungen Mannes namens Akim, der am 7. November 1997 an seinen schweren Verletzungen starb, die er sich auf der Flucht vor der Polizei zugezogen hatte. Er wurde 24 Jahre alt.

Am 16. Oktober 1997 suchte die Polizei in einem Wohnhaus in Findorff (Bremen) nach einem Verdächtigen. Dabei öffnete sie die Tür zu Akims Wohnung im dritten Stock. Akim, der jahrelang ohne Aufenthaltspapiere in Deutschland gelebt hatte, sprang aus dem Fenster. Ein Zeuge berichtet, dass die Polizei ihm Handschellen anlegte, bevor Sanitäter ihn ins Krankenhaus brachten. Dort erlag er seinen Verletzungen.

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zuhause/private WohnungRassismus
26. JUL
1997
NiedersachsenTod auf Flucht vor GewaltakteurPrivate Sicherheitsdienste

Wir gedenken Mihai Sandu, der am 26. Juli 1997 in Oldenburg auf Flucht vor einem Wachmann ums Leben kam. Er war 27 Jahre alt.

Der Asylsuchende aus Rumänien sollte abgeschoben werden. Einem ersten Festnahmeversuch am 25. Juli 1997 konnte er sich entziehen, indem er aus einem Fenster im zweiten Stock seines Wohnheims sprang. Am nächsten Tag erkannte ihn jedoch ein Wachmann in der Kantine und nahm ihn fest. Sandu konnte sich befreien, floh aus dem Gebäude und kletterte über den Zaun des Lagers. Der Wachmann verfolgte ihn, sodass Sandu in Panik in einen nahegelegenen Fluss sprang und ertrank. Seine Leiche wurde erst Tage später geborgen.

Nach einem Bericht der „Initiative für offene Grenzen“ wurden nach Bekanntwerden des Todes von Mihai Sandu mehrere Personen ohne vorherige Ankündigung abgeschoben. Unter ihnen waren Augenzeugen der Verfolgungsjagd, die von offizieller Seite bestritten wurde.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
04. JUL
1997
Rheinland-PfalzTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Mannes, der am 4. Juli 1997 von der Polizei in den Tod getrieben wurde. Sein Name ist uns unbekannt. Er war 26 Jahre alt.

Der Geflüchtete aus Togo wollte per Anhalter reisen. An der Autobahnauffahrt Schweich (Rheinland-Pfalz) geriet er in eine Polizeikontrolle. Er versuchte zu fliehen und rannte auf die befahrene Autobahn. Die Polizei gab einen Warnschuss ab, der Mann floh weiter und sprang später in die Mosel. Dort ertrank er.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
09. JUN
1997
BayernSuizidGefängis

Wir gedenken F. F., der am 9. Juni 1997 in der JVA Augsburg starb. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben. Der Ägypter wurde 27 Jahre alt.

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Rassismus
31. MAI
1997
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Russland, der im Mai 1997 tot in der JVA Halle aufgefunden wurde. Er soll sich selbst getötet haben. Sein Name ist uns nicht bekannt. Auch das genaue Datum seines Todes kennen wir nicht. Er war 33 Jahre alt.

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Rassismus
08. FEB
1997
BrandenburgErschießungPolizei

Wir gedenken eines Mannes aus Rumänien, der am 8. Februar 1997 in Fürstenwalde (Brandenburg) von der Polizei durch einen Kopfschuss getötet wurde. Er war 23 Jahre alt.

Die Polizei hatte den jungen Mann als mutmaßlichen Einbrecher verfolgt. Der Schuss soll sich aus der Pistole eines Beamten gelöst haben, der die Waffe angeblich zur Selbstverteidigung gezogen haben soll.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
29. DEZ
1996
BerlinSuizidGefängis

Wir gedenken Salko L., der am 29. Dezember 1996 in der psychologisch-neurologischen Abteilung der JVA Tegel erhängt aufgefunden wurde. Er war 39 Jahre alt.

Der Geflüchtete aus Bosnien war zu sieben Jahren Unterbringung in der Psychiatrie verurteilt worden, weil er ein Flugzeug auf dem Weg von Berlin nach Wien entführt hatte. Auf diese Weise wollte er sich ein Aufenthaltsrecht in der BRD erpressen. Er fürchtete, nach Bosnien abgeschoben zu werden. Als das Flugzeug wieder in Tegel landete, wurde Salko L. überwältigt und festgenommen.

Er hatte seit Jahren an einer Psychose gelitten. Sein Zustand verschlechterte sich durch den Krieg in Bosnien und den Tod seines Bruders. Nach seinem Tod behauptete eine Justizsprecherin, Salko L. sei nicht akut „suizid“gefährdet gewesen. Deswegen habe man ihm seinen Gürtel nicht abgenommen.

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Rassismus
24. NOV
1996
Baden-WürttembergSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Alfa T., der am 24. November 1996 erhängt in der JVA Lörrach aufgefunden wurde. Er wurde 35 Jahre alt.

Alfa T. befand sich in Abschiebehaft und sollte nach Togo abgeschoben werden, von wo er 1994 vor politischer Verfolgung geflohen war. Er war Anhänger der Demokratiebewegung und konnte nur knapp einem politisch motivierten Mordanschlag entgehen. Obwohl er noch in medizinischer Behandlung einer chronischen Hepatitiserkrankung war, lag seinem Ablehnungsbescheid eine Ausreiseaufforderung bei. Alfa T., der von Verwandten wusste, dass er in Togo noch immer gesucht wurde, versuchte in die Schweiz zu fliehen. Dort wurde er festgenommen und in die Abschiebehaft der JVA Lörrach gebracht. Seine Abschiedsbriefe belegen, dass seine ausweglose Situation ihn den Tod trieb.

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Rassismus
14. NOV
1996
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken Bahri Yaradan, der am 14. November 1996 durch die Polizei erschossen wurde. Er wurde 25 Jahre alt. Bahri Yaradan wurde nach einer Verfolgungsfahrt von zwei Beamt:innen gestellt. Laut polizeilicher Darstellung soll sich bei seiner Verhaftung ein Schuss gelöst und ihn tödlich in den Kopf getroffen haben.

www.cilip.de, www.schusswaffeneinsatz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
15. JUL
1996
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Juri P., der am 15. Juli 1996 in der Abschiebehaftanstalt Erding (Bayern) in den Tod getrieben wurde. Er wurde 49 Jahre alt.

Juri P. war 1990 aus der Ukraine nach Deutschland geflohen. Sein Asylantrag wurde abgelehnt. Es folgten Jahre der ablehnenden Bescheide, der immer geringer werdenden Hoffnung auf eine positive Lebensperspektive, der ständigen Angst vor Abschiebung und der Depression. Im Juli 1996 gab Juri P. auf und begann, seine Rückkehr in die Ukraine vorzubereiten. Dennoch wurde er noch vor Ablauf der Ausreisefrist in Abschiebehaft genommen. Freund:innen, die Juri P. in den folgenden Tagen besuchten, sprachen die JVA-Bediensteten darauf an, dass dieser offensichtlich suizidal war. Doch die Warnungen wurden ignoriert.

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Rassismus
06. JUN
1996
HamburgTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Jude A. aus Sierra Leone, der am 06. Juni 1996 auf der Flucht vor der Polizei im Ziegelwiesenkanal in Hamburg ertrank. Er wurde 16 Jahre alt.

Als es an Jude A.s Zimmertür klopfte, vermutete er eine Polizeirazzia und sprang aus dem Fenster eines Wohnschiffes. Jude A. war in Halberstadt als Asylsuchender gemeldet und durfte sich nicht in Hamburg aufhalten. Bedienstete der Polizei und der Feuerwehr unternahmen zunächst keine Rettungsversuche. Erst mit einem Hubschrauber eingeflogenen Taucher:innen, die 40 Minuten später eintrafen, gingen ins Wasser. Sie konnten Jude A. aber nur noch tot bergen. Die Bewohner:innen des Wohnschiffes protestierten gegen dieses Verhalten der Rettungsmannschaften, indem sie Müllcontainer anzündeten.

www.ari-dok.org

zuhause/private WohnungRassismus
26. MAI
1996
HessenZellenbrandGefängis

Wir gedenken Farid S. aus Algerien, der am 26. Mai 1996 in der JVA Kassel-Wehlheiden bei einem Zellenbrand ums Leben kam. Er war 20 Jahre alt. Mit ihm kam auch sein Zellengenosse Mohamed B. ums Leben.

Die Haftgründe für beide waren „illegaler Aufenthalt“ und der Besitz von zwei Gramm Kokain. Die Straferwartung war somit gering. Da beide als drogenabhängig und einer der beiden als suizidgefährdet eingestuft wurden waren sie in der Station E im Zentralkrankenhaus der JVA untergebracht.

Die Gefängnisleitung sprach von einem „Doppelselbstmord“. Sowohl antirassistische Gruppen als auch die Feuerwehr widersprachen dieser Darstellung mit Verweis darauf, dass die Gefangenen über eine halbe Stunde um Hilfe geschrien hätten bevor etwas unternommen wurde. Die Notrufanlage war defekt und der Löschschlauch, der sich in der Nähe der Zelle befand, konnte nicht benutzt werden weil der Schlüssel zum Kasten fehlte.

www.ari-dok.org, HNA 01.10.1997

Rassismus
26. MAI
1996
HessenZellenbrandGefängis

Wir gedenken Mohamed B. aus Algerien, der am 26. Mai 1996 in der JVA Kassel-Wehlheiden bei einem Zellenbrand ums Leben kam. Er war 20 Jahre alt. Mit ihm kam auch sein Zellengenosse Farid S. ums Leben.

Die Haftgründe für beide waren „illegaler Aufenthalt“ und der Besitz von zwei Gramm Kokain. Die Straferwartung war somit gering. Da beide als drogenabhängig und einer der beiden als suizidgefährdet eingestuft wurden waren sie in der Station E im Zentralkrankenhaus der JVA untergebracht.

Die Gefängnisleitung sprach von einem „Doppelselbstmord“. Sowohl antirassistische Gruppen als auch die Feuerwehr widersprachen dieser Darstellung mit Verweis darauf, dass die Gefangenen über eine halbe Stunde um Hilfe geschrien hätten bevor etwas unternommen wurde. Die Notrufanlage war defekt und der Löschschlauch, der sich in der Nähe der Zelle befand, konnte nicht benutzt werden weil der Schlüssel zum Kasten fehlte.

www.ari-dok.org, HNA 01.10.1997

Rassismus
31. JAN
1996
HessenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Nigeria, der Anfang 1996 in der JVA Wehlheiden in Kassel durch „Suizid“ ums Leben kam. Wir kennen weder seinen Namen noch die genaueren Umstände seines Todes.

Brüche, 28, 08.1996: S. 7

Rassismus
16. NOV
1995
SachsenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines jungen Mannes aus Algerien, der am 16. November 1995 erhängt in seiner Zelle in der JVA Dresden aufgefunden wurde. Er wurde 24 Jahre alt.

Er saß in Abschiebehaft und sollte am 22. November abgeschoben werden. Zuvor war seine Abschiebung bereits zweimal gescheitert. Der junge Mann soll sich mit einem Seil aus dem Sportraum der JVA in seinem Zimmer das Leben genommen haben.

www.ari-dok.org

Rassismus
05. NOV
1995
HamburgSuizidGefängis

Wir gedenken Esser F., der am 5. November 1995 erhängt in der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis in Hamburg aufgefunden wurde. Er war 35 Jahre alt.

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Rassismus
25. AUG
1995
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines polnischen Mannes, der am 25. August 1995 erhängt in Abschiebehaft in Frankfurt am Main aufgefunden wurde. Er war 60 Jahre alt. Seinen Namen kennen wir nicht.

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Rassismus
22. AUG
1995
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines marokkanischen Mannes, der am 22. August 1995 erhängt in der JVA Frankfurt aufgefunden wurde. Er befand sich dort in Abschiebehaft. Er war 21 Jahre alt.

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Rassismus
16. AUG
1995
NiedersachsenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Louis L., der am 16. August 1995 erhängt in der JVA Wolfenbüttel aufgefunden wurde. Er wurde 29 Jahre alt. Der Nigerianer war auf Veranlassung des Ausländeramtes des Landeskreises Göttingen in Abschiebehaft genommen worden, weil er keine Aufenthaltspapiere hatte.

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Rassismus
16. JUL
1995
HessenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Menschen aus Algerien, der am 16. Juli 1995 in der JVA Wehlheiden (Kassel) starb. Er wurde am Morgen erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Wir kennen weder seinen Namen noch wissen wir wie alt er geworden ist.

Brüche, 28, 08/1996

Rassismus
17. JUN
1995
BerlinTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Vo Xuon C., der am 17. Juni 1995 im Alter von 37 Jahren von einem Zug erfasst und getötet wurde. Er war zuvor von einem Polizisten vom S-Bahnhof Köpenick in Berlin in ein nahegelegenes Waldstück verfolgt worden und auf der Flucht in den Sog eines heranfahrenden Zuges geraten.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
13. JUN
1995
Sachsen-AnhaltSuizidGefängis

Wir gedenken Moses G., der am 13. Juni 1995 in der JVA Halle starb. Der Mann aus dem Sudan wurde 22 Jahre alt. Er soll sich in seiner Zelle erhängt haben.

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Rassismus
11. JUN
1995
Sachsen-AnhaltSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Mapasi J. (Kondeca D.), der am 11. Juni 1995 in der JVA Volkstedt (Sachsen-Anhalt) starb. Der Zairer wurde erhängt in seiner Zelle aufgefunden. Er sollte am 13. Juni abgeschoben werden. Er war 30 Jahre alt.

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Rassismus
04. MAI
1995
HessenSuizidGefängis

Wir gedenken eines marokkanischen Mannes, dessen Name uns nicht bekannt ist. Er starb am 4. Mai 1995 in einem Krankenhaus in Kassel. Einige Tage zuvor soll er versucht haben, sich mit einem seinem Bettlaken in seiner Zelle in der JVA Kassel-Wehlheiden zu erhängen. Die Folgen dieses „Suizid"versuchs überlebte er nicht. Er wurde 29 Jahre alt.

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Rassismus
08. APR
1995

Wir gedenken Gibrel K., der am 8. April 1995 in der Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis in Hamburg erhängt aufgefunden wurde. Er war 27 Jahre alt. 

Nachdem sein Asylantrag 1993 abgelehnt worden war, lebte Gibrel K. ohne Papiere in Hamburg. Er wurde gefangen genommen und nach dreimonatiger Abschiebehaft nach Togo abgeschoben. In Togo kam er sechs Monate lang ins Gefängnis. Nach einer erneuten Flucht in die BRD verhaftete ihn die Polizei am 6. April 1995. Er kam in Abschiebehaft, wo er zwei Tage später starb. 

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Rassismus
06. APR
1995
BerlinErschießungPolizei

Wir gedenken eines Menschen, der am 4. April 1995 von Zivilbeamten der Berliner Polizei durch einen Schuss in den Rücken getötet wurde. Er war 26 Jahre alt und Schwarz. Sein Name ist uns unbekannt.  

Der Getötete wurde nach einem Tankstellenüberfall in Berlin-Tempelhof auf der Flucht gestellt und, als er angeblich eine Waffe zog, erschossen. In der ersten Darstellung der Polizei wurde die Tatsache, dass der Schuss von hinten kam, unterschlagen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren gegen den verantwortlichen Beamten. Über dessen Ausgang haben wir keine Informationen. 

Anmerkung: Eigentlich nehmen wir in unsere Dokumentation keine Fälle auf, bei denen die Getöteten selbst eine Schusswaffe hatten. Hier machen wir eine Ausnahme, weil der Betroffene von hinten von der Polizei erschossen wurde. Er kann somit in dem Moment, in dem die tödlichen Schüsse gefallen sind, keine unmittelbare Gefahr für die Beamt:innen dargestellt haben.

www.taz.atavist.com, www.taz.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
12. MÄR
1995
HessenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken El K., der am 12. März 1995 an den Folgen eines „Suizid“versuchs starb. Er war 22 Jahre alt. El K. war aus Marokko geflüchtet und in Abschiebehaft genommen worden. Bei einem „Suizid“versuch zog er sich so schwere Verletzungen zu, dass er zwei Wochen später verstarb.

www.ari-dok.org

Rassismus
26. FEB
1995
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Abijou T., der am 26. Februar 1995 in der JVA Würzburg erhängt aufgefunden wurde. Der Ingenieur und Vater zweier Kinder sollte nach fünfmonatiger Abschiebehaft nach Äthiopien abgeschoben werden. Er wurde 36 Jahre alt.

Abijou T. war in Äthiopien aus politischen Gründen inhaftiert und gefoltert worden. Durch die Hilfe seiner Frau konnte er seine Freilassung erwirken und mit ihr nach Deutschland fliehen. Ihre Asylanträge wurden jedoch abgelehnt. Weil sie bei Zustellung des Ablehnungsbescheides nicht zu Hause angetroffen wurden, sondern zu Besuch bei Verwandten waren, ordnete die Ausländerbehörde ihre Festnahme an. Fast ein halbes Jahr befand das Paar sich in Haft, unter der ständigen Drohung abgeschoben zu werden.

Kurz vor seinem Tod sagte Abijou T. zu einem Betreuer: „Mein größter Fehler war es, nach Deutschland zu gehen und dort Asyl zu beantragen.“

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Rassismus
03. FEB
1995
Bayernphysische GewaltPolizei

Wir gedenken Sammy N., der am 3. Februar 1995 infolge einer Polizeiaktion in einem Münchener Containerlager starb. Er wurde 26 Jahre alt.

Laut Augenzeugen wurde er bei seiner Festnahme so lange durch Polizist:innen geschlagen und getreten, bis er blutüberströmt und reglos am Boden lag. Die Polizei leugnete eine Verantwortung für Sammy N.s Tod.

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zuhause/private WohnungRassismus
20. JAN
1995
Rheinland-PfalzSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken  Amar T., der am 1. Januar 1995 in der JVA Wittlich erhängt aufgefunden wurde. Er war 26 Jahre alt.  

Amar T. saß neun Monate in Abschiebehaft. Zwei Tage vor seinem Tod war er zwangsweise dem algerischen Generalkonsulat vorgeführt worden. 

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Rassismus
31. DEZ
1994
Baden-WürttembergTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Peru, der auf der Flucht vor der Polizei bei Freiburg ums Leben kam. Der Geflüchtete sollte nach Basel verlegt werden und wurde dabei von Beamt:innen des Bundesgrenzschutzes begleitet. In der Nähe von Freiburg sprang er aus dem fahrenden Zug. Sein Name ist uns nicht bekannt, auch das genaue Todesdatum kennen wir nicht.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
31. DEZ
1994
Hessenunklare TodesursachePolizei

Wir gedenken eines Menschen mit polnischer Staatsangehörigkeit, der 1994 in Hessen in Polizeigewahrsam ums Leben kam. Wir kennen weder seinen Namen, noch sein Alter oder den genauen Ort. Auch der Grund, warum der Mann sich in Gewahrsam befand, ist uns nicht bekannt. Er soll an Erbrochenem erstickt sein.

Bundestagsdrucksache 13/1166

PolizeiwacheRassismus
16. OKT
1994
Baden-WürttembergSuizidPolizei

Wir gedenken Abdullah J., der am 16. Oktober 1994 tot im Polizeigewahrsam in Ludwigsburg aufgefunden wurde. Er war 35 Jahre alt.

Er soll sich nur drei Stunden nach seiner Festnahme mit seinem Unterhemd erhängt haben. Der 35-Jährige aus Marokko war mit einer Deutschen verlobt. Trotz sozialer Bindungen sollte er abgeschoben werden.

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PolizeiwacheRassismus
30. AUG
1994
Hessenphysische GewaltPolizei, Sonstige

Wir gedenken Kola Bankole, der am 30. August 1994 bei einem Abschiebeversuch am Flughafen Frankfurt am Main zu Tode fixiert wurde. Er war 30 Jahre alt.

Bei dem schon 6. Versuch ihn abzuschieben wurde der junge Nigerianer geknebelt und auf brutale Weise von Beamt:innen des Bundesgrenzschutzes fixiert. Während Kola Bankole versuchte sich zu wehren, injizierte ihm der anwesende Arzt den Inhalt einer bereitliegenden Mischspritze (Haloperidol und Psyquil) in den linken Oberarm.

Kola Bankoles Körper sackte zwei Minuten später zusammen und sein Puls wurde schwächer. Der Arzt deutete dies als „nigerianertypische Selbsthypnose“ und unternahm keine Wiederbelebungsversuche. Kola Bankole starb. Das Verfahren gegen den Arzt wurde unter Zahlung von 5000 DM wegen „geringer Schuld“ eingestellt. Gegen die tatbeteiligten Bundesgrenzschutz-Beamt:innen wurde nie Anklage erhoben.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
25. JUL
1994
BayernSuizidPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus Kroatien, der am 25. Juli 1994 in bayerischem Polizeigewahrsam ums Leben kam. Zwei Tage später sollte der Mann abgeschoben werden. Sein Name ist uns nicht bekannt. Auch der genaue Ort seines Todes ist unklar. Als Todesursache wird offiziell „Suizid“ angegeben.

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PolizeiwacheRassismus
25. JUL
1994
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken J. K., der am 25. Juli 1994 tot im Bezirkskrankenhaus Gabersee in Wasserburg am Inn aufgefunden wurde. Der Abschiebegefangene aus Jugoslawien soll sich an seinem Hosengürtel erhängt haben. Er war 34 Jahre alt.

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Rassismus
03. JUL
1994
Mecklenburg-VorpommernSuizidGefängis

Wir gedenken eines Mannes aus dem Iran, der am 3. Juli 1994 erhängt in der JVA Bützow in Mecklenburg-Vorpommern aufgefunden wurde. Sein Name und die näheren Umstände seines Todes sind uns nicht bekannt.

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Rassismus
30. JUN
1994
NiedersachsenErschießungPolizei

Wir gedenken Halim Dener, der am 30. Juni 1994 in Hannover von einem Polizeibeamten von hinten erschossen wurde. Er war 16 Jahre alt.

Halim Dener musste 1994 vor Krieg, Verfolgung und Zerstörung durch den türkischen Staat aus Kurdistan fliehen. Vor seiner Flucht wurde er von der türkischen Polizei inhaftiert und gefoltert. In Deutschland stellte er einen Asylantrag. Doch auch hier war er nicht sicher. 1993 waren nach einer beispiellosen Hetzkampagne gegen die kurdische Freiheitsbewegung die PKK und alle ihr nahestehenden Organisationen verboten worden. Es kam zu einer Welle von Durchsuchungen und Verhaftungen, in der öffentlichen Debatte wurden Kurd:innen mit „Terrorist:innen“ gleichgesetzt.

Trotz der Repressionen blieb Halim Dener auch nach seiner Flucht in der kurdischen Freiheitsbewegung aktiv. Wenige Wochen nach seiner Ankunft in Deutschland klebte er Plakate mit dem Emblem der ERNK, einer Massenorganisation der PKK. Dabei wurde er von SEK-Polizist:innen in Zivil überrascht und vermutlich aus nächster Nähe von hinten erschossen. Weil der Todesschütze von seinen Kolleg:innen gedeckt wurde, konnte die Tat nie aufgeklärt werden. Das Landgericht Hannover sprach den Schützen am 27. Juni 1997 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung frei.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
29. JUN
1994
NiedersachsenSuizidGefängis

Wir gedenken eines kurdischen Asylsuchenden, der am 29. Juni 1994 tot in einer Zelle der JVA Vechta aufgefunden wurde. Er war 19 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt.

Der junge Mann wurde in der JVA Vechta in Niedersachsen eingesperrt, weil er zu mehreren Gerichtsterminen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis nicht erschienen war. Er saß in Einzelhaft. Am 29. Juni 1994 wurde er erhängt in der Zelle aufgefunden.

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Rassismus
15. JUN
1994
BrandenburgErschießungPolizei

Wir gedenken eines rumänischen jungen Mannes, dessen Name uns unbekannt ist. Der damals 19-Jährige wurde am 15. Juni 1994 in Kyritz, Brandenburg, durch einen Kopfschuss aus der Pistole eines Polizisten getötet.

Der Beamte gab an, dass sich der Schuss aus Versehen bei einem Schlag ins Genick des Getöteten gelöst habe. Das rumänische Konsulat ging indessen von einem Mord aus und übte Kritik an der mangelnden Kooperationsbereitschaft der deutschen Behörden. Der Todesschütze wurde vom Landgericht Neuruppin zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
02. JUN
1994
Sachsen-AnhaltSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Zhou Z. Er überlebte seine dreimonatige Abschiebehaft in der JVA Volkstedt (Halle) nicht und starb dort am 2. Juni 1994.

Der 43-jährige chinesische Staatsbürger hatte Suizidabsichten geäußert. Sie waren dem Gefängnisdirektor bekannt. Dieser informierte die Ausländerbehörde und bat um Beendigung der Abschiebehaft. Die Behörde lehnte dies ab.

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Rassismus
09. MAI
1994
SachsenZellenbrandAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken eines Geflüchteten aus Algerien, der am 9. Mai 1994 nach einem Zellenbrand in der JVA Dresden an seinen Brandverletzungen starb. Er war 20 Jahre alt. Der junge Mann befand sich seit dem 23. April 1994 in Abschiebehaft in der JVA Dresden. Am 1. Mai 1994 kam es zu einem Brand in seiner Zelle. Eine Pressemitteilung erklärte den Tod zum „Suizid“.

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Rassismus
05. MAI
1994
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Owusu M., der am 5. Mai 1994 erhängt in der JVA Stadelheim in München aufgefunden wurde. Er war 26 Jahre alt.

Owusu M. war 1992 aus Ghana nach Deutschland gekommen und lebte in München. Als er 1994 von der Einwanderungsbehörde aufgefordert wurde, sich Papiere zu besorgen und auszureisen, tauchte er unter. Kurze Zeit später wurde er von der Polizei auf der Straße kontrolliert, festgenommen und nach Stadelheim gebracht. Nach vier Wochen wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden.

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Rassismus
16. MÄR
1994
BayernErschießungPolizei

Wir gedenken eines albanischen Geflüchteten aus dem Kosovo, dessen Namen wir nicht kennen. Er wurde am 16. März 1994 in Bad Endorf in Bayern durch einen Polizisten erschossen. Der Mann war 22 Jahre alt.  

Eine Polizeistreife verfolgte den Asylsuchenden zunächst und stoppte schließlich seinen Wagen. Trotz Aufforderung soll er sich geweigert haben, aus dem Auto zu steigen. Daraufhin schoss ihm ein Beamter in den Kopf.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
25. FEB
1994
BrandenburgErschießungPolizei

Wir gedenken Christian P. aus Rumänien, der am 25. Februar 1994 bei Wulkow in Brandenburg von zwei Polizist:innen erschossen wurde. Er war 18 Jahre alt.

Eine Polizeistreife traf in einem Waldstück auf einen PKW, in dem drei Männer schliefen. Die Männer flüchteten, als die Beamt:innen ihre Personalien überprüfen wollten. Daraufhin gaben zwei Beamte zunächst einen Warnschuss und dann gezielte Schüsse ab. Christian P. wurde dabei tödlich verletzt.

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
25. DEZ
1993
Nordrhein-WestfalenSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Emanuel T., der am 25. Dezember 1993 in Herne (Nordrhein-Westfalen) starb. Zuvor war er am 17. Dezember 1993 bewusstlos in seiner Zelle in der Abschiebehaftanstalt Herne aufgefunden worden. Er soll sich erhängt haben. Emanuel T. wurde 23 Jahre alt.

Emanuel T. sollte nach Khartum abgeschoben werden. Dort drohten ihm Verfolgung und Folter.

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Rassismus
08. DEZ
1993
BayernSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Emmanuel E., der am 8. Dezember 1993 erhängt in seiner Zelle der JVA Regensburg aufgefunden wurde. Er war 23 Jahre alt. 

Emmanuel E. flüchtete 1992 von Liberia nach Deutschland. Seine Eltern waren beide aus politischen Gründen ermordet worden, ihm drohte das gleiche Schicksal. Seinen in Deutschland gestellten Asylantrag lehnten die Behörden ab und ordneten eine Abschiebung an. Bei dem Versuch, seine Schwester in Italien zu besuchen, wurde er an der schweizerischen Grenze festgenommen und anschließend in verschiedenen Gefängnissen festgehalten. 

www.ari-dok.org

Rassismus
10. NOV
1993
BayernTod auf Flucht vor GewaltakteurPolizei

Wir gedenken Mihail Bunja, der am 10. November 1993 auf der Flucht vor der Polizei verunglückte. Er wurde 23 Jahre alt.

Der Rumäne war wenige Stunden zuvor nach Tschechien abgeschoben worden, kehrte aber zurück und sprang – aus Angst vor erneuter Festnahme – aus dem Fenster eines fahrenden Intercity-Zuges. Er erlitt schwere Verletzungen und erfror in der Nacht neben einem Feldweg.

In dem Intercity waren dem Zugbegleitdienst drei Rumänen aufgefallen. Da sie den Rumänen unterstellten, „illegal“ zu sein, riefen sie – in Absprache mit dem Zugführer – die Polizei. Bei einem außerplanmäßigen Halt sollte den Beamten der „Zugriff“ auf die Rumänen ermöglicht werden. Als die Beamten in den Zug stiegen, stellten sie fest, dass nur noch zwei Rumänen im Wagon saßen und das Fenster offen stand. Die Polizei fand Michael Bunjas Leichnam erst am nächsten Morgen.

www.ari-dok.org

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
15. OKT
1993
Rheinland-PfalzSuizidAbschiebehaftanstalt

Wir gedenken Massivi D. L., der am 15. Oktober 1993 tot in der Abschiebehaft der JVA Trier vorgefunden wurde. Er war 27 Jahre alt.

Massivi D. L. soll sich am Fenstergitter mit seinem Bettlaken erhängt haben. Er war als Asylsuchender aus Angola gekommen und lebte und arbeitete bereits fünf Jahre lang in Deutschland, als er wegen angeblicher Fluchtgefahr in Abschiebehaft gezwungen wurde.

www.ari-dok.org

Rassismus
23. JUL
1993
BerlinSuizidGefängis

Wir gedenken Nazmieh C., die am 23. Juli 1993 erhängt in der JVA Plötzensee in Berlin aufgefunden wurde. Sie war 23 Jahre alt. Zuvor hatte die staatenlose Palästinenserin erfahren, dass sie in den Libanon abgeschoben werden sollte.

Nazmieh C. wurde in Beirut geboren, lebte aber seit ihrem 5. Lebensjahr in Deutschland. Sie hatte auch gegenüber dem Gefängnispersonal immer wieder betont, dass sie im Libanon keine Angehörigen habe und auf keinen Fall dorthin abgeschoben werden wolle. Vorübergehend war sie als „suizid“gefährdet eingestuft und hatte unter besonderer Überwachung gestanden. Doch die zuständigen Behörden waren nicht bereit, von den Abschiebeplänen abzurücken. So wurde die junge Frau letztlich in den Tod getrieben.

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Rassismus, Armut
30. JUN
1993
Rheinland-PfalzErschießungPolizei

Wir gedenken Andreas Romano, der am 30. Juni 1993 in Schönenberg-Kübelberg (Rheinland-Pfalz) von der Polizei erschossen wurde. Er war 26 Jahre alt. Beim Versuch Andreas Romano festzunehmen, flüchtete dieser. Auf einen Warnschuss soll er nicht reagiert haben. Daraufhin schossen die Beamt:innen gezielt.

www.taz.de, www.cilip.de

öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
06. MAI
1993
HessenSuizidPolizei

Wir gedenken Miroslava Kolodziejska, die am 6. Mai 1993 in einer Zelle des Bundesgrenzschutzes auf dem Gelände des Flughafens Frankfurt (Main) erstickt ist. Sie war 59 Jahre alt.

Der Notarzt fand in ihrem Rachen Stoffstücke und ein Textilband. Der Pathologe stellte bei der Obduktion zudem Bruchstücke ihres Gebisses in ihrer Speiseröhre und in ihrem Magen fest. Auf ihrem Körper waren Blutergüsse, weitere Verletzungen hatte sie im Mund.

Miroslava Kolodziejska lebte in Polen, sie war strenggläubige Katholikin und hatte drei Kinder. Durch Deutschland kam sie auf dem Weg zu einer Papst-Audienz in Rom. In Frankfurt war ihr wahrscheinlich ihr Gepäck gestohlen worden. Sie hatte weder Geld noch Papiere bei sich, als sie in aufgeregtem Zustand von der Polizei festgenommen wurde.

Als vermeintliche Asylsuchende wurde sie zur Polizeiwache in den Transitbereich des Flughafens gebracht und in eine Zelle eingeschlossen. Später entkleideten zwei Beamtinnen sie gegen ihren Willen und ließen sie nach der Durchsuchung nackt in der Zelle zurück. Die offizielle Erklärung der Staatsanwaltschaft lautet, Miroslawa  Kolodziejska sei „verwirrt“ gewesen und habe sich in einem „religiösen Wahn“ das Leben genommen. Ihre Todesumstände sind jedoch mehr als fragwürdig und bleiben bis heute ungeklärt.

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PolizeiwacheRassismus
23. APR
1993
Baden-WürttembergSuizidPolizei

Wir gedenken eines Menschen aus dem Senegal, der am 24. April 1993 erhängt in einer Polizeizelle in Eislingen in Baden-Württemberg aufgefunden wurde. Er war 25 Jahre alt. Sein Name ist uns nicht bekannt. Der Mann war per Haftbefehl gesucht worden, weil er sich ohne Aufenthaltserlaubnis in der BRD aufhielt. 

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PolizeiwacheRassismus
11. MÄR
1993
HamburgErschießungPolizei

Wir gedenken eines Mannes, dessen Namen wir nicht kennen. Er wurde am 11. März 1993 von der Polizei in Hamburg erschossen. Er war 41 Jahre alt. Der Mann war als Religionsattaché des türkischen Generalkonsulats tätig und soll vor seiner Erschießung eine Person schwer verletzt haben. 

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öffentlicher Raum (auch Auto, Flughafen, Bahnhof)Rassismus
03. MÄR
1993
Nordrhein-WestfalenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Asylsuchenden aus der Türkei, dessen Namen wir nicht kennen. Er wurde am 3. März 1993 in der Justizvollzugsanstalt Dinslaken tot aufgefunden.

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Rassismus
22. JAN
1993
Sachsen-AnhaltErschießungPolizei

Wir gedenken Lorin Radu, der am 22. Januar 1993 von einem Polizisten von hinten erschossen wurde. Er war 21 Jahre alt.

Polizeibeamte nahmen den rumänischen Asylsuchenden gemeinsam mit einem Freund zur Personalienfeststellung auf die Wache in Straßfurt (Sachsen-Anhalt) mit. Beiden wurde vorgeworfen, dass sie sich – gemäß Asylverfahrensgesetz – nicht in Sachsen-Anhalt hätten aufhalten dürfen. Erschossen wurde Lorin Radu im Hof der Polizeiwache von einem Beamten, der ihn bewachen sollte. Der Todesschütze wurde wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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PolizeiwacheRassismus
14. APR
1992
Nordrhein-WestfalenSuizidGefängis

Wir gedenken eines Mannes mit nigerianischer Staatsbürgerschaft, der am 14. April 1992 in der JVA Bielefeld tot aufgefunden wurde. Er war wegen Betrugsverdachts in Untersuchungshaft. Name und Alter des Verstorbenen sind uns nicht bekannt. 

www.dipbt.bundestag.de

Rassismus